Regio-Fußball: Saison 2020/21 annulliert

Baden-Baden (rap) – Nun herrscht Gewissheit: Der SBFV hat am Freitagabend aufgrund der Corona-Pandemie die Saison 2020/21 abgebrochen und annulliert. Damit wird es keine Auf- und Absteiger geben.

Die Luft ist raus: Der SBFV hat am Freitagabend die Annullierung der bisher pausierenden Runde bekannt gegeben. Foto: Frank Seiter

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Die Luft ist raus: Der SBFV hat am Freitagabend die Annullierung der bisher pausierenden Runde bekannt gegeben. Foto: Frank Seiter

Seit 18.51 Uhr am Freitagabend ist es endlich auch offiziell: Die Saison im südbadischen Fußball wird, wie auch in Nordbaden und Württemberg, abgebrochen. Damit ist die laufende Spielzeit 2020/21 quasi Geschichte, die Spielrunde wird annulliert. Dies gilt für alle Ligen ab der Verbandsliga abwärts – sowohl für den Männer- und Frauenfußball als auch für die Jugend. Für die Oberliga Baden-Württemberg steht eine finale Entscheidung indes noch aus.

„Wir haben bis zuletzt gehofft, mussten nun aber diese bittere Entscheidung treffen. Es war richtig, dass wir uns die Chance so lange wie möglich offengehalten haben, die Saison über den Abschluss der Hinrunde zu einer sportlichen Wertung zu führen – das ist unsere Aufgabe als Verband und Verpflichtung gegenüber unseren Vereinen, für die eine Annullierung teilweise auch wirtschaftlich erhebliche Folgen hat. Ein Abbruch ist deshalb erst dann sachgerecht, wenn in der verbleibenden Zeit keine sportliche Entscheidung mehr herbeigeführt werden kann. Dieser Punkt war nun erreicht“, erklärte SBFV-Präsident Thomas Schmidt.

Erstmals seit Zweitem Weltkrieg keine Wertung

Grundlage der Vorstandsentscheidung sind die anhaltenden Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, die eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs bis zum 9. Mai nach einer angemessenen Vorbereitungszeit unmöglich machen. Dieses Datum hatte der SBFV bereits im Februar als spätesten Zeitpunkt für einen Restart genannt.

Dabei ist die Entscheidung des Verbands eine durchaus historische: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg kann eine Saison im Amateurfußball also nicht gewertet werden. Während die Saison 2019/20 dank der Quotientenregel wenigstens einen Aufsteiger, aber keine Absteiger in jeder Liga hervorgebracht hatte, blieb dem SBFV bei der gestern abgebrochenen Runde keine Handhabe, die Quotientenregelung anzuwenden, da die Mindestanzahl an Spielen – eine, wie beim Außerordentlichen Verbandstag vergangenen Sommer beschlossen, komplette Hinserie –, wegen den weiter hohen Fallzahlen letztlich nicht mehr stemmbar gewesen war.

Mit in die Entscheidung war auch Vito Voncina als Vorsitzender des Fußballbezirks Baden-Baden involviert. Voncina trägt die Entscheidung logischerweise mit, wenngleich er „persönlich die Annullierung früher bekannt gegeben hätte“. Spätestens mit der Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April, den die Bund-Länder-Konferenz bei ihrer letzten Zusammenkunft beschlossen hatte, „lag ein Abbruch nahe“, so Voncina. Jedoch äußerte der Bezirksvorsitzende auch Verständnis für die SBFV-Verantwortlichen: „Es gab noch einige Formalitäten zu klären, gerade auch mit den anderen beiden Fußballverbänden. Letztlich war es für die Vereine ja seit Wochen ein offenes Geheimnis, dass die Saison abgebrochen werden muss.“

Ziel: Pokalspiele im Bezirk Ende Juni

Wie es mit der Oberliga Baden-Württemberg der Männer weitergeht, ist indes noch offen. Dort beschäftigt die Verantwortlichen vor allem die Aufstiegsfrage, da die Regionalliga Südwest nach aktuellem Stand ihre Saison zu Ende spielen wird. Die Spielkommission der Oberliga erarbeite dazu derzeit einen Vorschlag für die Gesellschafterversammlung, erklärte der SBFV.

