Regio-Fußball: Boss Voncina im Interview

Gaggenau (rap) – Vito Voncina, Vorsitzender des Fußballbezirks Baden-Baden, kandidiert erneut für das Amt. Vor dem Bezirkstag am Samstag spricht er über die Corona-Zeit und den Draht zu den Vereinen.

Will weiter ein offenes Ohr für die Anliegen der Vereine haben: Bezirksboss Vito Voncina. Foto: Archiv/Privat

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Will weiter ein offenes Ohr für die Anliegen der Vereine haben: Bezirksboss Vito Voncina. Foto: Archiv/Privat

Seine erste Amtszeit als Vorsitzender des Fußballbezirks Baden-Baden hatte sich Vito Voncina freilich ganz anders vorgestellt. Doch dann kam Corona – und mit dem Virus auch eineinhalb triste Jahre für den Amateurfußball. Eine Spielzeit wurde vorzeitig beendet, die andere gar annulliert. Mit BT-Redakteur Christian Rapp hat sich der 54-Jährige über diese intensive Zeit unterhalten, aber auch über den Charme von Videokonferenzen und die Sehnsucht nach einer Bratwurst samt Bierchen bei einem Fußballspiel.

BT: Herr Voncina, an wie vielen Online-Konferenzen haben Sie in den vergangenen eineinhalb Jahren teilgenommen?
Vito Voncina: Die genaue Zahl weiß ich nicht. Es waren aber so viele, die kann ich gar nicht mehr alle zählen. Ich habe die Möglichkeit der Videokonferenzen gern und viel genutzt, ich bin von Natur aus ein kommunikativer Mensch. Wenn etwas zu besprechen war, habe ich sehr oft die Vereine mit ins Boot geholt, mit sogenannten Infoveranstaltungen, damit ich eben in Kontakt zu den Vereinen treten konnte. Ich bin von den Vereinen gewählt und möchte immer für sie da sein. Aber über 50 Online-Konferenzen waren es ganz bestimmt.

„Es waren zwei kuriose Jahre“

BT: Wie erleichtert sind Sie, dass der Bezirkstag als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden kann?
Voncina: Das ist mir mehr als recht, klar. Ich hätte am liebsten schon vergangenes Jahr präsenztechnisch etwas gemacht, aber dies ging aufgrund der Pandemie-Lage nicht. Bei einer Präsenzveranstaltung wie jetzt am Samstag, melden sich schon mehr Vereinsvertreter als bei einer Onlinesitzung, da hält sich die Mehrheit tendenziell doch eher etwas zurück, wenn etwas besprochen wird. Zudem sind Wahlen und so ist es einfacher.

BT: Ihre erste Amtszeit als Vorsitzender des Fußballbezirks Baden-Baden stand unter einem großen Schlagwort: Corona. Wie fordernd waren die vergangenen zwei Jahre?
Voncina: Es waren schon zwei kuriose Jahre, so wie sie gelaufen sind. Ich konnte mich leider nicht so präsentieren, wie ich es vorhatte. Gerade denen, die an meiner Wahl gezweifelt haben, wollte ich zeigen, dass ich vielleicht doch der richtige Mann am richtigen Fleck bin. Das konnte ich während der Pandemie jetzt leider nicht so machen. Trotzdem war es ein Anliegen von mir, für die Vereine gläsern und transparent zu sein, durch die Online-Konferenzen habe ich eben ganz gezielt die Kommunikation mit ihnen gesucht. Aber klar ist: Wenn alles irgendwann wieder normal laufen sollte, kommen ganz andere Probleme und Themen auf einen zu – und da muss man sich dann beweisen. Das konnte ich in der Art jetzt nicht. Ich bin einer, der am Wochenende gerne auf die Sportplätze geht, den Austausch mit den Funktionären, Trainern und Spielern sucht, um mitzubekommen, was an der Basis los ist. Das klappt nicht, wenn man Zuhause sitzt und nur Mails verschickt.

„Wir müssen weiter flexibel sein“

BT: Die vergangenen beiden Spielzeiten konnten nicht regulär zu Ende gespielt werden. Der Austausch mit den Vereinen war nur via Online-Konferenzen möglich. Wie würden Sie die Kommunikation mit den Vereinen in dieser Zeit bewerten?
Voncina: Die war sehr gut, da muss ich auch an dieser Stelle nochmal ein großes Lob an die Vereine richten. Sie haben in der schweren Zeit nicht nur an sich selbst gedacht, sondern das große Ganze im Blick gehabt und sind zu jeder Zeit sachlich geblieben – das war viel wert. Die Vereine waren immer mit einem offenen Ohr dabei und haben uns als Verband sehr unterstützt. Es war, ich spreche für den Bezirk Baden-Baden, wirklich eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit zwischen unseren Vereinen und den Ausschüssen.

BT: Hat sich der Austausch aus Ihrer Sicht verbessert?
Voncina: Definitiv. Die Möglichkeit, Online-Konferenzen abzuhalten, gab es früher nicht. Es waren bei den Online-Konferenzen zwar nicht immer alle Vereine anwesend, aber schon die gewaltige Mehrzahl. Sollten wir in der kommenden Runde wieder normal Fußball spielen können, habe ich trotzdem vor, ab und zu einen virtuellen Infoabend abzuhalten, um einfach den Austausch mit den Vereinen zu intensivieren und um ein offenes Ohr für deren Anliegen zu haben. Dafür bin ich schließlich gewählt worden.

