Rheinmünster: Viel Interesse an Fledermäusen

Rheinmünster (up) – Die NABU-Ortsgruppe Lichtenau/Rheinmünster hatte am vergangenen Freitag zusammen mit dem Landesnaturschutzverband zu einer Fledermausführung eingeladen.

Martin Straube macht deutlich: Fledermäuse brauchen Freunde. Foto: Ulrich Philipp

© up

Martin Straube macht deutlich: Fledermäuse brauchen Freunde. Foto: Ulrich Philipp

Das Interesse an der Führung war groß, etwa 30 Männer, Frauen und Kinder kamen kurz vor Einbruch der Dunkelheit zum Clubhaus des FV Stollhofen (FVS), das in einem Waldstück liegt.

Hier sollte die Exkursion beginnen, doch zuvor stimmte NABU-Referent Martin Straube die gespannten Teilnehmer auf den Abend ein und berichtete zahlreiche interessante Details zu den Säugetieren, von denen es in Deutschland etwa 25 Arten gibt, weltweit sind es 900. Straube hatte große Bilder von verschiedenen Fledermausarten mitgebracht, zum Beispiel von der Kleinen Hufeisennase. „Sie ist stark gefährdet, ihr Bestand ist in den 20 Jahren durch den Einsatz von DDT massiv zurückgegangen“, erklärte Straube seinen interessiert lauschenden Zuhörern. Demnach benötigen die Nachtjäger miteinander vernetzte Biotope, um jagen zu können. Bis zu 30.000 Insekten vertilgt eine Fledermaus in einer Nacht, das können bis zu vier Gramm sein und damit etwa die Hälfte ihres Körpergewichtes. Durch den aktuellen Rückgang der Insekten ist folglich auch das Überleben der Fledermäuse bedroht. „Lichtsmog ist neben dem Einsatz von Pestiziden und dem Umgang mit der Landschaft eine Ursache für das Insektensterben“, erklärte Straube, als die Gruppe auf ihrem Rundgang durch den Wald an den hell erleuchteten Flutlichtanlagen des FVS vorbeikommt.

Licht als große Gefahr

„Die Tiere fliegen um die hellen Lampen, bis sie tot herunterfallen“, stellt Straube fest, „anstatt sich an den Sternen zu orientieren und zu paaren“. Ein weiteres Problem sind Schneisen, die die Landschaft zerschneiden, wie etwa die Autobahn 5 (A5). Die Fledermäuse fliegen entlang der Vegetation, ihre Jagdgebiete müssen daher miteinander vernetzt sein. Eine Autobahn oder eine Eisenbahntrasse kann für sie zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Denn Fledermäuse können nicht sehr gut sehen, sie orientieren sich, indem sie permanent Orientierungslaute ausstoßen. Das Echo dieser Laute zeigt ihnen dann, wo sie entlangfliegen müssen. Um eine Autobahn zu überqueren, müssten sie etwa einen Meter über dem Boden fliegen, was natürlich ihren sicheren Tod bedeuten würde. Daher sollten für sie Unterführungen oder Grünbrücken gebaut und damit Biotope vernetzt werden, so Straube. Er und einige weitere Teilnehmer hatten Detektoren dabei, die die Orientierungslaute der Fledermäuse hörbar machten. Anhand der Frequenz konnten dann verschiedene Arten identifiziert werden.

Zu Gesicht bekamen die Teilnehmer nur wenige Fledermäuse, die einige Male an der Gruppe vorbeihuschten, obwohl das schnarrende Geräusch der Detektoren anzeigte, dass mehrere Tiere in der Nähe waren. „Die Zwergfledermaus ist am häufigsten hier“, berichtete Straube, als einmal mehr sein Detektor die Anwesenheit eines Tieres bestätigte. Straube berichtete noch zahlreiche weitere Details über die Fledermäuse, zum Beispiel, dass die weiblichen Tiere nur jeweils ein Junges zur Welt bringen, nachdem sie das Sperma des Männchens monatelang nach der Paarung im Herbst bis zur Befruchtung und Geburt im kommenden Frühjahr in sich gespeichert haben.

Oder dass Eichen so wichtig für Insekten und damit auch für Fledermäuse sind, weil sie als einzigartiges Biotop europaweit die weitaus meisten Insektenarten beherbergen. „Fledermäuse brauchen uns als unsere Freunde, wir sollten sie dulden, auch wenn sie sich in unseren Heimen niederlassen“, gab Straube den Zuhörern nach etwa zwei Stunden mit auf den Heimweg. Die bedankten sich bei ihm mit Applaus für einen erkenntnisreichen Abend.

Bis zu 30.000 Insekten vertilgt eine Fledermaus in einer Nacht. Foto: Martin Straube

© up

Bis zu 30.000 Insekten vertilgt eine Fledermaus in einer Nacht. Foto: Martin Straube

Ihr Autor

Ulrich Philipp

Zum Artikel

Erstellt:
29. August 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.