Während die Saison aufgrund der volatilen Pandemielage letztlich schon länger nicht mehr zu retten war, ist der Verband zumindest bestrebt, die Pokalwettbewerbe sowohl auf Verbands- als auch Bezirksebene durchzuführen. Im SBFV-Pokal müsste Oberligist SV Oberachern erst noch sein Achtelfinale gegen den Landesligisten Rot-Weiß Stegen bestreiten, träfe dann in der Runde der letzten Acht auf den Türkischer SV Singen aus der Bezirksliga Bodensee. Der SV Linx müsste im Viertelfinale zum Landesligisten Spvgg F.A.L. reisen. Der Bezirk Baden-Baden ist dagegen bereits eine Runde weiter. Im Halbfinale stünden sich vier Bezirksligisten gegenüber: Die Spvgg Ottenau träfe auf den FV Bad Rotenfels, der FC Lichtental würde beim FV Baden-Oos gastieren. Die Pokalwettbewerbe der Frauen und der Jugend werden dagegen gestrichen, betonte Voncina, da dort noch mehr Partien zu absolvieren seien und dies einfach nicht durchführbar sei.

Dusch: „Hoffe sehr, dass wir die neue Saison pünktlich starten“

„Sollten es die Fallzahlen und die Corona-Verordnungen irgendwie ermöglichen, würden wir die Halbfinalpartien und das Finale in den beiden letzten Juni-Wochen spielen“, erklärte Voncina. Um die Spiele aber tatsächlich durchführen zu können, müssten „die Vereine drei, vier Wochen davor ins Training einsteigen können“, sagte der Bezirksvorsitzende. Um sich ein Stimmungsbild der verbliebenen vier Mannschaften einzuholen, wird Voncina am kommenden Dienstag mit ihnen den Austausch suchen.

Hoffnungen setzt der SBFV darauf, dass die kommende Saison halbwegs normal über die Bühne gehen kann. „Ich hoffe sehr, dass wir die neue Saison pünktlich starten und endlich wieder das eine oder andere Wochenende in gewohnter Atmosphäre auf unseren Fußballplätzen verbringen können“, sagte SBFV-Vizepräsident Christian Dusch.

Reaktionen aus dem Fußballbezirk Baden-Baden

Ralf Balzer (Sportlicher Leiter des Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim): „Die Entscheidung war seit Wochen absehbar, wir haben seit zwei Wochen auch das Online-Training bereits eingestellt. Nichtsdestotrotz habe ich Verständnis für den Verband. Im Sinne des Sports wollte sich der SBFV so lange wie möglich die Option offen halten, doch noch die Runde fortsetzen zu können. Ich finde nicht, dass es eine Hinhaltetaktik vonseiten des Verbands war. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – jetzt ist sie gestorben. Nun ruhen die Hoffnungen eben auf der kommenden Runde. Wann wir wieder in einen Trainingsbetrieb starten können, ist derzeit nicht absehbar, ich sehe aber nicht den SBFV, sondern die Landesregierung in der Pflicht. Klar ist, dass wir beim SV 08 nicht voreilig auf den Platz zurückkehren werden, sondern die dann geltenden Regeln beachten und befolgen werden.“