BT: Herr Voncina, Sie kandidieren für weitere zwei Jahre als Bezirksvorsitzender. Weshalb?
Voncina: Ganz einfach: Weil es mir Spaß macht. Ich bin ein kommunikativer Mensch, dem das Miteinander mit anderen Menschen unheimlich viel Spaß macht. Früher, als Jugendleiter in Bad Rotenfels, kam ich auf den Geschmack, ein Ehrenamt zu übernehmen. Als ich dann zum Verband kam und zuerst Staffelleiter und dann Bezirksjugendwart wurde, wollte ich den Kindern und Jugendlichen etwas Gutes tun. Jetzt möchte ich eben für die Vereine da sein und deren Ansprechpartner in allen Belangen sein.

Ziel: Saubere Runde durchspielen

BT: Welche Kernthemen wollen Sie, eine Wiederwahl vorausgesetzt, in den kommenden beiden Jahren angehen?
Voncina: Ja, Corona loswerden (lacht). Kernthemen habe ich nicht, wir müssen alle gemeinsam nach vorne schauen und hoffen, dass wir eine Runde sauber durchspielen können. Bei allen anderen Angelegenheiten müssen wir flexibel sein, auf den jeweiligen Ist-Zustand mit sinnvollen Maßnahmen reagieren. Wie zum Beispiel mit den Bezirkspokal-Halbfinalspielen, die jetzt am Wochenende steigen. Dadurch, dass wir mit den Partien bis in den Juli gewartet haben, haben wir die Pause für die vier Teams bis zur SBFV-Qualifikationsrunde erheblich verkürzt. Außerdem haben wir aufgrund der niedrigen Inzidenz nun das Glück, dass etliche Zuschauer kommen dürfen – und sogar ihr Bierchen trinken können. Das einzige Ziel für die nähere Zukunft ist, dass wir eine saubere Runde durchspielen – ohne, dass wir wegen der Pandemie Theater bekommen.

BT: Die Runde 2021/22 steht in den Startlöchern. Im August findet die erste Runde im Bezirkspokal statt, im September folgt der Rundenauftakt. Gibt es irgendwelche Änderungen hinsichtlich der Hygienekonzepte oder bei der Handhabe bei einem Corona-Fall innerhalb einer Mannschaft?
Voncina: Falls ein Corona-Fall innerhalb einer Mannschaft auftreten sollte, muss der Verein – wie bereits in der vergangenen Saison – in Kontakt mit den jeweiligen Ordnungs- und Gesundheitsämter treten. Das gilt freilich auch, falls sich die Rahmenbedingungen wieder ändern und die Inzidenzen steigen sollten, wenn sich die zugelassene Zuschauerzahl etwa wieder ändern sollte. Da ist aber letztlich jeder Verein selbst gefordert. Was die Hygienekonzepte anbelangt: Die haben die Vereine bereits im vergangenen Spätsommer und Herbst hervorragend umgesetzt, die haben sich bewährt.

BT: Wie optimistisch sind Sie, dass die Saison relativ normal über die Bühne gehen kann und im kommenden Frühsommer Aufstiege bejubelt sowie Abstiege betrauert werden können?
Voncina: Wenn die Impfquote weiter steigt und auch viele Spieler durchgeimpft sind, dann dürfte die Chance auf eine relativ normale Saison schon groß sein. Aber Versprechen kann man nichts, dafür ist die Pandemie einfach noch zu präsent. Aber klar ist: Jeder Geimpfte vergrößert die Sicherheit.

BT: Herr Voncina, wie sehr freuen Sie sich darauf, bald wieder ein Amateurspiel zu besuchen, eine Stadionwurst zu essen und ein Bierchen zu trinken?
Voncina: Darauf freue ich mich ganz arg – und hoffe am Samstag in Ottenau und Sonntag in Baden-Oos bei den Halbfinalpokalspielen damit anzufangen.

Zum Thema: Bezirkstag

Wenn Vito Voncina am Samstag um 15 Uhr den Bezirkstag des Fußballbezirks Baden-Baden eröffnet, wird es zu einem Novum kommen. Erstmals in der langen Bezirks-Historie treffen sich die Vereine dann nicht in einer Halle, sondern an der freien Luft – nämlich im Gaggenauer Traischbachstadion. Eigentlich war der Bezirkstag in Lichtenau vorgesehen, doch aufgrund der Pandemie-Lage entschied sich Bezirksboss Voncina, die Veranstaltung nicht in stickigen Räumlichkeiten, sondern im Freien abzuhalten. „Es tut mir zwar für den FC Rheingold leid, dass er den Bezirkstag zum zweiten Mal infolge nicht austragen kann, aber in der jetzigen Zeit sollten wir zuvorderst auf die Gesundheit achten“, sagt der Gaggenauer. Eine größere Ansammlung von Menschen – gerade in Zeiten der Delta-Variante – in einer Halle birgt schließlich ein größeres Ansteckungsrisiko als im weitläufigen Rund – samt überdachter Tribüne – des altehrwürdigen Traischbachstadions. Natürlich hat der 54-Jährige mit seinen Mitstreitern auch ein ausgeklügeltes Hygienekonzept auf die Beine gestellt, vier Ordner überwachen das Geschehen, die Sitzplätze sind coronakonform 1,5 Meter voneinander entfernt. „Ich erwarte rund 120 bis 140 Leute“, sagt Voncina.

Sportlich dürfte der Bezirkstag eher keine bösen Überraschungen bereithalten. „Die vergangene Runde wurde ja annulliert. Es ist nichts schiefgelaufen, kein Spieler hat gespielt, der nicht hätte spielen dürfen. Ich gehe davon aus, dass der Bezirkstag flott und ruhig über die Bühne gehen wird“, sagt Voncina, der erneut kandidiert. Neben Wahlen und Ehrungen stehen auch zwei Anträge auf der Tagesordnung – unter anderem vom FC Neuweier, der eine Anpassung beim Schiedsrichter-Soll fordert.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
9. Juli 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 26sec

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