Reisebüros im Raum Bühl haben viel zu tun

Bühl/Rheinmünster (nad) – Die Reisebüros im Raum Bühl schwanken zwischen Euphorie und Sorge: Einerseits sind viele Menschen urlaubshungrig, andererseits gibt es nach wie vor eine große Unsicherheit.

Check-in am Baden-Airport: Für die Urlauber geht es auf die beliebte griechische Insel Kreta. Foto: Bernhard Margull

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Check-in am Baden-Airport: Für die Urlauber geht es auf die beliebte griechische Insel Kreta. Foto: Bernhard Margull

Koffer packen, fertig, los: Die niedrigen Inzidenz-Werte und damit verbundenen Lockerungen wecken das Fernweh und machen Lust auf einen unbeschwerten Urlaub in der Sonne. Die Reisebüros im Bühler Raum hoffen nach langer Pause auf buchungsfreudige Kunden. Zwischen Last-Minute-Schnäppchen und Delta-Besorgnis beginnt die Sommersaison 2021.

„Urlaub in Deutschland war letztes Jahr – jetzt wollen die Leute wieder weg“, sagt Jennifer Fontaine, Teamleiterin des „IT-Reisebüro“ am Baden-Airport. Ende Mai gingen die Buchungen von Pauschalreisen im Flughafen-Reisebüro laut der Tourismuskauffrau plötzlich „von null auf hundert“ und die Mitarbeiter konnten nach vielen Monaten aus der Kurzarbeit geholt werden. Beim Buchungsverhalten der Kunden beobachten sie und ihre Kolleginnen gewisse Trends: Viele kurzfristige Anfragen, kaum Fernreisen und ein erhöhtes Bedürfnis nach persönlicher Beratung. „Viele, die vor der Pandemie eher online gebucht haben, kommen wieder zurück ins Reisebüro, weil sie unbedingt einen Ansprechpartner haben wollen“, erklärt die Büroleiterin. Auch kostenfreie Serviceleistungen, wie Hilfestellung bei digitalen Einreise-Anmeldungen, sei für die weniger internetaffinen Kunden von großer Wichtigkeit.

Die Nähe zum Elsass hat dem Reisebüro am Flughafen schon immer viele französische Kunden beschert. Nachdem die Franzosen zu Beginn der Saison aufgrund der Einreise-Regularien nicht von deutschen Flughäfen abfliegen durften, seien sie jetzt wieder sehr „reisewillig“. Doch in den letzten Tagen könne man auf beiden Seiten des Rheins wieder eine gewisse Unsicherheit aufgrund der Delta-Variante bemerken.

Familien oft noch vorsichtig

Die beliebtesten Ziele sind laut Fontaine in diesem Sommer vor allem Griechenland und Spanien. Mehrmals pro Woche starten die Flugzeuge vom Baden-Airport zu den sonnigen Mittelmeer-Destinationen: Fünf Ziele in Griechenland, darunter zum Beispiel Kreta und Korfu, werden angeflogen, und auch tägliche Verbindungen nach Palma de Mallorca werden den Urlaubern angeboten.

Auch im „Reisecenter Karcher“ in der Bühler Schulstraße stehen diese beiden Urlaubsländer ganz oben auf der Buchungsliste. Allerdings sei die Nachfrage laut Inhaber Thomas Karcher allgemein recht „verhalten“ und bei Weitem noch nicht auf dem Niveau von 2019. So gehören Stammkunden und vor allem junge Leute zu den aktuell Buchenden, hingegen nur wenige Familien mit Kindern. „Viele sind sehr verunsichert“, kommentiert der Touristiker die zurückhaltende Buchungsbereitschaft der Bühler. Dass das Robert Koch-Institut im Juni ganz Portugal zum Virus-Varianten-Gebiet erklärt hat und bei solch spontanen Änderungen oft „jegliche Unterstützung der großen Reiseveranstalter fehlt“, mache die allgemeine Situation seiner Meinung nach noch schwieriger.

Bei den Schwestern Biselli ist in ihrem „sonnenklar.TV“-Reisebüro in der Bühler Friedrichstraße ab Mitte Mai der „Alarm losgegangen“ und die Nachfrage gestiegen. „Die Leute sind urlaubshungrig“, betont Michaela Biselli. Viele Familien buchen bei den beiden Touristikerinnen ihren Urlaub – neben den Balearen und Griechenland sind vor allem Auto-Reisen nach Italien sehr beliebt. Dort gibt es laut der Reiseexpertin ein großes Angebot an Ferienhäusern und voll ausgestatteten Mobile Homes, die eine bequeme Selbstversorgung im Urlaub ermöglichen und daher für viele besonders attraktiv sind.

Kreuzfahrten kaum mehr nachgefragt

Früher viel gebucht, heute im Büro der Schwestern eher wenig gefragt: Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff. Immer wieder müssen die Schiffsreisen abgesagt und umgebucht werden, hinzu kommen die verschiedenen Corona-Regularien in den unterschiedlichen Häfen, weshalb laut der Spezialistin nur noch eingefleischte Kreuzfahrt-Fans daran festhalten, die Mehrheit der Kunde aber abgeschreckt ist und lieber auf sicherere Alternativen zurückgreift. „Wir haben viel zu tun und freuen uns natürlich sehr darüber. Dennoch sitzt die Angst tief, dass wir die gebuchten Reisen wieder stornieren müssen“, fasst Michaela Biselli die aktuelle Situation zusammen. Denn ein Reisebüro verdiene erst etwas, wenn der Kunde im Zielgebiet angereist sei. Bei all der Urlaubseuphorie werde dieser Aspekt ihrer Erfahrung nach oftmals vergessen.

Im BT-Gespräch konkretisiert sie die heikle Lage für Reisebüros: Intensivere Betreuung der Kunden und dadurch drei- bis vierfach höheres Arbeitsaufkommen als noch vor der Pandemie, jeden Tag neue Änderungen, die es zu beachten gilt und die selbst eine Fachfrau mit über 25 Jahren Erfahrung vor große Herausforderungen stellt. Dass all das oftmals aufgrund von Stornierungen nicht entlohnt wird, stelle nicht nur Biselli und ihre Schwester vor die problematische Frage, ob künftig eine „Beratungsgebühr“ standardmäßig notwendig sein könnte.

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
8. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

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