Regionalkonferenz diskutiert über Mobilitätswende

Baden-Baden (tas) – Die Verkehrswende ist längst im Gang, doch Corona hat auch hier für neue Perspektiven gesorgt. Darüber und über andere Verkehrsthemen diskutieren Experten in Baden-Baden.

Vorrang für das Fahrrad: In Karlsruhe sollen öffentliche Räume verkehrstechnisch umgestaltet werden. Foto: Uli Deck/dpa

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Vorrang für das Fahrrad: In Karlsruhe sollen öffentliche Räume verkehrstechnisch umgestaltet werden. Foto: Uli Deck/dpa

Heute die richtigen Entscheidungen für die Welt von morgen treffen – keine leichte Aufgabe, der sich die Politik jeden Tag stellen muss. Am Beispiel Mobilitätswende wird das eindrucksvoll deutlich. Bund, Länder und Kommunen haben sich in den vergangenen Jahren den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf die Fahnen geschrieben, vor allem um Klimaschutzziele zu erreichen. Doch wie genau soll das passieren und mit welcher Intensität?

„Wir müssen die Wünsche der Generation Z bei der Ausgestaltung unseres zukünftigen Verkehrs unbedingt berücksichtigen. Die heutigen Jugendlichen müssen schließlich in 60 Jahren mit diesen Entscheidungen leben“, sagt Karlsruhes OB Frank Mentrup. „Um unsere Mobilität enkeltauglich zu machen, sollten Kommunen nicht nur diverse Aspekte des Klimaschutzes berücksichtigen, sondern auch digitale Zukunftstechnologien miteinbeziehen.“

Er, weitere politische Entscheidungsträger und Experten rund um das Thema Verkehr der Zukunft trafen sich am Mittwoch zur Regionalkonferenz Mobilitätswende im Kongresshaus Baden-Baden. Knapp 500 Teilnehmer hatten sich zu der zweitägigen Veranstaltung der Technologieregion Karlsruhe und der Metropolregion Rhein-Neckar angemeldet, die in diesem Jahr aufgrund der Pandemie für die Zuhörer virtuell abläuft. Sie können sich per Livestream zuschalten, aber auch mitdiskutieren.

Nicht für alle Kommunen gleichermaßen passend


Mentrup, dessen Stadt vor rund 30 Jahren ein zukunftsweisendes Verkehrskonzept (Karlsruher Modell) auf die Beine stelle, profitiere heute von der lang zurückliegenden Entscheidung. „Damals hat noch keiner über Klimaschutz nachgedacht. Doch die damaligen Lösungen sind auch die heutigen Lösungen bei der Verkehrswende.“

Jetzt allerdings könne man sich nicht mehr so viel Zeit lassen, um die richtigen Weichen zu stellen. „Wir müssen an der Geschwindigkeitsschraube drehen“, sagt Mentrup und plädiert dafür, erfolgversprechende Forschungsansätze schnell zur Marktreife zu bringen. „Man muss den Mut haben, das beste Projekt zu identifizieren und es zum Standard zu machen.“

Um massentaugliche Systeme aufzubauen, dürfe man sich nicht im Klein-Klein verfangen. Dass bestimmte Verkehrskonzepte jedoch nicht für alle Kommunen gleichermaßen passend seien, unterstreicht Baden-Badens OB Margret Mergen: „Jede Stadt hat andere Strukturen und Gegebenheiten. Deswegen müssen auch die Mobilitätslösungen individuell gestaltet werden.“ In der Kurstadt mit seiner besonderen Topografie und Demografie könne der gesamte Verkehr beispielsweise nicht dem Fahrrad untergeordnet werden. „Es geht aber darum, Alternativen zum eigenen Auto zu schaffen“, beispielsweise über Park-and-Ride-Systeme.

„Das wichtigste ist, dass wir unser Denken verändern“, sagt Mentrup. Anstatt zu warten, das sich die Fahrradinfrastruktur und der ÖPNV immer weiter verbessern, bevor man sein eigenes Auto zu Hause stehen lässt, sollte man sich auch auf die bereits heute guten Alternativen einlassen. Die Corona-Pandemie habe hier auch zu neuen Einsichten geführt.

Dass neben ÖPNV, Fahrrad und intelligenter Verkehrssteuerung auch das Elektroauto künftig eine wichtige Rolle bei der Mobilitätswende in Deutschland spielen soll, liegt auf der Hand. Hier müsse noch viel Geld in die öffentliche Ladeinfrastruktur investiert werden, sagt Steffen Bilger (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. „Wir brauchen einen massiven Ausbau.“ Nachdem die Bundesregierung in der Vergangenheit private Ladestationen gefördert hatte, sieht er nun einen Schwerpunkt im öffentlichen und gewerblichen Bereich. Dafür stünden bis 2025 rund sieben Milliarden Euro bereit. Ziel sei es auch, die Schnellladeinfrastruktur in den kommenden Jahren auszubauen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte in der vergangenen Woche eine positive Bilanz der Entwicklung der E-Mobilität in der Bundesrepublik gezogen. Er hält es angesichts der massiv anziehenden Nachfrage nach E-Autos im Land für denkbar, dass das Ziel von sieben bis zehn Millionen Elektroautos, die bis 2030 auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen, sogar noch übertroffen werden kann.


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