Reinigung des Storchennests scheitert am Frost

Von Katrin König

Bühl (kkö) – Es ist Freitagmorgen, es herrscht Frost – und das Storchennest auf der Platane auf dem Kirch- und Marktplatz ist eingefroren. Doe geplante Reinigung muss verschoben werden.

Reinigung des Storchennests scheitert am Frost

Umsonst: Benjamin Diebold, Elke Henschel und Amelie Salzbrunn (von links) auf der Fahrt in der Drehleiter gen Storchennest. Foto: Katrin König

„Was hat man gelernt?!“, ruft die Storchenbeauftragte des südlichen Landkreises Rastatt, Elke Henschel. „Man soll nix bei Frost machen! Was ist heute? Frost!“ Sie seufzt. Es sei, sagt sie, nicht so einfach, alles zu koordinieren, um die insgesamt rund zehn Nester auf Gemarkung Bühl und Ottersweier von Dreck zu reinigen und so für die baldige Ankunft der Vögel vorzubereiten. Zumal die Freiwillige Feuerwehr Bühl das Team mit einem Fahrzeug samt Drehleiter unterstützt. Henschel: „Deshalb hatten wir den Termin trotz Wettervorhersage beibehalten.“ Mit im Boot ist auch die Stadt Bühl, vertreten durch Susanne Panther (Abteilung Stadtentwicklung) sowie Benjamin Diebold vom Bauhof.

Henschel und ihre Mitstreiterin Amelie Salzbrunn, die ebenfalls eine entsprechende NABU-Schulung absolvierte – Henschel hat zudem den Beringungsschein – mussten am Freitag einsehen, dass „nichts geht“, der Müll im Nest ließ sich kaum bewegen. Dabei haben sie drei Horste in Oberbruch und Weitenung vorab schon erfolgreich gesäubert. Das sei einfacher gewesen, weil man dort mit viel Muskelkraft vorgehen könne, erklärt Henschel, und Salzbrunn ergänzt: „Es gibt Unterbauten, die Nester hängen nicht einfach im Baum.“

Drama im Storchennest

Bei aller Enttäuschung über den nunmehr auf die nächsten zwei Wochen verschobenen Termin hat Henschel freilich mehr Zeit, einiges zum Thema zu erzählen. Zum Beispiel, dass sie 2021 die Arbeit von „Storchenvater“ Josef Günther übernahm, der sich jahrzehntelang engagiert hatte. „Vom Erfassen des Brutbestandes über die Bergung von verletzten Störchen bis hin zum Großziehen von Jungtieren, er hat alles gemacht“, wirft Panther bewundernd ein.

Jetzt kümmert sich also Henschel – und kann aus ihrem ersten Jahr gleich von einem „Drama“ berichten: „Die beiden Störche, die endlich mal wieder ein Nest hier in der Bühler Innenstadt gebaut hatten, bekamen Junge. Als sie sich auf Futtersuche begaben, hat ein Fremdstorch dem Nachwuchs die Hälse zerhackt.“ Aus diesem Grund seien stattdessen zwei Störche aus Oberweier mit Sendern versehen worden.

„Mathilde und Matthiasa“, so die etwas eigentümlichen Namen der Tiere. Henschel lacht. „Wir dachten eigentlich, es handele sich um ein Paar. Die Analyse der Federn ergab dann aber, dass beide weiblich waren.“ Mathilde habe auf ihrer Tour nach Afrika schon über 7.000 Kilometer zurückgelegt, aktuell befinde sie sich im Senegal. Matthiasa aber sei wohl in einem Wasserreservoir in Marokko verendet. „Man wird nun versuchen, den Sender zu bergen.“

Rückkehr der Tiere wahrscheinlich

Dass sich in Bühl und Ottersweier vielleicht schon im Februar wieder Störche ansiedeln, auf der Platane vermutlich sogar das Paar des letzten Jahres, hält Henschel für wahrscheinlich. „Störche sind horsttreu.“ Außerdem steige die Anzahl der Störche in der Region kontinuierlich. Bedenklich für die Tiere sei der Müll, der auch immer wieder in den Nestern zu finden sei. Netze, Schnüre, Folien – die Störche nutzten das als Nistmaterial. „Gefährlich für sie sind Gummis, die halten sie für Regenwürmer. Daran ist 2021 ein Storch in Muggensturm gestorben.“ Auf die Frage, ob man sie denn fortan als „Storchenmutter“ bezeichnen dürfe, ruft Henschel entsetzt: „Oh, bitte nicht!“ Storchenbeauftragte muss reichen.