Rettungswege: Maximal 300 Meter Abstand

Gernsbach (stj) – Einschlägige Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln erfordern das Großprojekt auf der B462, mit dem vier Rettungstreppenhäuser nachgerüstet werden.

Am südlichen Tunnelende in Gernsbach zieht sich die B462 auf rund 100 Meter eine Rampe hinauf, bis man offiziell aus dem Bauwerk draußen ist. Foto: Stephan Juch

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Am südlichen Tunnelende in Gernsbach zieht sich die B462 auf rund 100 Meter eine Rampe hinauf, bis man offiziell aus dem Bauwerk draußen ist. Foto: Stephan Juch

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hat im Frühjahr 2007 mit den Ergebnissen seines Tunnel-Tests für mächtig Wirbel in Gernsbach und der Region gesorgt. Die damals festgestellten „gravierenden Mängel“ sind inzwischen größtenteils behoben. Bis Oktober 2021 sollen nun auch die vier Rettungstreppenhäuser fertig sein, die das Sicherheitskonzept als letztes Großprojekt vervollständigen.

Da der in den Jahren 1992 bis 1997 entstandene 1.527 Meter lange Tunnel Gernsbach seinerzeit lediglich mit einem Rettungstreppenhaus etwa in Tunnelmitte ausgestattet worden war, sind nun jeweils zwei Notausgänge zwischen dem Süd- beziehungsweise Nordportal und dem bestehenden Rettungstreppenhaus nachzurüsten.

„RP: Südliche Tunnelende nicht gleichzusetzen mit Tunnelausgang“

Fragen wirft dabei immer wieder das südliche Tunnelende auf, entsteht dort doch das Rettungstreppenhaus Obertsroter Landstraße, das relativ nah am Ende der Röhre als Notausgang dient. Braucht es das überhaupt? Diese Frage wurde zuletzt oft von BT-Lesern an die Redaktion gerichtet.

Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe, das die rund 16 Millionen Euro teure Nachrüstung im Auftrag des Vorhabenträgers, der Bundesrepublik Deutschland, verantwortet, klärt auf: „Der maximale Abstand von Rettungswegen in Tunneln darf gemäß den einschlägigen Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln maximal 300 Meter betragen.“ In Gernsbach sei das südliche Tunnelende allerdings nicht gleichzusetzen mit einem Tunnelausgang. Denn auf rund 100 Metern zieht sich noch eine Rampe hinauf, bis man dann offiziell aus dem Tunnel draußen ist, erläutert das RP: „Das heißt, man sieht zwar schon den Himmel, ist jedoch noch nicht draußen aus dem Bauwerk beziehungsweise der eventuellen Gefahrenstelle. Im Brandfall können die giftigen Gase im Rampenbereich aber nach oben entweichen, sodass das Gefahrenpotenzial dort wesentlich geringer ist.“

Um die Rauchentwicklung zu testen, wurde im April 2013 ein aufwendiger Brandversuch mit einem ausrangierten Opel Omega durchgeführt. Mit neun Stunden lang inszeniertem Feuer hat man damals auch die frisch installierte Lüftungsanlage in der Röhre unter der Papiermacherstadt einem Härtetest unterzogen. Zuvor waren in einem ersten großen Nachrüstungsprojekt insgesamt 2.800 Quadratmeter Fläche neu beschichtet, die Portale aufgehellt und die Lüftungssteuerung erneuert worden.

Um die Verkehrssicherheit weiter zu verbessern, wurden zudem Temperatur- und Feuchtesensoren und eine Videoüberwachungsanlage installiert. Notrufnischen, eine aktive Leiteinrichtung mit LED-Technik, 19 Rauchabzugsklappen in der Tunneldecke und Hochleistungslautsprecher, die dem hohen Schalldruckpegel im Tunnel angepasst sind, wurden ebenso eingerichtet. Mit den nun im Bau befindlichen vier weiteren Notausgängen wird die sicherheitstechnische Nachrüstung der Untertunnelung abgeschlossen.

ADAC schlägt 2007 „Großalarm“

Eine europaweite Untersuchung des ADAC hat 2007 gravierende Mängel am Gernsbacher Tunnel festgestellt. Gegenverkehr und ein hoher Lkw-Anteil sorgten für ein erhebliches Risiko, so die Tester. Zudem erkannten sie Defizite bei Flucht- und Rettungswegen, Lüftung und im Notfallmanagement. Mit der Umrüstung, die 2012 begann, werden die Gefahrenstellen beseitigt. Rund sechs Millionen Euro investierte der Bund in den ersten Sanierungsabschnitt vor neun Jahren. Seit September 2019 wird nun das letzte Detail, die rund 16 Millionen Euro teuren vier neuen Rettungstreppenhäuser, nachgerüstet. Im Oktober 2021 soll das Projekt fertig werden – rund 14 Jahre, nachdem der ADAC quasi „Großalarm“ ausgerufen hatte. Täglich rollen rund 12.000 Fahrzeuge durch den 1,5 Kilometer langen Tunnel.

Rauchtest: Im April 2013 wird die frisch installierte Lüftungsanlage auf Herz und Nieren getestet. Sie musste nach einem ADAC-Test aus dem Jahr 2007 genauso nachgerüstet werden wie nun die vier Rettungstreppenhäuser. Foto: Bernhard Margull

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Rauchtest: Im April 2013 wird die frisch installierte Lüftungsanlage auf Herz und Nieren getestet. Sie musste nach einem ADAC-Test aus dem Jahr 2007 genauso nachgerüstet werden wie nun die vier Rettungstreppenhäuser. Foto: Bernhard Margull


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