„Rehberger-Weg“ mit 24 Kunststationen

Weil am Rhein (cl) – Der „Rehberger-Weg“ mit seinen „24 Stops“ verbindet den Vitra Campus in Weil mit der Fondation Beyeler in Riehen. Am 22. August gibt es ein Sommerfest an beiden Endpunkten.

Die „24 Stops“ von Tobias Rehberger führen entlang eines Aussichtspanoramas. Am bunten Fernglas kann der Blick noch weiter, als das Auge reicht, über die Rheinebene schweifen.  Foto: Vitra Campus

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Die „24 Stops“ von Tobias Rehberger führen entlang eines Aussichtspanoramas. Am bunten Fernglas kann der Blick noch weiter, als das Auge reicht, über die Rheinebene schweifen. Foto: Vitra Campus

Mit seiner Op-Art-Raumkunst hat Tobias Rehberger vor zwölf Jahren das Café der Kunsthalle Baden-Baden Aufsehen erregend gestaltet. Kurz zuvor hatte der gebürtige Esslinger mit einer ähnlich angelegten, knallbunt designten Oase für Kunstbesucher auf der 53. Biennale in Venedig den Goldenen Löwen, die Premiumauszeichnung, gewonnen. Venedig hat das Rehberger-Design in jenem Sommer 2009 salonfähig gemacht.

An der deutsch-schweizerischen Grenze ließ sich der Künstler dann von einem ganzen Naturraum inspirieren – zu einem Kunstwanderweg mit mittlerweile 24 bunten Wegmarken. Der „Rehberger-Weg“ verknüpft über eine Länge von rund fünf Kilometern zwei Länder und zwei Kulturinstitutionen – den Vitra Campus in Weil am Rhein und die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Die „24 Stops“ von Tobias Rehberger markieren die Route. Mit einem Sommerfest entlang der Wegstrecke feiert der Kunstweg am 22. August sich selbst und die Rückkehr der vielen Kunstmöglichkeiten nach dem Corona-Lockdown. Jeweils an den Start- und Endpunkten erhalten die Kunstwanderer zwischen 14 und 18 Uhr Karten und Brotzeit.

„Der Weg soll zwei befreundete Kunstinstitutionen verbinden“, sagt Sam Keller, der Direktor der Fondation Beyeler – und er sei ein Kunstwerk für alle. Die etwa eineinhalbstündige Kunstwanderstrecke verläuft an der deutsch-schweizerischen Grenze über Stock und Stein, durch Gassen, entlang von Wiesen und Weinbergen. „Eine Grundidee war, dass man diesen Weg von einem Museum zum anderen anhand von Objekten, die nicht unbedingt als Wegmarken erkennbar sind, trotzdem findet“, sagt der Künstler. Rehberger kann mit öffentlichem Raum genauso umgehen – wie mit Innenräumen. Er bewegt sich an den Grenzen zwischen Kunst und Design. Fröhlich werden die Spaziergänger mit den grellen Farben und futuristischen Formen ermuntert, mit den Objekten zu interagieren.

Zwei Glocken stehen am Ausgangspunkt beim Vitra Campus in Weil als Wegmarken und können als Startsignal geschlagen werden. Als Wegweiser fungiert eine Silhouette in Form einer Wolke auf einem gelben Stab. Rechts und links dieser Wolke stehen zwei Richtungspfeile. Aber Achtung: Die „Wegweisung“ wird durch den Wind beeinflusst. Je nachdem aus welcher Richtung er weht, deuten die Pfeile eine zufällige Richtung an. Kurz nach der Wegbiegung kommt schon ein Schatten spendender Baum der besonderen Art, gleich neben einer Bank. Bunte, kreisförmige Elemente bilden seine stählerne Krone. Es gibt Unterstände mit farbenfrohen Dächern. Eine breite Säule in leuchtendem Orange spendet den Vorbeikommenden auf Knopfdruck sogar Wasser.

Brotzeit-Beutel zum Sommerfest am 22. August

Bodenarbeiten, Wandmalereien, Straßenlaternen, eine moderne Kuckucksuhr – alles Dinge, die man unter funktionalen Gesichtspunkten beim Wandern antreffen und nutzen kann, hat Rehberger für seinen Weg geschaffen. Sie treten aber nicht in Konflikt mit der Natur, sondern sind auch witzige Aufforderung, vielleicht mal eine Kunstpause einzulegen. Dabei schärft der Weg die Aufmerksamkeit für die Natur.

Die Strecke führt vorbei an Aussichtspanoramen auf halber Höhe zwischen den Weinbergen. Mit dem blau-gelben Rehberger-Fernglas kann der Blick von dort aus noch weiter, als das Auge reicht, in die Ferne schweifen. Zurück in der Ebene erhält der Wanderer beim „Hochsitz“ noch einen schönen Ausblick. Nahe der Grenze zur Schweiz überquert der „Rehberger-Weg“ schließlich das Flüsschen Wiese an der kleinen Grenzstelle Zoll-Riehen-Weilstraße und leitet hinein in den Berowinger Park bei der Fondation Beyeler. Zwischen den ehemaligen Remisen des Berower Guts, auf dem sich die Fondation befindet, hängen Vogelkäfige, deren Gitter stellenweise aufgebogen sind – als letztes Kunstwerk.

„Ein Forscher und Abenteurer, der sich an den Grenzen zwischen Kunst und Design bewegt“, nennt Fondation-Direktor Keller den 1966 geborenen Künstler aus dem Schwäbischen, der an der renommierten Städelschule in Frankfurt sein Kunststudium absolvierte. Auch in Riehen markieren zwei Glocken den End- und Ausgangspunkt des „Rehberger-Wegs“. Man kann ihn auch umgekehrt gehen.

Bei schlechtem Wetter verschiebt sich das Sommerfest auf 29. August. Ein kostenloser Shuttle-Service bringt die Kunstfans des Sommerfests wieder retour, zum Ausgangsort: Riehen, Fondation Beyeler oder Vitra Campus, Weil.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
10. August 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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