Rheinauenprojekt: Studie lässt hoffen

Rastatt (ema) – Die Redynamisierung der Rheinauen kann gelingen, ohne dass die Schifffahrt beeinträchtigt wird: Das sagen laut Stadt Rastatt die ersten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie.

Die Befestigung des Rheins tut den Auen nicht gut. Das soll sich ändern. Foto: W. Walter

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Die Befestigung des Rheins tut den Auen nicht gut. Das soll sich ändern. Foto: W. Walter

Die Stadt will sich bei dem geplanten Forschungsprojekt mit dem Rastatter KIT-Aueninstitut nicht von den Gegnern aus dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) das Wasser abgraben lassen. Die Verwaltung ist jetzt mit ersten Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie an die Öffentlichkeit getreten, die zeigen, dass die angestrebte Redynamisierung der Rheinaue gelingen kann, ohne dass die Schifffahrt beeinträchtigt wird.
Die Stadtverwaltung reagiert damit auf Äußerungen des Leiters des WSA Oberrhein, Jörg Vogel, der sich im BT-Gespräch ablehnend gegenüber dem Projekt gezeigt hatte. Ziel des Vorhabens ist es, die Durchströmung der Rheinaue zu optimieren und dabei auch neue Seitengewässer zu schaffen. Damit soll die Verlandung der Aue eingedämmt und im Idealfall sogar abgebaut werden. Diesen Prozess der Entwicklung einer natürlichen Aue fassen die Verantwortlichen unter dem Schlagwort „Redynamisierung der Rastatter Rheinauen“ zusammen.

„Kein erheblicher Einfluss“ auf Schifffahrt

Das KIT-Aueninstitut hatte Anfang 2019 den Auftrag erhalten, in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Wasserbau und einem Ingenieurbüro die Machbarkeitsstudie zu erstellen. In Modellen sei nun nachgewiesen worden, dass die erforderlichen Erosionsprozesse greifen, zitiert die Stadtverwaltung aus der Studie. Damit einher gingen zwar erwartungsgemäß Auswirkungen auf den Rhein als Schifffahrtsstraße, da der Wasserspiegel im Fluss sinken muss, wenn man mehr Wasser in die Aue lenkt. Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass dies keinen erheblichen Einfluss auf die Schifffahrt hat: „Da bei den kritischen, niedrigen Rheinwasserständen kein zusätzliches Wasser in die Aue ausgeleitet werden soll, ergeben sich hier keine negativen Auswirkungen“, so die Einschätzung in der Studie, die zum Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Selbst bei Mittelwasser gehe es um eine Veränderung des Wasserspiegels allenfalls in einer Größenordnung von etwa fünf Zentimetern, die man nicht als Beeinträchtigung werte. Bei deutlich höheren Wasserständen sei der Abfluss ohnehin nicht so kritisch, heißt es in der Studie. Eine abschließende Bewertung durch die Bundesanstalt für Wasserbau steht allerdings noch aus.

Verantwortliche setzen auf Annäherung

WSA-Chef Vogel hatte im BT-Gespräch Widerstand gegen das Projekt angekündigt. Er sprach von „unabwägbaren Folgekosten“, weil das Abzapfen des Wassers zu einer Absenkung des Wasserspiegels führe und damit die Frachtschiffe erhebliche Kapazitätsverluste hinnehmen müssten.

Die ablehnende Haltung sorgte bei den Projektbeteiligten und auch im Rastatter Gemeinderat für Irritationen. Im Rathaus spricht man von einer „Einzelmeinung“, die nicht den derzeitigen Stand der Machbarkeitsstudie berücksichtige. Die Verantwortlichen setzen jetzt auf eine Annäherung in der Arbeitsgruppe zur Machbarkeitsstudie, in der auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt vertreten ist.

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Erstellt:
5. August 2020, 22:00 Uhr
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