Rettungsaktion für den Steinkrebs

Landau (vn) – Ein grenzüberschreitendes EU-Artenschutzprojekt soll die Wiederansiedlung von Steinkrebsen in den Nordvogesen und im Pfälzerwald forcieren. Die Art ist vom Aussterben bedroht.

Zuchterfolg: Ein weiblicher Steinkrebs mit Eiern am Hinterleib. In freier Natur sind die Tiere vom Aussterben bedroht. Foto: Roland Scheidemann/dpa

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Zuchterfolg: Ein weiblicher Steinkrebs mit Eiern am Hinterleib. In freier Natur sind die Tiere vom Aussterben bedroht. Foto: Roland Scheidemann/dpa

Um Austropotamobius torrentium zu finden, muss man zwar nicht jeden Stein umdrehen, aber doch recht viele – und das nachts im Bachbett. Der Steinkrebs ist nicht nur nachtaktiv und versteckt sich gern, er ist auch sehr selten geworden. Ein von der EU finanziertes deutsch-französisches Artenschutzprojekt soll jetzt die Grundlagen für eine Wiederansiedlung im Pfälzerwald und den Nordvogesen schaffen.
„Leider konnten bislang keine Steinkrebse mehr in der Pfalz nachgewiesen werden“, fasst Anne Schrimpf die enttäuschenden Ergebnisse jüngster Erkundungen zusammen. „Wir geben die Hoffnung aber nicht auf, noch fündig zu werden, wenn wir großflächiger suchen.“ Die Biologin koordiniert das EU-Projekt am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Landau.

Früher waren die Krebse landesweit verbreitet, heute gelten sie als vom Aussterben bedroht. Viele lokale Bestände sind für immer verloren, Nachweise über Vorkommen oft veraltet. Schutzmaßnahmen lassen sich auf dieser Grundlage nur schwer planen.

Steinkrebse leben in kalten und schnellfließenden Bachoberläufen. Dort vertilgen sie Pflanzenreste und Aas, wodurch das Wasser gereinigt wird – eine wichtige Funktion im Ökosystem. Die heißen Sommer ließen laut Schrimpf viele dieser Bach-Biotope austrocknen, was zum Verschwinden der Populationen führte. Wasserverschmutzung und Gewässerbau taten ein Übriges.

Hinzu kommt die Bedrohung durch eingeschleppte Flusskrebse als Nordamerika – und die von diesen invasiven Arten übertragene „Krebspest“. „Die Ausbreitung des Erregers kann ganze Bestände heimischer Arten in kürzester Zeit auslöschen. Für Menschen oder andere Tiere geht keine Gefahr von der Krebspest aus“, informiert die Fischerei- und Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart über die Problematik.

Das pfälzische Forscherteam will laut Schrimpf mehrgleisig fahren, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

DNA-Tests: Forschern der Universität Konstanz ist es gelungen, aus Wasserproben Erbgut von Steinkrebsen zu extrahieren. Diese noch sehr neue Methode soll im Rahmen des EU-Projekts erprobt werden. „Es würde die Arbeit im Terrain enorm erleichtern“, ist sich Schrimpf sicher. Nur bei einem positiven Befund in der Probe würde man an der entsprechenden Stelle im Wasser nach den Tieren suchen.

Brutmaschine: Einem Züchter gelingt es bereits seit Jahrzehnten, in einer Maschine Eier von Edelkrebsen ausbrüten zu lassen. Das soll jetzt auch bei Steinkrebsen probiert werden. Die Eier stammen von Tieren aus dem Moseleinzugsgebiet. Die Vorbereitungen sollen noch dieses Jahr beginnen. Zuvor müssen diffizile Fragen geklärt werden. Zum Beispiel: Von wie vielen Weibchen können Eier entnommen werden, ohne der bestehenden Population zu schaden? Immerhin: In der Maschine schlüpft mehr Nachwuchs als in der Natur.

Zucht: Als dritter Weg soll die Zucht in Naturteichen forciert werden, verbunden mit dem späteren Aussetzen in Bächen. Großaquarien eignen sich aber nicht, wie Versuche des französischen Projektträgers Sycopark gezeigt haben. Laut Schrimpf sei der Bruterfolg dort schlecht gewesen. Die deutschen und die französischen Kollegen arbeiten jetzt zusammen. Am 22. Oktober ist der gemeinsame Besuch einer Zuchtanlage in Baden-Württemberg geplant.

Das Projekt wird durch den europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert und beinhaltet neben verstärkter Öffentlichkeitsarbeit auch Bildungsangebote. So ist zum Beispiel am 19. Oktober von 10 bis 15 Uhr in Eußerthal bei Annweiler eine Exkursion für Kinder und Jugendliche geplant. Das Thema: „Fische & Krebse heimischer Gewässer“. Kooperationspartner ist das Biosphärenreservat Pfälzerwald.

www.pfaelzerwald.de

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
17. September 2021, 08:15 Uhr
Aktualisiert:
17. September 2021, 08:59 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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