Rheinischer Stimmungsaufheller

Freiburg (rap) – Die nächste Heimenttäuschung für den Fußball-Bundesligisten SC Freiburg: Am Samstagmittag verlor der SCF mit 0:2 gegen Düsseldorf und zeigte einen ideen- und körperlosen Auftritt.

Die Entscheidung: Düsseldorfs Erik Thommy (Mitte) läuft Luca Waldschmidt davon und netzt zum 2:0 ein. Foto: Seeger/dpa

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Die Entscheidung: Düsseldorfs Erik Thommy (Mitte) läuft Luca Waldschmidt davon und netzt zum 2:0 ein. Foto: Seeger/dpa

Zumindest die Jecken aus dem Rheinland hatten ihren Spaß am Samstagmittag im Freiburger Schwarzwaldstadion. Bereits vor der Partie feierten die bunt kostümierten Fortuna-Anhänger sich und die fünfte Jahreszeit lautstark. Gute zwei Stunden später, als der 2:0-Auswärtssieg, erst der zweite in dieser Saison überhaupt in der Fremde, unter Dach und Fach gewesen war, ging die rheinische Party im Badischen dann so richtig los. „Karneval in Freiburg“, hallte es lautstark durch das Stadion. Uwe Rösler ballte nach seinem ersten Sieg als Düsseldorf-Trainer die Faust, die leidenschaftlich kämpfenden Fortunen feierten mit ihren Fans auf dem Rasen eine vorgezogene Rosenmontagsfete.

Kein Wunder, vergrößerten die Rheinländer, auf Platz 16 liegend, den Abstand auf den Vorletzten Werder Bremen auf drei Punkte. „Das war vielleicht nicht attraktiv, das war nicht sexy, aber das war erfolgreich“, gab Rösler, angesprochen auf die Spielweise, hinterher zu Protokoll. Dabei zeigte das rheinische Kellerkind genau die Attribute, die im Abstiegskampf gefordert sind: bedingungslose Laufbereitschaft, Zweikampfhärte, disziplinierte Defensivarbeit und jede Menge Leidenschaft – und hatte in einer chancenarmen ersten Halbzeit gar die gefährlicheren Abschlüsse. Einer davon landete schließlich im Freiburger Tor, als Fortuna-Verteidiger André Hoffmann nach einer Ecke aus fünf Metern unbedrängt zur Führung einköpfen durfte (37.). Die Freiburger Spieler waren jedenfalls in diesem Moment auch verkleidet – und zwar als Statisten.

Thommy-Sololauf sorgt für die Entscheidung

Wie auch in Minute 61, als der Sport-Club aus einem eigenen Eckball das vorentscheidende 0:2 kassierte. Zu diesem Zeitpunkt war Nicolas Höfler in der SC-Kabine verschwunden, um sich den Knöchel tapen zu lassen, die Streich-Elf somit in Unterzahl. Als Jonathan Schmid den Ball dann noch als letzter Mann gegen Kevin Stöger vertändelte, nahm das Freiburger Unheil seinen Lauf. Stöger schickte den wieselflinken Thommy, SC-Stürmer Luca Waldschmidt hechelte hinterher – vergebens. Thommy blieb schließlich vor Alexander Schwolow („Da muss die Absicherung besser sein“) cool und netzte zur Vorentscheidung ein. „Ich hatte dann 70, 80 Meter die freie Wiese vor mir und wollte dann unbedingt das Tor machen. Das war ein Tor des Willens“, befand Thommy hinterher.

Durchsetzungsvermögen also, das Christian Streich bei seiner Elf schmerzlich vermisste. „Wir hatten vor allem in der ersten Halbzeit zu wenig Körperlichkeit. Ich predige es seit Wochen, dass es so nicht geht gegen diese Mannschaften“, sagte ein sichtlich angesäuerter SC-Coach, der damit indirekt Bezug auf die Niederlagen in Köln (0:4), gegen Paderborn (0:2) und nun Düsseldorf nahm. Dass die Badener beim zweiten Treffer temporär in Unterzahl agierten, „passt zu unserer derzeitigen Situation“, so Streich.

Hennings: „Ekelhaft gegen uns zu spielen“

Keine Frage, im neuen Jahr ist bislang die Leichtigkeit im SC-Spiel abhanden gekommen. Gerade gegen die Kellerkinder tun sich die Breisgauer derzeit extrem schwer. Gegen die Fortuna präsentierte sich der SC ziemlich passiv, zündende Ideen im Spielaufbau fehlten, das Passspiel war schludrig, die Offensive um Waldschmidt, Höler und den blassen Grifo agierte abgesehen von zwei Freistößen des Italieners (35., 39.) harmlos. Erst kurz vor Ende erspielte sich die Streich-Elf einige Chancen, zielte aber meist zu hoch. „Wir hatten zwar viel Ballbesitz, haben aber keine Lösungen gefunden. So Phasen gibt’s, da müssen wir uns jetzt rausarbeiten“, erklärte SC-Kapitän Christian Günter.

Als Blaupause für Walschmidt und Co. vor dem nächsten Auftritt bei Borussia Dortmund dürften sicherlich die 90 Minuten der Rheinländer im Schwarzwaldstadion dienen. „Es war heute sicher ekelhaft gegen uns zu spielen. Wir waren in den Zweikämpfen sehr präsent, haben den Rhythmus der Freiburger immer wieder unterbrochen. Der Sieg gibt uns Auftrieb“, meinte Düsseldorfs Stürmer Rouwen Hennings und verschwand abgekämpft, aber glücklich gen Gästekabine. Der eine oder andere Karnevals-Hit dürfte da noch auf ihn gewartet haben.

Die beiden Mannschaften gedenken vor dem Anpfiff mit einer Schweigeminute den Opfer des Amoklaufs in Hanau. Foto: Seeger/dpa

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Die beiden Mannschaften gedenken vor dem Anpfiff mit einer Schweigeminute den Opfer des Amoklaufs in Hanau. Foto: Seeger/dpa


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