Rekord beim Moped- und Motorradtreffen in Steinbach

Baden-Baden (cn) – Das diesjährige Moped- und Motorradtreffen war ein voller Erfolg: Noch nie waren so viele Teilnehmer dabei. Stefan Mey nahm extra 500 Kilometer Anfahrt auf sich.

Die Mitglieder des Organisationsteams überreichen die Preise an die strahlenden Gewinner der verschiedenen Kategorien. Foto: Christina Nickweiler

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Die Mitglieder des Organisationsteams überreichen die Preise an die strahlenden Gewinner der verschiedenen Kategorien. Foto: Christina Nickweiler

Überraschte Blicke erntet Michael Geiser, als er den Deckel einer der beiden Milchkannen aus den Gepäckkörben seiner „Rixe AS 50 Export de luxe“ öffnet und eine Flasche gekühltes Bier herausholt. Der Liebhaber alter Gefährte gehört zu den vielen Teilnehmern, die bei der achten Auflage des Moped- und Motorradtreffen am Sonntag in Steinbach ihr historisches Zweirad zur Schau stellen.

Die Veranstalter verbuchen an diesem Tag einen Rekord mit rund 525 historischen Modellen, 700 Teilnehmern und zwischen 2.000 und 3.000 Besuchern.

Mit der „Rixe“ von Michael Geiser wurde in früheren Zeiten tatsächlich Milch transportiert. „Meine Schwester saß hinten auf dem Gepäckträger und mein kleiner Bruder vorne auf dem Tank, wenn meine Mutter mit dem Mofa gefahren ist“, erzählt der gebürtige Kappelrodecker. Im Achtertal war das schmucke Modell mit dem pastellfarbigen Blau vor mehr als 50 Jahren im Einsatz. Dann stand es lange im Schuppen herum, bis Geiser den Motor wieder fit machte. Die schicke Lackierung hat er jedoch von einem Fachbetrieb anfertigen lassen.

„Miele“ hat auch mal Mopeds gebaut

Jedes Modell der rund 500 nostalgischen Exemplare hat seine eigene Geschichte. Das Karcher-Areal platzt an diesem Sonntag aus allen Nähten, sodass auch die Fläche in Richtung Poststraße für die Demonstration der historischen Vehikel genutzt wird. Dort hat sich auch Georg Rauch gleich mit drei alten Modellen, die auf einem Anhänger stehen, positioniert. Immer wieder gesellt sich auf seiner „Triumph Cornet“ ein Detail hinzu, das neueste ist ein alter ausrangierter Arztkoffer auf dem Gepäckträger. Beim Motorradtreffen kommt der Rastatter mit den Besuchern ins Gespräch.

So auch Wolfgang Schmidt aus Muckenschopf. Denn auf dem Tank seines historischen Mopeds steht „Miele“. Der Schriftzug wirft Fragen bei manchen Gästen auf. Doch Wolfgang Schmidt weiß Bescheid über die Geschichte seines Gefährts und erläutert, dass der Hersteller von Haushaltsmaschinen in den 1950er Jahren Mopeds gebaut hat.

Ein emsiges Treiben herrscht beim Rundgang durch die Ausstellung – hier ein heller Hubton, dort ein knatternder Motor, der gerade gestartet wird, Gemurmel von Besuchern und Geräusche einer Säge. Das Sägegeräusch verursacht ein Teilnehmer, der seine „Velo Solex“ kurzerhand zu einer Kreissäge umfunktioniert hat.

Das Zwei-PS starke Milchtransportrad von Michael Geiser aus Kappelrodeck. Foto: Christina Nickweiler

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Das Zwei-PS starke Milchtransportrad von Michael Geiser aus Kappelrodeck. Foto: Christina Nickweiler

Viele Kuriositäten gibt es beim historischen Zweiradtreffen zu sehen. Mehrere „schwere“ Motorräder aus der Vorkriegszeit, bei denen die Sitze so groß wie Bratpfannen erscheinen. Dann ist ein schweizer Militärfahrrad von 1941 zu entdecken, ein schneeweißes Gespann mit Beiwagen, mächtige Harleys, unscheinbare Mofas und dazwischen viele Roller verschiedener Generationen, die wie bunte Tupfer in der großen Schau wirken. Die Gäste nutzen die alten Modelle, um für ein Erinnerungsbild zu posieren. Andere gehen zur mobilen Impfstation, um sich gegen den Coronavirus impfen zu lassen. Rund zwei Dutzend Personen nehmen den Service in Anspruch.

In den Nachmittagsstunden kürt das Organisationsteam dann die Gewinner der ausgelobten Preise, zum Beispiel für die originellste Motorradkluft sowie für das älteste Motorrad. Beide Preise gehen an Marco Westermann aus Oberndorf, der bei spätsommerlichem Wetter in Knickerbockern aus dicken Cordstoff, Tweedjacke samt Käppi, Zwickel und stilvoller Tabakpfeife mit seinem Motorrad von 1928 nach Steinbach getuckert ist. Seine Schuhe, sogenannte Reichseinheitsschnürer von seinem Opa, sind der Kracher. „Die Sohle ist aus Holz, hatte deswegen Schwierigkeiten beim Starten“, verrät der Gewinner.

„Ich wusste nicht, ob ich mit der Lady überhaupt hier ankomme“

Jennifer Smith aus Bühl gewinnt den Preis für das schönste Motorrad, das beim Motorradtreffen von einer Frau gesteuert wird. Sie hat die Fahrt mit einem Gefährt mit Beiwagen zurückgelegt. Mit dem 15-jährigen Guiliano Fama geht der Pokal des jüngsten Teilnehmers an einen Neuweierer. Stefan Mey fuhr mit seiner „Lady Simson AWO 425“ (Baujahr 1953) in zwei Tagen von Nord-Thüringen mehr als 500 Kilometer, um am Steinbacher Moped- und Motorradtreffen dabei zu sein. Daher nimmt er bei der Siegerehrung den Preis für die weiteste, zurückgelegte Strecke entgegen. Seine Erfahrung: „Es war eine sehr kurvige Strecke. Ich wusste nicht, ob ich mit der Lady überhaupt hier ankomme.“

Am Ende der nostalgischen Zweiradschau sind sämtliche Würste, Schnitzel und Steaks verspeist sowie der Getränkevorrat leer.

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Erstellt:
14. September 2021, 14:00 Uhr
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