Relativ wenig Kundschaft in den Läden

Karlsruhe/Baden-Baden (nbr) – Zwischen den Jahren haben viele Zeit, um in den Städten einkaufen zu gehen. Doch die Geschäfte sind aufgrund der Corona-Pandemie dennoch leer.

Von wegen viele volle Einkaufstaschen: Der Einzelhandel in der Region ist auch mit dem Geschäft „zwischen den Jahren“ nicht zufrieden. Er schiebt der Politik den Schwarzen Peter zu. Foto: Markus Scholz/dpa

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Von wegen viele volle Einkaufstaschen: Der Einzelhandel in der Region ist auch mit dem Geschäft „zwischen den Jahren“ nicht zufrieden. Er schiebt der Politik den Schwarzen Peter zu. Foto: Markus Scholz/dpa

Der Jahresendspurt im regionalen Einzelhandel kann dessen maues Weihnachtsgeschäft nicht retten. Die Geschäfte sind wie in den Vorwochen deutlich weniger frequentiert, die Kundschaft gibt geringere Beträge aus als im Vor-Corona-Vergleichszeitraum 2019. Das stellen Petra Lorenz, Präsidentin des Handelsverbandes (HDE) Nordbaden, und Roland Fitterer, Präsident des HDE Südbaden, auf Anfrage dieser Zeitung fest. „Der Trend geht leider weiter“, sagt auch der Präsident des BTE Handelsverbandes Textil, Steffen Jost, der unter anderem in Bruchsal ein Geschäft betreibt.

Weniger Umtausche

Weil in den Wochen vor Weihnachten weniger im klassischen Einzelhandel eingekauft wurde, werde nun auch verhältnismäßig weniger umgetauscht. Der Baden-Badener Unternehmer Fitterer sagt, er rechne erst im Januar damit, dass das Gutschein-Geschäft anzieht. Gutscheine blieben nach HDE-Angaben auch in diesem Jahr das beliebteste Weihnachtsgeschenk.

„Was wir gemerkt haben ist, dass viele Leute Geld geschenkt bekommen haben“, sagt Lorenz. Dies könne nun ausgegeben werden – bekanntlich seien viele Waren nach Weihnachten reduziert, die Familien hätten Zeit für einen Einkaufsbummel. „Wir Händler setzen auf den Endspurt vor Silvester, wenn auch zu reduzierten Preisen, denn die Altwaren müssen raus.“

Rückblende: Anfang November hatte der HDE noch ein Plus fürs Weihnachtsgeschäft von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr mit seine Lockdownphase gerechnet. So wären rund 112 Milliarden Euro zusammengekommen. Allerdings hätte laut Prognose der Online-Handel 23 Milliarden Euro zu dem Gesamtumsatz beigesteuert.

2G-Regel bremst Weihnachtsgeschäft

Letztlich dürfte das Online-Weihnachts-Geschäft deutlicher als die 17,3 Prozent gewachsen sein, die der Branchenverband vor knapp zwei Monaten prognostiziert hatte.
Denn die Corona-Krise – Stichwort steigende Inzidenzen und Omikron – verschärfte sich mitten in der für viele Einzelhändler so wichtigen Saison. Im Südwesten wurden Weihnachtsmärkte als Frequenzbringer verboten und nur noch komplett Geimpfte und Genesene (2G) in die Non-Food-Geschäfte gelassen. Dadurch seien die Innenstädte leerer geworden, unterstreichen Lorenz, Fitterer und Jost.

„Im November war das Weihnachtsgeschäft ordentlich, man konnte davon ausgehen, dass der Dezember sehr gut wird. Doch dann kam die 2G-Regel“, erinnert Fitterer.

Dem pflichtet BTE-Präsident Jost bei. „Die Herbstmonate waren wirklich gut. Wir lagen deutlich über 2019“, also vor Corona. Aber unter dem Strich werde man in diesem Gesamtjahr im Vergleich zu 2019 massiv ins Minus rutschen.

Viele stehen „mit dem Rücken zur Wand“

Die Politik stigmatisiere einen Teil des Einzelhandels durch die 2G-Regel, sagt Jost. Falls der Einkauf im Einzelhandel tatsächlich wegen der Ansteckungsgefahr gefährlich wäre, hätte die Politik in der Konsequenz für den Lebensmitteleinzelhandel 3G vorschreiben müssen.

Dabei betone das staatliche Robert-Koch-Institut, dass der Einzelhandel kein Pandemietreiber sei. Dadurch, dass die Politik dennoch die 2G-Auflagen für Non-Food-Geschäfte machte, habe sie an die Bevölkerung ein Warnsignal gesendet. Jost weiter: „Ich glaube, der Politik ist es erfolgreich gelungen, den Menschen vor einem Textil-Einkauf Angst zu machen.“

In seiner Branche stünden nun vor allem viele Einzelunternehmen „mit dem Rücken zur Wand“. Jost erinnert daran, dass seine Kolleginnen und Kollegen bei dieser Rechtsform mit dem Privatvermögen haften. Das Gehalt ist – anders als etwa beim Geschäftsführer einer GmbH – abhängig vom Gewinn. Viele hätten in der Krise sogar Teile ihrer Altersversorgung geopfert. Dadurch ergäben sich auch gesellschaftliche Probleme.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Dirk Neubauer

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Erstellt:
28. Dezember 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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