Renaturierung des Sandbachs abgeschlossen

Iffezheim (mak) – Die Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim (INI) hat in mehreren Abschnitten seit 2001 den Sandbach renaturiert, nun ist alles fertig. Insgesamt wurden rund 137.500 Euro investiert.

Die beteiligten Akteure freuen sich über die ökologische Aufwertung des Gewässers. Foto: Markus Koch

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Die beteiligten Akteure freuen sich über die ökologische Aufwertung des Gewässers. Foto: Markus Koch

„Es ist eine super Sache, was hier mit dem Sandbach passiert ist“, freute sich am Mittwoch Johannes Godbarsen, Vorstandsmitglied der Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim (INI). Rund 20 Jahre hat es gedauert, um in mehreren Abschnitten aus dem kanalähnlichen Fließgewässer auf einer Länge von 2,7 Kilometern eine naturnahe Bachlandschaft mit großer ökologischer Wertigkeit herzustellen. Der Ursprung des Sandbachs liegt bei Unterstmatt, wo zwei kleine Bäche in einen großen zusammenfließen: Die Bühlot. „Früher wurde die Bühlot auch als Bühlerbach bezeichnet“, berichtete Beisitzer Herbert König beim Pressetermin. Die Bühlot werde in der Nähe von Iffezheim zum Sandbach.

Herbert König hatte Idee zur Renaturierung

Im Rahmen des novellierten Wassergesetzes hatte das Land den Kommunen die Aufgabe gestellt, bei nicht naturnah ausgebauten Gewässern die Voraussetzung für eine naturnahe Entwicklung zu schaffen. Herbert König erarbeitete daraufhin Vorschläge zur Verbesserung der Wasserqualität des Sandbachs. Seine Ideen wurden von der Gemeinde aufgegriffen und mündeten in einen Auftrag an das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) zur Erstellung eines Gewässerentwicklungsplans für den Sandbach.Im Februar 2001 gab der Iffezheimer Gemeinderat grünes Licht für dessen Umsetzung. Schon im Oktober 2001 wurden zwischen ehemaliger B36 und der Römerbrücke vier Strömungsablenker aus Baumstämmen und eine Dreiecksbuhne eingebaut. Ziel war es, das Trapezprofil des Bachs zu verändern und durch die Hindernisse Impulse zur Eigendynamik zu fördern.

Mit diesen Maßnahmen betrat man als Planer, Bauunternehmen und Gemeinde wasserbauliches Neuland im Rahmen eines Forschungsprojekts der Gewässerdirektion. „Mit den Uferabbrüchen, den Prall- und Gleitufern sowie mit den Geschiebeablagerungen setzte eine Entwicklung ein, über die alle Beteiligten erfreut waren“, blickte König zurück.Von 2003 bis 2005 wurden dann weitere Abschnitte durch den Einbau von Strömungsablenkern renaturiert. Außerdem verband man einen alten Bachlauf mit dem Sandbach, der bei Hochwasser diesen durchfließt. Als Ausgleichsmaßnahme für den Bau einer Gasleitung wurde 2006 die Einmündung des Schwarzen Grabens in den Sandbach neu modelliert und der dortige „Wasserfall“ nivelliert.

Bachlauf modelliert mit Baumstämmen


Im Dezember 2007 setzte man die Aktivitäten östlich der Römerbrücke fort und modellierte mit Baumstämmen und Steilufern den tief ins Gelände eingeschnittenen Bachlauf. Die Verbesserungsmaßnahmen bei der Einmündung des Schwarzen Grabens in den Sandbach wurden 2009 fortgesetzt und 2011 beendet. 2018 trat die INI an den Gemeinderat mit dem Wunsch heran, ein weiteres Stück etwa 200 Meter östlich der Brücke über die ehemalige B36 naturnah zu gestalten. Doch das Landratsamt hatte Bedenken wegen eventueller Verunreinigung des Grundwassers mit PFC im Einzugsgebiet rund um die Entnahmebrunnen Iffezheim und Hügelsheim. Das Aufbrechen der vorhandenen Sohle könnte die Wasserversorgung gefährden. In einem Gespräch zwischen Vertretern des Landratsamts, der Gemeinde und der INI einigte man sich auf das Entnehmen von Bodenproben. Nachdem diese keinerlei Verunreinigungen hatten, gab es „grünes Licht“. Im Oktober 2020 rückten die Bagger an, einen Monat später war der Abschnitt fertig.Bürgermeister Christian Schmid bezeichnete die Renaturierung als ein „sehr gelungenes Naturschutzprojekt“ und dankte der INI „für den Input“ und allen Helfern. Godbarsen bedankte sich bei der örtlichen Baufirma Lorenz und dem Landratsamt für die gute Zusammenarbeit. Die Gesamtkosten betragen 137.500 Euro. Fördergelder gab es vom Umweltministerium (26.000 Euro) und der Umweltstiftung Rastatt (63.000 Euro). Im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen gab es von Trans Europa Naturgas Pipeline 15.000 Euro und vom Kieswerk Kern 14.000 Euro. Die INI steuerte 13.000 Euro bei und die Gemeinde Iffezheim 6.500 Euro.

Sehr viel Fingerspitzengefühl beweist der Baggerfahrer im Oktober 2020 im Sandbach. Foto: Firma Lorenz

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Sehr viel Fingerspitzengefühl beweist der Baggerfahrer im Oktober 2020 im Sandbach. Foto: Firma Lorenz

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Erstellt:
16. September 2021, 13:08 Uhr
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