Rektoren in Rastatt verzweifelt gesucht

Rastatt (ema) – Viele Schulen im Raum Rastatt suchen dringend nach Rektoren. Selbst gut dotierte Posten wie der am Tulla-Gymnasium bleiben unbesetzt.

Der eigene Parkplatz lockt schon gar nicht: Schulleiterposten sind alles andere als begehrt. Foto: Marius Becker/dpa

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Der eigene Parkplatz lockt schon gar nicht: Schulleiterposten sind alles andere als begehrt. Foto: Marius Becker/dpa

Wolfgang Held weiß, was an dem Job dranhängt: Schließlich war der Leiter des staatlichen Schulamts Rastatt selbst mal Schulleiter, seine Frau ist immer noch Rektorin. Den Führungsjob zu besetzen, wird immer schwieriger, wie aktuelle Beispiele im Raum Rastatt zeigen. Nicht mal für das gut dotierte Direktorenamt am Tulla-Gymnasium gibt es eine Bewerbung.

Fast schon wie sauer Bier bieten die Behörden die Leitungspositionen an. Die Grundschulen Ottersdorf, Plittersdorf und Bischweier stehen aktuell beispielhaft für den Trend: Nachdem die Rieder Rektorinnen Christine Hillert (von Ottersdorf zur Hebelschule Gaggenau) und Dorothee Rudolph (von Plittersdorf nach Ötigheim) die Chefsessel getauscht hatten, ging nach der Ausschreibung ihrer Stellen im Ried keine einzige Bewerbung ein. Gleiches gilt für die Grundschule Bischweier, wo sich Rektorin Elke Merzig in den Ruhestand verabschieden wird.

Niederbühler fanden Rektor im zweiten Anlauf

Glück hatte das Schulamt immerhin an der Grundschule Niederbühl. Dort hatte sich Konrektor Maik Heinrich in der zweiten Runde beworben und den Zuschlag bekommen, nachdem zunächst kein Interessent sich für die Nachfolge von Kai Bunge interessierte. Noch am Laufen ist das Bewerbungsverfahren an der Carl-Schurz-Schule im Rastatter Münchfeld. Die Stelle ist nach dem Rückzug von Rektorin Ingrid Schmall in den Ruhestand zum zweiten Mal ausgeschrieben worden. Jetzt liegt wenigstens eine Bewerbung vor, berichtet Held. Die Stelle werde jedoch frühestens mit Beginn des neuen Schuljahrs besetzt werden können.

Maik Heinrich konnte als neuer Rektor an der Grundschule in Niederbühl gewonnen werden. Foto: Schule

Maik Heinrich konnte als neuer Rektor an der Grundschule in Niederbühl gewonnen werden. Foto: Schule

Und die nächste Baustelle folgt: An der Grundschule Steinmauern wird die seit Schuljahresbeginn erkrankte Rektorin Lydia Frenk nicht mehr zurückkehren; ihre Stelle wird laut Schulamt jetzt ausgeschrieben.

Die Flaute bestätigt, dass die von der Landesregierung beschlossenen Höherdotierungen der Stellen an Grundschulen offenbar weitgehend verpuffen. „Die höhere Besoldung hat sich nicht so ausgewirkt, wie wir das erhofft hatten“, räumt Schulamtsdirektor Held ein. Nach seiner Einschätzung schreckt potenzielle Interessenten ab, dass Schulleiter neben ihrer Führungsaufgabe noch zu viel selbst im Klassenzimmer stehen müssen. Für eine Entlastung hätte Held Verständnis. Zugleich macht er auf ein Dilemma aufmerksam: Denn müssten Rektoren in den 132 Schulen im Zuständigkeitsbereich des Schulamts Rastatt eine Stunde weniger pro Woche unterrichten, müsste man zum Ausgleich fünf zusätzliche Lehrerstellen schaffen. Held: „Die Lehrerversorgung gibt das aber nicht her.“

Work-Life-Balance ein wichtiger Faktor

Dass die geringe Nachfrage nicht in erster Linie am Geld hängt, scheint sich am Rastatter Tulla-Gymnasium zu bestätigten. Für die dortige A16-Stelle (Grundgehalt: 7.890 Euro) und damit die Nachfolge von Andrea Rösch, die in den Ruhestand geht, liegt nach Auskunft aus dem zuständigen Regierungspräsidium keine einzige Bewerbung vor.

Schulamtsdirektor Held hat den Eindruck gewonnen, dass potenziellen Interessenten die Work-Life-Balance wichtiger ist, als an der Spitze einer Schule Verantwortung zu übernehmen. Gerade während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, welchen Belastungen die Schulleiter auch an Wochenenden ausgesetzt seien.

Die geringe Nachfrage kann die Behörde auch nicht durch ihre gezielten Unterstützungsleistungen durchbrechen. Jedes Jahr biete man Interessenten einen Informationstag unter dem Motto „Fit für Führung“ an. Und auch wenn Jung-Rektoren im Amt seien, begleite man die Kollegen, sagt Held.

Nichtsdestotrotz bleibt die Personalgewinnung an der Spitze der Pyramide zäh. Ein Trend, der sich ausdehnt. Denn während man früher vor allem im Murgtal und Schwarzwald große Mühe hatte, Leitungspositionen zu besetzen, so Held, tue man sich zunehmend auch in der Rheinschiene schwer.

Ihr Autor

BT-Redakteur Egbert Mauderer

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Erstellt:
13. Mai 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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