Reichen wolfabweisende Zäune zum Schutz aus?

Forbach (stj) – Nachdem in Gausbach erneut zwei Schafe und eine Ziege mit Verdacht auf Riss durch einen Wolf tot aufgefunden worden sind, stellen sich Landschaftspfleger im Murgtal die Zukunftsfrage.

Ein Wolfspaar im alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach. Katharina und Rafael Kasper aus Gaggenau belegten damit Platz zwei beim jüngsten Fotowettbewerb des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Foto: Rafael Kasper

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Ein Wolfspaar im alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach. Katharina und Rafael Kasper aus Gaggenau belegten damit Platz zwei beim jüngsten Fotowettbewerb des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Foto: Rafael Kasper

Denn: Wenn selbst sogenannte wolfabweisende Zäune keinen sicheren Schutz bieten, wer tut sich die anstrengende, von viel Idealismus geprägte Arbeit als Nebenerwerbstierhalter auf Dauer noch an?

Christian Striebich ist zwiegespalten. Seine Herde, die aktuell 65 Tiere stark ist, wurde nach 2019 nun zum zweiten Mal heimgesucht. Und der Gausbacher ist sich sicher: Es war der Wolf. Striebich hat nach der Attacke vor gut zwei Jahren viel Geld und Zeit investiert, um seine Schafe und Ziegen besser zu schützen. Das Land zahlt nämlich nur dann eine Entschädigung für gerissene Tiere, wenn sie von ihren Besitzern mit einer wolfabweisenden Umzäunung geschützt werden. Wenn das nicht reicht, bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Aufhören oder Herdenschutzhunde anschaffen, so Striebich.

Herdenschutzhunde sind keine Schoßhunde

Letzteres sei allerdings für einen Tierhalter seiner Größenordnung kaum zu bezahlen, zumal er im Sommer zwei Herden hat und daher mindestens zwei solcher speziell ausgebildeten Hunde bräuchte. Hinzu komme die Lage der Weiden im Oberen Murgtal – Steilhänge, Trockenmauern, Bachläufe und nicht zuletzt die Nähe zu den Dörfern. Denn: „Das sind keine Schoßhunde“, betont Striebich und verweist auf Wanderer und Familien mit Kindern, die gerne den Kontakt zu seinen Tieren suchten. Mit einem Herdenschutzhund könne dies schnell gefährlich werden, auch sei das Thema Lärmschutz nahe der Wohngebiete nicht zu missachten. Kurzum: Für den Gausbacher ist die Option kaum realistisch umsetzbar.

Der mutmaßliche Wolfsriss ist von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Freiburg vor Ort dokumentiert worden. Die Experten haben Proben von den getöteten Tieren entnommen. Die genetischen Abstriche werden jetzt vom Senckenberg Institut untersucht, zudem wurden die toten Tiere an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Freiburg für weitere Untersuchungen überstellt.

Wie kann man Ziegen und andere Nutztiere möglichst sicher vor dem Wolf schützen? Foto: Stephan Juch (Archiv)

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Wie kann man Ziegen und andere Nutztiere möglichst sicher vor dem Wolf schützen? Foto: Stephan Juch (Archiv)

„Grundsätzlich können immer auch Hunde für gerissene Nutztiere verantwortlich sein“, sagt Laura Huber-Eustachi. Sie ist beim Wildtierinstitut der FVA im Arbeitsbereich Luchs und Wolf beschäftigt und weist darauf hin, dass im Nordschwarzwald seit 2017 die Anwesenheit eines einzelnen Wolfs bekannt ist, der bereits für gerissene Nutztiere verantwortlich war. Es sei ebenso möglich, dass dieser GW852m genannte Wolf die Tiere gerissen hat. Das werde jetzt genauso geprüft, wie die Zäune von Striebich auf deren wolfabweisende Installation. Neben der Ausgleichszahlung für gerissene Nutztiere, die sich nach dem Wiederbeschaffungswert richtet, gibt es auch eine Förderung von bis zu 100 Prozent für die Zäune sowie eine Aufwandsentschädigung pro Jahr, erläutert Huber-Eustachi. Daher bestehe neben der Forderung nach Schutz auch eine Förderung.

83 gerissene Nutztiere in Baden-Württemberg seit 2018

Die FVA ist mit dem Monitoring für den Wolf in ganz Baden-Württemberg beauftragt. Alle Wolfsnachweise werden auf der Seite des Umweltministeriums gelistet. Die Dokumentations- und Beratungsstelle zum Thema Wolf sammelt diese Daten auch deutschlandweit. Das waren für Baden-Württemberg im Jahr 2018 51 Tiere in vier Vorfällen, 2019 14 Tiere in sechs Vorfällen und 2020 18 Tiere in sieben Vorfällen. „In den allermeisten Fällen war kein Elektrozaun oder nur ein lückenhafter Schutz vorhanden“, betont Huber-Eustachi. Das würde erklären, warum die Experten der FVA am Samstag in Gausbach überrascht waren, als sie Striebichs Zaun inspizierten.

Im Nordschwarzwald wird nach wie vor der einzelne Rüde GW852m nachgewiesen. Etwas weiter südlich (Mittlerer Schwarzwald) habe in diesem Jahr ein weiterer Wolfsrüde, GW2120m, nachgewiesen werden können, informiert die FVA weiter: „Es ist damit zu rechnen, dass hier – wie in anderen Regionen Baden-Württembergs – weiterhin Wölfe auftauchen und sich irgendwann auch Paare oder Rudel bilden.“ Die Gemeinde Forbach liegt innerhalb des Fördergebiets „Wolfsprävention Schwarzwald“. Die Nutztierverbände sowie die Wildtierbeauftragten der Region sind über den Sachverhalt informiert. Eventuelle Beobachtungen mit Verdacht auf Wolf sollten umgehend der FVA gemeldet werden: (07 61) 4 01 82 74 oder per E-Mail an info@wildtiermonitoring.de.


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