Rentenfinanzierung über Aktienfonds?

Baden-Baden (fk) – CDU-Rentenpolitiker Kai Whittaker möchte, dass für jedes geborene Kind 4.000 Euro in einem Staatsfonds angelegt werden. Das Geld samt Rendite soll später in die Rente einfließen.

Kurs im Blick: „Schaut man sich die Entwicklung des DAX der vergangenen 50 Jahre an und rechnet dessen Rendite auf das Kinder-Rentengeld um, könnten sich die eingangs eingezahlten 4.000 Euro innerhalb von 67 Jahren bei sechs Prozent realen Zinsen auf ca. 200.000 Euro vermehrt haben“, sagt Kai Whittaker. Ein Risiko sieht er bei der Spekulation nicht.

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Kurs im Blick: „Schaut man sich die Entwicklung des DAX der vergangenen 50 Jahre an und rechnet dessen Rendite auf das Kinder-Rentengeld um, könnten sich die eingangs eingezahlten 4.000 Euro innerhalb von 67 Jahren bei sechs Prozent realen Zinsen auf ca. 200.000 Euro vermehrt haben“, sagt Kai Whittaker. Ein Risiko sieht er bei der Spekulation nicht.

Die Rentendiskussion rund um die Frage der zukünftigen Finanzierung der gesetzlichen Altersvorsorge dürfte im kommenden Bundestagswahlkampf eines der zentralen Themen werden. Jetzt hat sich der mittelbadische CDU-Abgeordnete und Rentenpolitiker Kai Whittaker mit einem Vorschlag aus der Deckung gewagt, der zwar nicht ganz neu ist, aber einige Beachtung findet.

Whittaker möchte, dass für jedes in Deutschland geborene Kind, das einmal Rentenansprüche hat, 4.000 Euro in einem Staatsfonds angelegt werden. Dieses Geld würde der Fonds laut Whittaker dann „gewinnbringend, breitgestreut und zu niedrigen Verwaltungskosten an den Kapitalmärkten anlegen. Bis zum Renteneintritt bleibt das Geld unangerührt, ab dann wird es zusätzlich zu den bestehenden Rentenleistungen ausgezahlt“, erklärt Whittaker. BT-Redakteur Florian Krekel hat mit ihm über die konkrete Ausgestaltung und mögliche Probleme dieser Idee gesprochen.

BT: Herr Whittaker, warum ist diese Art der Renten-Anlage für Sie die richtige? Wo liegen die Vorteile?
Kai Whittaker: Schaut man sich die Entwicklung des DAX der vergangenen 50 Jahre an und rechnet dessen Rendite auf das Kinder-Rentengeld um, könnten sich die eingangs eingezahlten 4.000 Euro innerhalb von 67 Jahren bei sechs Prozent realen Zinsen auf ca. 200.000 Euro vermehrt haben. Im Schnitt leben Deutsche nach Eintritt in die Rente weitere 18 Jahre. Das würde dann ein Plus von 900 Euro Rente pro Monat geben. Mein Vorschlag ist finanzierbar und er würde Altersarmut definitiv verhindern. Um die Rente weiterhin sicher, fair und generationengerecht zu gestalten, müssen wir an vielen Stellschrauben drehen. Um eine Kapitaldeckung werden wir dabei nicht herumkommen und das ist gut so, denn: So können alle Bevölkerungsgruppen an der steigenden Vermögensentwicklung in Deutschland teilhaben. Mein Vorschlag des Kinder-Rentengeldes ist dabei ein gangbarer Weg in die kapitalgedeckte Rente und kann langfristig einen großen Beitrag zur Finanzierbarkeit und Gerechtigkeit beitragen.

Kai Whittaker. Foto: BT-Archiv

Kai Whittaker. Foto: BT-Archiv

BT: Ist Fondsspekulation aber nicht auch unsicher? Etwa durch nicht vorhersehbare Ereignisse wie die Finanz- und Immobilienkrise oder zum Beispiel eine Pandemie?
Whittaker: Der Fonds würde möglichst unabhängig agieren und das Geld sehr breit gestreut anlegen, um genau die von Ihnen angesprochene Sicherheit des Geldes zu gewährleisten. Wenn man alleine spart, treffen einen schlechte Jahre sehr hart. Wenn aber generationenübergreifend in einen Fonds eingezahlt wird, ist man besser vor solchen Risiken geschützt. Zahlreiche Länder in Europa haben die kapitalgedeckte Rente bereits seit vielen Jahren eingeführt und erfolgreich durch verschiedene Krisen gebracht. Ich kann guten Gewissens sagen, dass mein Vorschlag sicher ist.

BT: Woher soll angesichts des demografischen Wandels das Geld dafür kommen? Die Finanzierung aus Steuergeldern erscheint schwierig beziehungsweise ist eine zusätzliche Belastung der aktuellen Arbeitnehmer, die ja gar nicht davon profitieren?
Whittaker: Legen wir die aktuellen Geburtenzahlen zugrunde, würden sich die Kosten für das Kinder-Rentengeld jährlich auf rund 3,2 Milliarden Euro belaufen. Meiner Meinung nach eine vergleichsweise „günstige“ Investition. Wenn wir Altersarmut bekämpfen, wenn die Menschen in Rente gehen, wird es definitiv teurer. Der Fonds würde obendrein der Wirtschaft Geld für Investitionen zur Verfügung stellen, was insbesondere angesichts der bevorstehenden Transformation und Dekarbonisierung sehr hilfreich sein könnte. Dadurch stärken wir Made in Germany.

BT: Ehe erstmals aus dem Fonds ausbezahlt würde, schreiben wir im besten Fall das Jahr 2090. Wie überbrückt man die Zeit bis dahin?
Whittaker: Wir müssen die umlagefinanzierte Rente sicherer machen und das Vertrauen der jüngeren Generation in die Rente wieder steigern. Anstatt über ein fixes Renteneintrittsalter zu sprechen, brauchen wir mehr Flexibilität. Das Leben der Menschen ist vielfältig und damit auch ihre beruflichen Lebensläufe. Wer früher einzahlt, sollte früher gehen können. Wer nicht Knall auf Fall aufhören will, sondern noch Lust und Kraft verspürt, sollte langsam in die Rente überleiten können. Die Menschen brauchen das Vertrauen, dass wir mit besserer Reha und guter Weiterbildung ihnen helfen, dass sie aber auch bis zum Renteneintrittsalter kommen.

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Erstellt:
15. Juni 2021, 05:30 Uhr
Lesedauer:
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