Reich und doch so arm

Baden-Baden (mi) – Die US-Sportstars werden von ihren vielen Fans um ihr Vermögen beneidet. Luxuswahn, Alkohol, Drogen, Unterhaltskosten sorgen aber oft dafür, dass sie beim Karriereende pleite sind.

Der frühere Skandalboxer Mike Tyson (links) hat es geschafft, rund eine halbe Milliarde Dollar zu verprassen. Foto: Joe Scarnici/dpa

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Der frühere Skandalboxer Mike Tyson (links) hat es geschafft, rund eine halbe Milliarde Dollar zu verprassen. Foto: Joe Scarnici/dpa

Sein Markenzeichen waren die bunten Hosen. Mit ihnen ging John Daly in der eher elitären Golf-Welt als bunter Vogel durch. Und bunt ist eher noch untertrieben, was für ein Leben der zweimalige Major-Sieger abseits des Grüns führte. Der US-Skandalprofi kam eher als Rocker der Marke ultrahart daher, immer auf der Überholspur, gepusht von seiner chronischen Alkoholsucht.

In seiner Autobiografie bekannte der Blonde, dass er schon während seines ersten Major-Turniers Bier aus Pappbechern trank und Kette rauchte. Und Daly hatte neben seinem Golf-Handicap noch ein viel Gravierenderes: Spielsucht. Er bekannte in dem Buch, dass er in 20 Profijahren 60 Millionen Dollar in Casinos verzockte, 1995 war er pleite. Im September des Vorjahres wurde bei ihm auch noch Krebs diagnostiziert. John Dalys Schicksal von einem hochbezahlten Sportstar, der plötzlich Insolvenz anmelden muss, ist kein Einzelfall in den Vereinigten Staaten. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird für viele Asse auch zum Land der unbegrenzten finanziellen Unmöglichkeiten, die als letzte Konsequenz die Pleite, privates Unglück oder gar Gefängnis nach sich ziehen.

Football und Basketball im Fokus

Der Sportsender ESPN veröffentlichte vor einigen Jahren, dass nicht weniger als 78 Prozent der hochbezahlten Footballprofis der NFL und 60 Prozent der NBA-Basketballer im Zeitraum von zwei bis fünf Jahren nach dem Karriereende in schweren finanziellen Schwierigkeiten stecken oder pleite sind.

Bekannt ist, dass NBA-Ikone Michael Jordan, der mit sechs Titeln die Erfolgsgeschichte der Chicago Bulls schrieb, gerne am Abend vor Spielen auch die Spielhallen unsicher machte. Das ist bei seinem Riesenvermögen indes harmlos, verglichen mit dem, was seine zwei wichtigsten Adjutanten bei den Bulls so verschleuderten. Scottie Pippen verdiente rund 120 Millionen Dollar in seiner Karriere, die er mit Investitionen in windige Geschäfte wieder verpulverte. Nach seinem gescheiterten Comeback verdingte er sich gar noch in den Basketball-Entwicklungsländern Finnland und Schweden.

Dennis Rodman war in der Verteidigung die große Stütze der Bulls. Und 20 Jahre nach Beendigung der Laufbahn war er auch der stets devote Verteidiger des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un, der sein Volk hungern und Unliebsame hinrichten lässt. Mehrfach ließ sich „Dennis the Menace“, der zur Gefahr für sich selbst wurde, bei Besuchen ins Land der Geknechteten vom Machthaber politisch vor den Karren spannen. Luxuswahn, Alkohol, Drogen und Unterhaltskosten von kolportierten 860.000 Dollar trieben den NBA-Punk in die Pleite. 2012 warf er deshalb bei Supermarkteröffnungen auf Körbe.

Nicht nur in Chicago trieben sie es wie zu Zeiten von Al Capone. Philadelphias früherer Topstar Allen Iverson kassierte laut eigener Aussage 155 Millionen Dollar in 15 Jahren. Relativiert wird so eine Summe, wenn er wie der legendäre 76er monatlich 360.000 Dollar ausgab.

In der Eishockey-NHL machte sich der Star der San Jose Sharks, Evander Kane, selbst zum Narren, als er vor einem Casino in „Sin City“ mit mehreren Bündeln von Dollarscheinen auf dem muskelbepackten Körper ein Workout-Video ins Netz stellte. Innerhalb der Spielhölle verzockte der protzige Crack 2019 in einer Nacht 500.000 Dollar. Trotz einem Karriereverdienst von rund 55 Millionen Dollar sind mittlerweile 47 Gläubiger hinter ihm her.

Jede Menge Scheinriesen

„Für viele waren ihre Diamanten-Kettchen der einzige Weg, zu zeigen, dass sie erfolgreich sind“, beschrieb Ex-Profi Jamal Mashburn einst treffend, dass sich viele Scheinriesen ausschließlich über ihr (krankes) Ego definieren.

In diese Schublade passen auch viele NFL-Profis. Als Rookie war der erste Vertrag von Dez Bryant 2010 mit fast neun Millionen Dollar dotiert. Da konnte er seine damaligen Teamkameraden der Dallas Cowboys im Steakhouse locker für rund 55.000 Dollar einladen. Wohl bekomms.

Der frühere Quarterback-Star Michael Vick, der 20 Millionen Dollar Schulden angehäuft hatte, outete sich einst als Hundefreund. Dumm nur, dass er 2007 wegen Verstrickung in illegale Hundekämpfe gar im Gefängnis landete.

Mit dem Knast kennt sich auch Mike Tyson gut aus. Der „Eiserne“ prügelte im Boxring und abseits auf alles ein, was sich ihm in den Weg stellte: Gegner, Promoter, Reporter, Frauen. Mit seinen Ring-Schlachtfesten und Werbung nahm der frühere Schwergewichts-Weltmeister rund eine halbe Milliarde Dollar ein – 2003 reichte „Iron Mike“ seine Bankrotterklärung ein.

Sein Verschwendungsstil war so pompös und üppig wie die Tätowierungen, die er vom Gesicht bis zu den Füßen als Trophäenschrein trug. So flugs er die Gegner erledigte, so schnell war auch die Kohle wieder weg. Da er zumeist in Las Vegas kämpfte, muss er wohl auch vom mittlerweile verstorbenen deutschen Zaubererpaar Siegfried und Roy angetan gewesen sein. Denn eines Tages zählten auch vier bengalische Tiger zu seinen „Hauskatzen“, die ansonsten vorwiegend zweibeinig in seinen Villen im Überfluss herumstolzierten. „Nur Sex macht so viel Spaß wie Geldausgeben“, verriet er in seiner Biografie, die zum Millionenseller wurde.

Letzteres kann die Promi-Scheidungsanwältin Vikki Ziegler, die Bücher veröffentlicht, in TV-Reality-Shows auftritt und Websites für Geschiedene entwickelt, gewiss bestätigen: „Es gibt Frauen, die wollen von einem reichen Profi geschwängert werden oder ihn heiraten, nur aufgrund seines finanziellen Status.“ Travis Henry, der sieben Jahre in der NFL zubrachte, hatte einerseits Glück, dass er nur einmal heiratete. Sein Pech war, dass er mit zehn anderen Frauen elf Kinder hatte. Seine monatlichen Alimente beliefen sich auf stattliche 17.000 Dollar. Reiche, arme US-Sportstars.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
29. Juli 2021, 05:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 42sec

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