Reibungsloser Realbetrieb auf eHighway

Murgtal (stj) – Die Beteiligten am Pilotprojekt Elisa in Hessen haben mit Bürgern Mittelbadens über die Praxis-Erfahrungen auf der A5 berichtet. Daraus ergeben sich Rückschlüsse für eWayBW.

Elisa (Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen) heißt das eHighway-Projekt in Hessen. Unser Bild zeigt einen Oberleitungs-Hybrid-Lkw unterwegs auf der Teststrecke zwischen Darmstadt und Frankfurt. Foto: Hessen Mobil

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Elisa (Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen) heißt das eHighway-Projekt in Hessen. Unser Bild zeigt einen Oberleitungs-Hybrid-Lkw unterwegs auf der Teststrecke zwischen Darmstadt und Frankfurt. Foto: Hessen Mobil

„Mit den Erfahrungen sind wir bisher sehr zufrieden.“ Dieses Zwischenfazit beim Projekt Elisa (Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen) zieht Professor Gerd Riegelhuth, Präsident von Hessen Mobil. Auf der stark befahrenen Autobahn 5 zwischen Frankfurt und Darmstadt ist seit 7. Mai 2019 Deutschlands erster eHighway in Betrieb. Auf jeweils fünf Kilometern pro Richtung verkehren dort Oberleitungs-Hybrid-Lkw, die mit Ökostrom versorgt werden. Damit sollen sie zu einem klimafreundlichen Straßengüterverkehr beitragen.

Zusammen mit dem eHighway auf der Bundesautobahn 1 zwischen der Anschlussstelle Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck in Schleswig-Holstein und der Teststrecke auf der Bundesstraße 462 zwischen Kuppenheim und Obertsrot liefert Elisa wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für den Verkehr von morgen.

Während der Feldversuch im Murgtal noch im Aufbau befindlich ist, läuft der Realbetrieb auf der A5 inzwischen seit eineinhalb Jahren. Und das reibungslos, wie Christine Hemmel in einer Videokonferenz versicherte. Die Geschäftsführerin der Spedition Schanz GmbH & Co. KG gehörte neben Riegelhuth, Dr. Peter Doepken vom hessischen Verkehrsministerium und Igor Rudgartser vom Dezernat Intelligente Verkehrssysteme bei Hessen Mobil zu den Experten, die auf Initiative des Landtagsabgeordneten Thomas Hentschel (Grüne) über die Praxiserfahrungen auf der A5 informierten.

Mittlerweile fahren dort fünf Speditionen mit fünf OH-Lkw emissionsfrei über eine Autobahnstrecke von insgesamt zehn Kilometern Länge. Die Prototypen werden dabei auf Herz und Nieren geprüft, „damit wir sehen können, ob wir in die Technik investieren oder nicht“, erläuterte Hemmel die Beweggründe, sich am Projekt zu beteiligen. Drei Fahrer hat das mittelständische Unternehmen, das insgesamt 70 Mitarbeiter beschäftigt (davon 35 Fahrer), dafür schulen lassen. Viermal pro Tag fahren sie von Ober-Ramstadt bei Darmstadt nach Frankfurt und bringen damit täglich Lasten von 100 bis 150 Tonnen in ein Außenlager. Die Mitarbeiter sehen Elisa ebenso positiv wie die Kunden, die Fahrer seien von dem Scania-Oberleitungs-Hybrid-Lkw regelrecht begeistert, berichtete Hemmel. Vorteil im Tagesgeschäft sei neben der Energieeffizienz die Tatsache, dass kein Zeitverlust entsteht, weil die Batterie des Lkw während der Fahrt unter den Strommasten über den Pantograf (ein Stromabnehmer, der die Energie auf den Elektromotor überträgt) oder durch Bremsrekuperation (Rückgewinnung von Energie) auflädt. Außerdem komme der Spedition zugute, dass man mit dem OH-Lkw keine Probleme mit dem Dieselfahrverbot hat, das in Darmstadt gilt.

Anlage bereitet Rettungskräften bei Unfällen keine Probleme

Probleme habe es mit der Anlage auf der A5 auch bei Unfällen bisher keine gegeben. Wie die Projektbeteiligten betonten, sei es seit der Inbetriebnahme der Teststrecke unabhängig von der Anlage zu fünf Fahrzeugbränden unter den Strommasten sowie zu mehreren Autounfällen gekommen. Kompliziert sei es nicht, meldeten die entsprechend geschulten Rettungskräfte der Feuerwehr Darmstadt und der Freiwilligen Feuerwehr Mörfelden den Projektverantwortlichen zurück. Diese hatten im Vorfeld von Elisa ein Sicherheitskonzept erarbeitet. So schaltet sich der eHighway im Notfall sofort automatisch ab. Dass das Konzept greift, habe ein Unfall gezeigt, als ein unzulässig hoher Lkw mit Kranaufbau die Oberleitung erwischte.

„Die Prozesse funktionieren einwandfrei“, bestätigte Peter Doepken vom Referat Mobilität, Logistik im hessischen Verkehrsministerium. Er gab auch einen globalen Überblick zur Notwendigkeit, im Güterverkehr auf der Straße tätig zu werden. Elisa zeige den Weg auf, wie der Verkehrssektor einen bedeutenden Beitrag zum Erreichen der nationalen Klimaschutzziele leisten könnte. „Grünstrom ist die Zukunft“, unterstrich Doepken. Und diesbezüglich sei die batterieelektrische Mobilität bei Lkw, wie sie in Hessen, Schleswig-Holstein und im Murgtal getestet wird, derzeit die effizienteste Variante – auch im Vergleich zu Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen.

Hentschel zeigte sich mit der Informationsveranstaltung zufrieden. Er nannte die drei Feldversuche als Ganzes „ein wichtiges Projekt zur Erforschung eines klimaneutralen Transports, das Perspektiven hat“. Eigentlich wollte der Landtagsabgeordnete mit den Bürgern der Region zur Teststrecke nach Frankfurt fahren. Dies war wegen Corona aber nicht möglich, weshalb die Video-/Telefonkonferenz als Alternative organisiert wurde.

Show-Room im Unimog-Museum?

Infos rund um das Thema Oberleitungs-Hybrid-Lkw bietet der Elisa-Showroom im House of Logistics and Mobility in Frankfurt am Main. Einen solchen Ausstellungsraum hält Landtagsabgeordneter Thomas Hentschel auch beim Projekt eWayBW für „absolut sinnvoll“. Eine Option dafür könnte das Unimog-Museum sein. Hentschel werde einen solchen Show-Room auf jeden Fall anregen, betonte er auf BT-Anfrage.

Internet: https://ehighway.hessen.de


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