Reichentaler Dorfladen bleibt auf gutem Weg

Gernsbach (vgk) – Nach einem zunächst holprigen Start kann der Reichentaler Dorfladen mittlerweile auf zwei erfolgreiche Geschäftsjahre zurückblicken.

Frostig ist es in Reichental. Betrachtet man aber die Geschichte des Dorfladens seit 2019, wird vielen Reichentalern warm ums Herz. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Frostig ist es in Reichental. Betrachtet man aber die Geschichte des Dorfladens seit 2019, wird vielen Reichentalern warm ums Herz. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Es ist eine noch junge, aber erfolgreiche Geschichte, die die Mitglieder des Beirats und die Geschäftsführung von „Unser Dorfladen Reichental“ UG (mit beschränkter Haftung) zu erzählen hatten. Nachdem die erste Gesellschafterversammlung im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste, fassten die Verantwortlichen den Mut und luden am Samstagabend dazu in die Turn- und Festhalle ein.

Die Freude in der Reichentaler Bevölkerung über die neue Einkaufsmöglichkeit im Dorf konnte nicht größer sein. Einfluss nahmen das Coronavirus und der erste Lockdown, wie der Vorsitzende des Beirats, Christian Sieb, vor zahlreich erschienenen Gesellschaftern berichtete: „Der Kassenbereich musste virensicher umgebaut werden. Zugangsbeschränkungen waren umzusetzen und zu kontrollieren.“ Gleichwohl nutzten die Dorfladenbefürworter die Zeit und kümmerten sich mit großem Engagement um die Außengestaltung. Die bestehenden Lagermöglichkeiten wurden um einen Holzverschlag erweitert. Die Firma Holzbau Wurm stellte das Material zur Verfügung.

Als weitere Eckpunkte des Erfolgs nannte Sieb die Umsatzzahlen. Diese lagen monatlich im Durchschnitt über 20.000 Euro. Die Ernüchterung kam im Rahmen der ersten Bilanzierung. Das Jahr 2019 schloss trotz guter Einnahmesituation mit einem Minus von rund 1.500 Euro ab. Die Reduzierung der Personalkosten durch Anpassung der Öffnungszeiten wurde beschlossen. Zur Umsetzung kamen ferner Verbesserungen im Einkauf durch ausgehandelte Skonti oder Umsatzboni.

Auf Ernüchterung folgt Trendumkehr

Der Einsatz von ehrenamtlichen Kräften zur Unterstützung des Personals erfuhr, integriert in den täglichen Ablauf, eine Stärkung. Im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen konnte eine wirtschaftliche Verbesserung erreicht werden.

Ein Erfolg war auch der Verkauf des vom Obst- und Gartenbauverein Reichental gekelterten Apfelsafts. Eine Aktion, die in diesem Jahr mangels Obst nicht wiederholt werden konnte. Für die Zukunft stellte Sieb eine mögliche zusätzliche Öffnung sonntags für Brötchen oder einen Kuchenverkauf in Aussicht. Im Gespräch sind ebenfalls Sonderaktionen, die bisher aufgrund der Infektionslage nicht zur Umsetzung kamen, wie ein Grillen vor dem Laden. Diesbezüglich wird auf eine Verbesserung im kommenden Jahr gehofft. Ferner dankte Sieb allen Ehrenamtlichen und Spendern für ihr Engagement. Eine Zielgruppe, die Vereine und deren Festaktivitäten, fehlten bisher coronabedingt im Verkaufsgeschehen gänzlich.

Die wirtschaftliche Entwicklung im Detail beleuchtete von der Geschäftsleitung Pirmin Sieb. Nach erfolgten Gegenmaßnahmen konnte 2020 mit einem leichten Gewinn von rund 300 Euro abgeschlossen werden. Ein Trend, der sich auch für 2021 abzeichnet. Zudem werden die stillen Gesellschafter bis zum Jahresende um ihre Unterschrift gebeten. Deren Zustimmung betrifft den Wegfall der Haftungsbeschränkung für diesen Personenkreis. Die Gewinnbeteiligung bleibt hingegen unangetastet, wie Geschäftsführer Andreas Kozlevcar darlegte. In Aussicht stellte Sieb eine Feier anlässlich des Jubiläums „1.000 Tage Dorfladen“.

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Nachdem die Bäckerei Wieland Ende 2017 ihre Pforten geschlossen hatte, brachte der Ortschaftsrat Reichental 2018 die Gründung eines Dorfladens ins Gespräch. Eine Initiativgruppe bildete sich. Gemeinsam mit Berater Volker Hahn aus Franken und nach öffentlicher Vorstellung des Vorhabens wurde das Projekt „Unser Dorfladen Reichental“ mit großem Engagement aus der Bevölkerung heraus auf den Weg gebracht. Mit ins Boot holte sich die Gruppe die örtlichen Vereine und die Stadtverwaltung. Aus den Fördertöpfen des EU-Programms Leader kamen 21.000 Euro. Zum Ladengeschäft ausgebaut wurden die leer stehenden Räumlichkeiten des Gebäudes der Sparkasse Rastatt-Gernsbach. Als Unternehmensform wurde von den Initiatoren die UG (mit beschränkter Haftung) gewählt.

In denkbar kurzer Zeit nahm der Dorfladen immer konkretere Formen an. „Dank vieler ehrenamtlicher Helfer und regionaler Handwerker, die dem Umbau des Gebäudes Priorität einräumten, war die eigentliche Bauzeit überschaubar“, ist dazu auf der Homepage des Dorfladens zu lesen. Der erste Öffnungstag war am 25. September 2019, die offizielle feierliche Eröffnung folgte am 28. September. Die Ladengröße umfasst 60 Quadratmeter.

Über 200 stille Gesellschafter sind Teil der Firma. Den Betrieb halten fünf hauptamtliche Mitarbeiter, darin eingeschlossen geringfügige Beschäftigte, sowie genauso viele Ehrenamtliche am Laufen. Ebenfalls ehrenamtlich tätig ist die Geschäftsführung mit Andreas Kozlevcar, Pirmin Sieb und Nicola Strobel sowie der Beirat mit Christian Sieb an der Spitze. Das Sortiment umfasst Getränke, Drogerieartikel, Backwaren, Molkereiprodukte, Wurstwaren, Tabakwaren und ein Grundsortiment an Obst und Gemüse sowie Wild aus den heimischen Wäldern. Ebenfalls Teil ist ein kostenloser Lieferservice innerhalb von Reichental. Bisher noch wenig genutzt werden konnte die Sitzecke für einen Kaffeeplausch.

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Erstellt:
28. November 2021, 16:00 Uhr
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