„Respekt vor Natur“ und Zahlen lernen

Forbach/Gernsbach/Bühl (red/ham) – Morgens vier Stunden Deutsch, Mathe und Englisch – nachmittags den eigenen Interessen nachgehen. So sieht das Konzept der Sommerschulen im Land aus.

Mit Klaudia Stoll zusammen produzieren die Schüler in der Akademie Schloss Rotenfels Filme mit dem iPad, die unter dem Übertitel „One minute of my life“ stehen. Foto: Metz

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Mit Klaudia Stoll zusammen produzieren die Schüler in der Akademie Schloss Rotenfels Filme mit dem iPad, die unter dem Übertitel „One minute of my life“ stehen. Foto: Metz

Die Schüler im Naturfreundehaus Badener Höhe lernen diese Woche den Nationalpark Schwarzwald kennen und bekommen „Respekt vor der Natur“ vermittelt. Das Konzept von Thomas Fritz überzeugt nicht nur dort. Der Nationalpark-Pädagoge steht aber sinnbildlich für den Erfolg des Konzepts „Sommerschule“ im Land.

An 54 Standorten und damit drei mehr als im vergangenen Jahr bietet das Kultusministerium zusammen mit engagierten Schulen und Lehrern eine zusätzliche Lerngelegenheit in den Sommerferien an. Sämtliche Anträge der Schulen dafür hat das Kultusministerium bewilligt. Damit wird das bewährte Angebot der Sommerschulen neben den „Lernbrücken“, die in diesen Sommerferien pandemiebedingt Premiere feierten, fortgeführt. Doch nicht nur das: Die Schulen haben aufgrund einer gestiegenen Nachfrage die Teilnehmerzahl an den einzelnen Standorten erhöht. Damit werden rund 2 000 Schüler (2019: 1 400) von diesem Angebot profitieren, das in der Regel in den letzten beiden Sommerferien-Wochen stattfindet.

Zahlreiche vergebliche Bewerbungen um Platz

Die Von-Drais-Gemeinschaftsschule Gernsbach verzeichnete sogar noch regeren Andrang bei ihren Angeboten im Schloss Rotenfels und im Naturfreundehaus Badener Höhe mit Fritz. „Wir hatten doppelt so viele Bewerbungen wie im Vorjahr und zwei Drittel Jungs, was auch ungewöhnlich ist“, berichtet Thomas Fritz. Wegen der Corona-Auflagen bekamen nur 26 Teilnehmer einen der begehrten raren Plätze, „weil wir zwischendrin immer ein Bett freilassen müssen“, erläutert der Nationalpark-Pädagoge aus Hundsbach. Von Horb über Freudenstadt bis Rastatt, Sinzheim, Bühlertal und Rheinmünster: Aus zehn verschiedenen Schulen kommen die Interessenten heuer. Sie begeistern sich für das Naturerlebnis, das sich nach dem regulären Schulunterricht am Morgen im Freien anschließt: Wildnispark auf dem Plättig, Baumklettern, Bogenschießen oder Wanderungen auf der Badener Höhe oder entlang der Murg stehen samt Teambuilding-Maßnahmen mit Biologen, Geografen und Förstern auf dem Plan.

„Der deutliche Anstieg der Schülerzahlen bei den Sommerschulen zeigt, dass das Interesse auch aufgrund der Schulschließung gestiegen ist. Dass dieses Angebot, an dem sich Lehrkräfte freiwillig beteiligen, trotz der Corona-Pandemie und den Belastungen für die Schulen stattfinden kann, ist ein tolles Zeichen“, findet Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Erfreulich sei überdies, dass das Angebot an fast allen Schularten unterbreitet werden könne. Die Mittel für die Sommerschulen wurden 2020 von bisher 750.000 auf nunmehr 900.000 Euro aufgestockt.

Ein besonderer Fokus liegt bei den Angeboten der Sommerschulen auf den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. So unterrichten die Lehrkräfte in kleinen Gruppen in Deutsch, Mathematik oder Englisch und können die Schüler dadurch gezielt fördern. Ein Rahmenprogramm, bei dem Partner zum Beispiel aus der Wirtschaft, aus der Kultur oder aus dem sozialen Bereich einbezogen werden, ergänzt die schulischen Inhalte und sorgt für eine Auflockerung des Angebots. Die ergänzenden Aktivitäten finden dabei beispielsweise in den Bereichen Natur und Umwelt, Technik oder Kunst und Kreativität statt.

So ist das auch an der Akademie Schloss Rotenfels: Die Lehrer Matthias Eisele, Stephan Nagel und Marcel Mattner bilden laut Leiterin Katharina Beckmann „unser Dream-Team“. Die drei festen Gruppen zu je neun Schülern sind am Nachmittag mit Theaterpädagogin Mirijam Kälberer in einem Stück den „Zahlen auf der Spur“. Bei Künstlerin Lydia Oermann lautet der Aufruf: „Gestalte dein Unikat: Drucken und Sprayen mit Schablonen.“ Zudem entsteht mit Klaudia Stoll zusammen ein Film mit dem iPad, bei dem der Übertitel „One minute of my life“ lautet.

Digitale Modelle bewerten

Der digitale Unterricht hat in den vergangenen Monaten eine besondere Rolle gespielt, das spiegelt sich nun auch in den Sommerschulen wider. „Mit der Schulschließung aufgrund der Corona-Pandemie mussten sich die Schulen auf eine ungewohnte Situation einstellen und haben verschiedene Ideen und Modelle entwickelt, um die Schüler auch im Fernunterricht zu erreichen und zu unterrichten“, sagt Eisenmann und schiebt laut einer Mitteilung ihres Ministeriums nach, „wir wollen die Sommerschulen deshalb auch dazu nutzen, Modelle, die Schulen entwickelt haben und die gut funktioniert haben, gezielt zu testen, zu evaluieren und damit auch unsere Konzepte für einen guten Fernunterricht zu verbessern.“

Eine Evaluierung der Sommerschulen 2019 durch die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg hat für die beteiligten Gymnasien sehr positive Rückmeldungen ergeben. 88 Prozent der befragten Schüler würden die Sommerschule ihren Freunden empfehlen. 85 Prozent haben angegeben, dass ihnen der Übergang in das neue Schuljahr durch die Sommerschulen leichter gefallen sei. Ebenfalls 85 Prozent meinten gar, dass sie lieber die Sommerschule besucht haben als Ferien zu haben. „Diese Evaluation ist bemerkenswert und spricht für den Erfolg der Sommerschulen. Ich sehe das auch als ein ganz großes Kompliment für die Arbeit der Lehrer in den Sommerschulen und bin stolz auf das, was dort jedes Jahr auf die Beine gestellt wird“, lobt Eisenmann abschließend in der Pressemitteilung des Kultusministeriums.

Die Schüler im Naturfreundehaus Badener Höhe müssen bei der Team-Übung ein „Dino-Ei“ ohne Berührung zusammen an einen anderen Ort transportieren. Foto: Fritz

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Die Schüler im Naturfreundehaus Badener Höhe müssen bei der Team-Übung ein „Dino-Ei“ ohne Berührung zusammen an einen anderen Ort transportieren. Foto: Fritz


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