Johannes Hurle (Trainer des Verbandsligisten SV Bühlertal): „Diese Entscheidung war längst hinfällig. Ich hätte mir gewünscht, dass der Verband früher reagiert. Seit längerer Zeit war es klar, dass die Saison nicht zu retten war. Jetzt herrscht endlich Klarheit, die Spieler wissen Bescheid und müssen sich nicht auf Teufel komm raus fit halten. Jetzt ist es wichtig, dass schneller geimpft wird, damit die dritte Welle nicht noch größer wird. Wir sollten alle zusammen wieder den Gesundheitsaspekt in den Vordergrund rücken. Wann wir letztlich wieder auf den Platz zurückkehren können, sei es in Form eines Corona-Trainings oder in den Spielbetrieb, ist jetzt nicht von größter Wichtigkeit. Wichtig ist es, dass es in den Schulen läuft, bei der Arbeit und bei der Bildung. Dann, irgendwann, kommt der Amateursport – und auch da ist es erstmal wichtiger, wieder die Kids auf den Platz zu bringen. Auch die Seniorenmannschaften werden im Sommer oder Spätsommer sicherlich wieder trainieren können. Jetzt ist noch etwas Geduld gefragt. Es ist nicht die Zeit, voreilig irgendwelche Zeiträume zu beschließen.“

Stefan Voppichler (Sportdirektor beim Landesligisten VfB Bühl): „Die Entscheidung lag ja längst auf der Hand. Ich verstehe nicht, worauf der Verband so lange gewartet hat. Für die Vereine und Spieler war es seit mehreren Wochen klar, dass es keinen anderen Ausweg gab, als einen Abbruch. Vor einem Jahr, beim ersten Lockdown, hat der SBFV richtig gehandelt – und auch die Kommunikation mit den Vereinen war gut. Jetzt haben sie die Entscheidung zu lange vor sich hergeschoben. Dafür habe ich kein Verständnis. Ich hoffe, dass wir im Juli oder August wieder in einen Trainings- und dann in einen Spielbetrieb starten können. Aber ganz langsam, denn die Trainer stehen nach so einer langen Pause vor einer großen Aufgabe, die Spieler mit guten Trainingsprogrammen wieder an ein gewisses Fitnessniveau heranzuführen. An irgendwelchen Turnieren im Vorfeld werden wir uns nicht beteiligen. Aus dem Stand heraus, ohne wirkliches Training, in einen Wettkampfmodus zu schalten, macht für uns als VfB Bühl keinen Sinn. Priorität sollten zudem die Kinder haben, dass sie wieder auf den Platz dürfen.“

Kommentar von Moritz Hirn

Keine Frage, der Komplettabbruch samt Annullierung der aktuellen Spielzeit ist bitter – für Spieler, Vereine, den Fußball an sich. Aber: Angesichts galoppierender Corona-Zahlen und einer Zuspitzung der Situation auf den Intensivstationen der Krankenhäuser ist die Entscheidung, die Saison vorzeitig und endgültig zu den Akten zu legen, die einzig richtige. Das nackte Ergebnis der jüngsten Elefantenrunde in der Freiburger Verbandszentrale sowie den fernmündlich zugeschalteten Vorstandsmitgliedern ist allerdings das einzig Positive, das die SBFV-Granden im Rahmen ihres wochen-, ja monatelangen Findungsprozesses zustande-

gebracht haben. Schon lange kann kein Fußballer – und auch der ein oder andere exponierte Funktionär – mehr nachvollziehen, warum der Verband mit seiner Entscheidung derart lange gebraucht hat. Zumal sich die Faktenlage seit geraumer Zeit unverändert schlecht ist. In diesem Zusammenhang wird gern auf rechtliche Aspekte sowie ein konzertiertes Vorgehen mit den Kollegen aus Nordbaden und Württemberg verwiesen. Wirklich überzeugen kann diese Argumentationslinie nicht. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass andere Sportverbände in nahezu deckungsgleicher Lage – siehe Handball – deutlich basisfreundlicher zu einem Ergebnis gekommen sind. Durch diese Hinhaltetaktik – man ist geneigt, es „Rumgeeiere“ zu nennen – hat sich der Verband nicht mit Ruhm bekleckert, vielleicht sogar Kredit verspielt.

Diesen kann er nun zurückgewinnen, nämlich mit schlüssigen und vor allem umsichtigen Konzepten für die nähere Zukunft, sprich: die baldige Rückkehr auf den Trainingsplatz. Das vorschnelle Abnicken von Turnierformen, womöglich bezirksübergreifend, gehört freilich nicht dazu.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
9. April 2021, 19:27 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 35sec

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