Reinigungsaktion für die Glücksbringer in luftiger Höhe

Rastatt (fuv) – Bald kehren die Weißstörche aus dem Süden zurück. Ihre ehrenamtlichen Betreuer reinigen deshalb derzeit die Nester. Annette Jung aus Bischweier ist neu dabei.

Arbeit hoch oben: Die neue Storchenbetreuerin Annette Jung reinigt einen Horst in Plittersdorf. Foto: Frank Vetter

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Arbeit hoch oben: Die neue Storchenbetreuerin Annette Jung reinigt einen Horst in Plittersdorf. Foto: Frank Vetter

Die ersten Störche kehren aus ihren Winterquartieren zurück. Für den zukünftigen Nachwuchs bauen die Storchenpaare ein neues Nest oder „beziehen“ denselben Horst wie im Vorjahr. Für die Pflege der Nester zeichnen ehrenamtliche Storchenbetreuer verantwortlich. Annette Jung ist seit Oktober eine von ihnen.
Es ist sehr ungemütlich an diesem Morgen auf dem Hubsteiger. Fünf Grad Celsius, Wind. Im Korb des städtischen Arbeitsgeräts in rund sechs Metern Höhe mühen sich Annette Jung und Grünflächenamt-Mitarbeiterin Mirian Rivera Prado mit einer Harke, um ein Storchennest vorzubereiten. Der Horst krönt einen hölzernen Strommast zwischen der Plittersdorfer Ankerbrücke und der Rheinfähre. Die Nestkonstruktion besteht aus einem runden Rand aus Reisig und Zweigen.

Engagement für Meister Adebar

Das Innere des flachen Horstes polstern die Storcheneltern später mit weichem Material aus. Und dieses Material verdichten die Großvögel im Laufe einer Brut-Saison. Die organischen Nestbaustoffe verkompostieren und sind irgendwann nicht mehr wasserdurchlässig, erklärt Stefan Eisenbarth, warum die Horste gereinigt werden müssen. Er ist der regionale Storchenbeauftragte des Naturschutzbundes (NABU) Baden Württemberg und so etwas wie der Mentor von Annette Jung.

Nestbau: Auf der alten Schule Steinmauern herrscht schon reger Betrieb. Foto: Frank Vetter

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Nestbau: Auf der alten Schule Steinmauern herrscht schon reger Betrieb. Foto: Frank Vetter

An Eisenbarth hat sich die Bischweiererin 2019 gewandt, als sie in ihrem Wohnort einen Storch beobachtete, der wochenlang auf einer Straßenlaterne übernachtete. „Da habe ich mir um das Tier Sorgen gemacht und im Internet nach Fachberatung gesucht“, erzählt die 49-Jährige über die Anfänge ihres Engagements für Meister Adebar. Im Netz fand sie dann Stefan Eisenbarth und kontaktierte ihn. Eisenbarth habe gleich wissen wollen, ob das Tier beringt sei. Daraufhin hat Annette Jung Fotos gemacht. „Ich fand das total spannend“, erzählt sie vom Beginn ihres Engagements.

Im vergangenen Jahr sei sie dann richtig eingestiegen. Mittlerweile ermöglicht ihr ein Spektiv, ein monokulares Beobachtungsfernrohr, detaillierte Blicke auf die Großvögel und deren Beringung. „Es ist faszinierend, damit sehe ich die Struktur der Federn und mit einem Handy-Adapter fotografiere ich. Die Bilder sind super“, urteilt Annette Jung. Sie sei von Anfang an „ganz fleißig“ gewesen beim Ablesen der Ringe, lobt Stefan Eisenbarth. Annette Jung habe das sehr gut gemacht. Die Erfassung der Daten sei wichtig, um die Entwicklung der Population verfolgen zu können, betont der Storchenbeauftragte.

Er habe ihr dann vorgeschlagen, einen Kurs zur Weißstorch-Betreuerin beim NABU zu absolvieren. Mittlerweile hat sie auch die Beringungsgenehmigung von der Vogelwarte Radolfzell erhalten und bildet mit Mentor Eisenbarth eine sogenannte Beringungsgemeinschaft.

Anstrengende Horstreinigung

Bevor das Beringen 2022 beginnen kann, müssen die markanten Vögel allerdings erst aus ihren Winterquartieren im Süden nach Baden zurückkehren und für Nachwuchs sorgen. Damit es dem gut geht, steht Annette Jung an diesem Morgen also im Korb des Hubsteigers und kämpft mit den biologischen Resten des Vorjahres. Und die sitzen ganz schön fest, sind wie zusammengebacken. Auch Kunststoffmüll, den die Störche mit ins Nest bringen, entfernt sie. Es ist eine richtig anstrengende Arbeit mit der Harke, bis so ein Horst wieder bezugsfertig ist. Aber wichtig. Denn wenn der Regen im Nest nicht ablaufen kann, sondern sich aufstaut, können die Jungstörche Schaden nehmen.

Nach dem Frühjahrsputz an zwei Nestern ist an diesem Morgen Schluss; das Wetter ist auch wirklich schlecht. Hubsteigerpilotin Mirian Rivera Prado ist ebenfalls froh, den ungemütlichen Einsatz beenden zu können.

Eisenbarth und Jung betonen, wie wichtig es ist, dass die Gemeinden die Storchenbetreuer mit Gerät und Manpo-wer unterstützen. In einem gut geheizten Café beschreibt die Weißstorch-Betreuerin schließlich, was sie so fasziniert an Tieren. „Es ist einfach toll, zu beobachten, wie sie miteinander umgehen“, schwärmt Annette Jung. Außerdem seien Störche ja Glücksbringer und Frühlingsboten. Für Stefan Eisenbarth ist die neue Storchenbetreuerin ein Glücksfall. 60 Horste zwischen Karlsruhe und der B500 bei Iffezheim betreut der 60-Jährige und ist froh über die Entlastung. „Dieses Jahr werden wir viel gemeinsam erledigen, 2023 teilen wir das Gebiet dann auf“, so die Planung der Storchenfreunde.

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Erstellt:
6. Februar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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