Reitturnier mit Schirm, Charme und Know-how in Bühl

Bühl (map) – Ein Turnier von Reitern für Reiter: Auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins St. Leonhard hat nach vielen Jahren erstmals wieder die beliebte Veranstaltung stattgefunden.

Turnierleiter Ralf Hönig fliegt mit einem mächtigen Satz zum Doppelsieg im M-Springen am Samstagnachmittag. Foto: Maria Jürgens

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Turnierleiter Ralf Hönig fliegt mit einem mächtigen Satz zum Doppelsieg im M-Springen am Samstagnachmittag. Foto: Maria Jürgens

„Achtung, wir haben ein Problem mit Schirmen!“ Die zwei Männer mit besagtem Objekt in der Hand drehen sich verdutzt um. Schnell gehen sie einen Schritt zur Seite, um einem großen Schimmel Platz zu machen, der skeptisch blickend unter seiner Reiterin vorbei tänzelt. Während der Regen den meisten Pferden weit weniger ausmacht als den Zweibeinern, bringen Regenschirme in allen Farben und Größen sie da schon eher mal aus dem Konzept.

Doch jene sieht man an diesem verregneten Samstag auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins St. Leonhard Bühl zur Genüge.

Trotz des Schietwetters verbuchen die Turnierleiter Ralf Hönig und Jessica Prach den ersten Tag der Veranstaltung als vollen Erfolg: „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz. Gerade in den E- und A-Springen gibt es viele Teilnehmer.“ Das Springturnier findet nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder statt. Eine Herausforderung, welche die Mitglieder des Reitvereins gerne annehmen.

Über 100 Tonnen Sand verarbeitet

In den vergangenen Wochen haben sie Stangen für die Hindernisse gestrichen, Unkraut gejätet, Rasen gemäht, Parkplätze vorbereitet und dem Turnier- und Abreiteplatz den letzten Feinschliff verliehen. „Schon im April haben wir den Rasenplatz eingesandet und über 100 Tonnen Sand verarbeitet“, erzählt Ralf Hönig, selbst erfahrener Springreiter und Ausbilder vieler Pferde. Der gebürtige Vimbucher ist beim Heimturnier in einigen Prüfungen am Start. Bisher sehr erfolgreich: Tag eins krönt er mit einem Doppelsieg im M-Springen.

Das M-Springen am Samstag und der Preis der Stadt Bühl am Sonntag, ein M-Springen mit Siegerrunde, sind die anspruchsvollsten Prüfungen des Turniers. Insgesamt sind 14 Prüfungen vom Springreiterwettbewerb bis zur Klasse M ausgeschrieben, inklusive Führzügelklasse sowie Springpferdeprüfungen der Klasse A und L. „Wir möchten das Turnier für Amateure gestalten“, betont Jessica Prach.

Die Vereinsmitglieder Roswitha Huck (rechts) und Caroline Jacobi freuen sich über den gelungenen Turniertag. Foto: Maria Jürgens

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Die Vereinsmitglieder Roswitha Huck (rechts) und Caroline Jacobi freuen sich über den gelungenen Turniertag. Foto: Maria Jürgens

Ein Turnier von Reitern für Reiter – das zeigt sich neben der durchdachten Ausschreibung und den guten Bedingungen im Parcours noch in vielen anderen Bereichen: Der Parkplatz für die Lkw wurde mit Schotter präpariert, sodass die Transporter nicht steckenbleiben. Und die Anreise für die Teilnehmer wird dank einer umfassenden Beschilderung kein Weg durch den Irrgarten. „Das war mir besonders wichtig“, sagt schmunzelnd Prach und meint: „Wenn man selbst viel auf Turnieren ist, erlebt man einiges – leider auch einiges Chaos.“

Die Reiter aus dem Ländle danken die gute Organisation mit zahlreichen Nennungen: 375 Startplätze wurden gebucht, insgesamt haben sich 147 Reiter mit 250 Pferden angemeldet. 123 sind am Samstag bereits durch den Parcours galoppiert, weiß Melanie Barth. Bei ihr in der Meldestelle müssen sich die Reiter pünktlich eine Stunde vor Prüfungsbeginn melden und Startbereitschaft erklären. Das klappt meistens, aber nicht immer. So auch am Samstag, als ein Reiter 55 Minuten zu spät reumütig vor ihr steht. „Da drückt man dann aber auch mal ein Auge zu“, verrät Barth und lacht.

„Ich bin so froh, dass wir endlich wieder ein Turnier haben“

Direkt neben der Meldestelle, in der kleinen Küche des Vereins, brutzelt Roswitha Huck Schnitzel, schmiert Brötchen oder hilft beim Finden von Mülltüten. Seit 35 Jahren gehört die 74-Jährige zum Verein – ein echtes Urgestein. „Rosi“ steht allen mit Rat und Tat zur Seite und hat auf jede Frage eine Antwort. Selbst die kulinarische Einkaufsliste fürs Turnier kann sie problemlos zitieren: 500 Brötchen, 150 Schnitzel, zehn Kilogramm Wurstsalat und der Verkaufsschlager: 20 Kilogramm Pommes. „Ich bin so froh, dass wir endlich wieder ein Turnier haben“, sagt sie und hofft, dass im Laufe des Wochenendes etwas weniger Regenschirme benötigt werden. Denn bei Sonnenschein schmecken eben auch die Pommes noch ein bisschen besser.


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