Regionalmanager Kultur als Meister des Netzwerkens

Karlsruhe (cl) – Die neue „Handreichung“ zum Pilotprojekt „Regionalmanager Kultur“ des Landes ist nun vorgestellt worden. Sechs Modellregionen wollen die Kultur im ländlichen Raum besser koordinieren.

Das neue Regionalmanager-Team Marta Schmidt und Volkmar Baumgärtner ist für die Breitenkultur im Raum Karlsruhe/Baden-Baden zuständig.  Foto: Vlado Bulic/Kulturregion Karlsruhe

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Das neue Regionalmanager-Team Marta Schmidt und Volkmar Baumgärtner ist für die Breitenkultur im Raum Karlsruhe/Baden-Baden zuständig. Foto: Vlado Bulic/Kulturregion Karlsruhe

Kulturakteure im ländlichen Raum brauchen professionelle Ansprechpartner, die zwischen Verwaltung und Kulturprojekten vermitteln. So könnten sie entscheidend zur Stärkung der kulturellen Infrastruktur einer Region beitragen. Der Bedarf an Kulturmanagern, die die vielen Aktivitäten im Blick behalten, sie fördern und bekannter machen, gegebenenfalls zu einem Festival verbinden, sei groß. Denn nur wenige Kommunen und Landkreise hätten hauptamtliche Ansprechpartner für die Kultur.

Das ist keine neue Erkenntnis, aber die Einrichtung eines „Schnittstellenmanagements“ wird immer dringlicher, sowohl in puncto Kultur als auch Tourismus in der ländlichen Region. Bundeskulturstiftung und Land Baden-Württemberg arbeiten zusammen an der Verbesserung der Situation.

Sechs Modellregionen aus Baden-Württemberg – vom Hohenlohekreis bei Schwäbisch Hall, über die Region Karlsruhe/Baden-Baden bis zum Landkreis Waldshut mit Schloss Bonndorf – nehmen an dem Pilotprojekt „Regionalmanager*in Kultur“ teil. Dadurch sollen die vielen Kulturakteure im ländlichen Raum besser miteinander vernetzt – und der jeweils spezifische Bedarf an Unterstützung für die einzelnen Kulturakteure ermittelt werden. Die Stellen sollen nah an den politischen Gremien angesiedelt sein, bei Oberbürgermeistern sowie Landräten, damit sollen diverse Kultur- wie Vereinsprojekte jeweils „Chefsache“ werden.

Initiative ist auch in den neuen Koalitionsvertrag des Landes aufgenommen

„Die Kultur muss selbstbewusster werden, damit sie nicht nur als Randthema in der Gesellschaft wahrgenommen wird, sondern als zentraler Bereich“, erklärte Patrick Föhl vom federführenden Trafo-Projekt „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“, das die „Modelle für Kultur im Wandel“ zusammen mit der Kulturstiftung des Bundes sowie des Wissenschafts- und Kunstministeriums Baden-Württemberg initiiert hat.

Jetzt ist das Pilotprojekt „Regionalmanager Kultur“ bei einer digitalen Konferenz mit der Vorstellung der neuen „Handreichung“ weiter vorangetrieben worden; der Band fasst wesentliche Erkenntnisse zusammen, die die Entwicklung des seit eineinhalb Jahren durch Kulturkonferenzen begleiteten Projekts bereits erbracht hat. Die als Broschüre vorliegende Handlungsempfehlung soll zur Weiterentwicklung der regionalen Kulturarbeit beitragen und die Initiierung weiterer Anlaufstellen für die Kunst- und Kulturschaffenden sogar bundesweit anregen.

Der Impuls fürs Pilotprojekt kam aus dem Kunstministerium. Die Initiative ist auch in den neuen Koalitionsvertrag des Landes aufgenommen worden. „Die Regionalmanagerinnen und Regionalmanager tragen wesentlich zur Weiterentwicklung der regionalen Kulturarbeit bei. Mit der Handreichung geben wir die Erfahrungen aus der Pilotphase an interessierte Regionen weiter“, resümierte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski. „Sie soll zugleich Impuls und Grundlage dafür sein, solche notwendigen Stellen auch in anderen Landkreisen und Regionen zu schaffen“, so Olschowski.

Land und Bund fördern das Pilotprojekt bis 2023 mit über 700.000 Euro. „Netzwerken“ sei die vornehmliche Aufgabe der neuen Regionalmanager, betonte Hortensia Völckers, die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes – das Gespräch suchen mit allen kulturellen Akteuren des jeweiligen Gebiets, mit der Politik, der Wirtschaft, mit Tourismus, Schulen und Jugend- sowie Bildungseinrichtungen. Kernaufgaben sind Vermittlung und Dienstleistung. Dabei sollte der Bedarf in der jeweiligen Region beachtet werden – die bereits bestehenden kulturellen Aktivitäten und Veranstaltungen im Blick behalten werden.

Regionalmanager Kultur als Vermittler und Veranstalter

Die Kulturschaffenden, das bekannten die neuen Regionalmanagerinnen und -manager, wissen zu wenig voneinander, finden in den Köpfen der Allgemeinheit zu wenig statt und erreichen damit zu wenig. Die sechs Modellregionen haben bereits unterschiedliche Projekte und Ideen aufgenommen. Im Rems-Murr-Kreis nahe Stuttgart, wo es ein etabliertes Musikfestival gibt, tritt die Regionalmanagerin auch als Veranstalterin auf. Im Hohenlohekreis bei Schwäbisch Hall sollen die Kulturprogramme in den diversen Schlössern besser koordiniert werden, steht Vermittlungsarbeit an.

Die kulturreiche Region Karlsruhe mit den Städten Rastatt und Baden-Baden hat ein Kulturmanager-Team aus dem Verwaltungsfachmann Volkmar Baumgärtner, der auch Geschäftsführer der Kultur-Region Karlsruhe ist, und der Sängerin und Gesangspädagogin Marta Schmidt beauftragt. „Das Augenmerk bei der Kultur im ländlichen Raum zeigt auch, dass Stadt und Land kein Gegensatz sein müssen“, erklärte Gerd Hager, der Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, wo die beiden Regionalmanager angesiedelt sind. Sie sind für die Breitenkultur in drei Städten und zwei Landkreisen zuständig – und haben mit der „Kultur-Lounge“ ein erstes öffentliches Gesprächsforum für die Bürger sowie eine neue App in Betrieb genommen. „Wir sehen das Regionalmanagement als Plattform, auf der wir neue kulturelle Impulse, gute Ideen, Best Practice und Erfahrungen – jetzt auch bundesweit – wahrnehmen können“, erklärte Volkmar Baumgärtner.

Die 50-seitige „Handreichung“ ist bei der Kulturstiftung des Bundes kostenlos bestellbar oder zum Herunterladen im Netz.

www.trafo-programm.de/ handreichung_regionalmanager


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