„Rimini von Forbach“ feiert Renaissance

Forbach (stj) – Der Bootsverleih an der Schwarzenbach-Talsperre boomt in Corona-Zeiten. Das BT stellt das idyllische touristische Angebot im Rahmen seiner Serie „Urlaub daheim“ vor.

Seit knapp 90 Jahren ein touristischer Anlaufpunkt auf Gemarkung Forbach: Der Bootsverleih an der Schwarzenbach-Talsperre. Foto: Stephan Juch

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Seit knapp 90 Jahren ein touristischer Anlaufpunkt auf Gemarkung Forbach: Der Bootsverleih an der Schwarzenbach-Talsperre. Foto: Stephan Juch

Das internationale Publikum ist weg, trotzdem kommen mehr Gäste: Der Bootsverleih an der Schwarzenbach-Talsperre boomt in Corona-Zeiten. Darüber freut sich Johannes Genter. Er hat seit zehn Jahren das Kommando auf dem Holzsteg der Schwarzenbach-Talsperre, wo schon seit fast 90 Jahren Boote ablegen, mit denen Touristen und Einheimische das künstlich angelegte Gewässer am besten erkunden können.

Es herrscht eine lockere Atmosphäre am Stausee. Ismail Kücükal, einer von drei Mini-Jobbern, die Genter angestellt hat, weist die Fahrgäste in die Boote ein, hilft beim Ab- und Anlegen am Steg. Bei gutem Wetter ist viel los, quasi im Minutentakt heißt es „Leinen los“. Das Publikum habe sich durch Corona verändert, erzählt Johannes Genter: Es kommen viel mehr Gäste aus der Region, die Boot fahren wollen. Insgesamt sei die Saison bisher sehr positiv für ihn verlaufen, neben den vielen Gästen ist daran auch die EnBW „schuld“. Der Energiekonzern, von dem Genter den Steg pachtet, kann zurzeit wegen einer Baustelle am Niederdruckwerk in Forbach kein Wasser aus der Talsperre entnehmen. Das gewöhnliche Auf und Ab des Stausees entfällt 2020, die Wasserhöhe steige somit täglich um circa einen Zentimeter. „Das führt zu einem sehr angenehmen Erscheinungsbild“, verweist der „Herr über die Boote“ auf das Grün, das bis zum Ufer reicht. Insgesamt sei Genter „sehr zufrieden mit seinem Angebot“, das er als preisgünstig einstuft – auch im Blick auf andere Bootsverleihe. Zudem freut er sich über viele ehrenamtliche Helfer, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Etwa beim Auf- und Abbau des Holzstegs. Die Konstruktion hat Genter im dritten Jahr nach der Übernahme des Bootsverleihs von „Gustl“ Merkel selbst entwickelt und komplett erneuert, weil damals auch eine neue Genehmigung durch das Landratsamt anstand. Dafür musste unter anderem die Statik nachgewiesen werden. Die schwimmenden Bretter, die nicht Eisgang sicher sind, werden jedes Jahr im Oktober nach Saisonende auf die andere Uferseite gerudert, dort abgebaut, über die ehemalige Baustraße am See entlang verladen und eingelagert, bis sie im Frühjahr wieder montiert werden. Die Boote überwintern auf dem Areal der früheren Pappenfabrik I. F. Dorn in der Forbacher Eckstraße, wo Genter eine kleine Werkstatt hat. Zum Saisonstart bedankt sich der 62-Jährige mit einem Fest unter Freunden für die Unterstützung bei der anstrengenden körperlichen Arbeit.

Hat gut lachen: Johannes Genter freut sich über eine besucherstarke Saison. Foto: Stephan Juch

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Hat gut lachen: Johannes Genter freut sich über eine besucherstarke Saison. Foto: Stephan Juch

Zehn Jahre sind seit der Übernahme des Bootsverleihs von Urgestein August Merkel vergangen – und Johannes Genter hat die Entscheidung nie bereut. Er freut sich auch in der elften Saison über den „famosen Arbeitsplatz und die tolle Kundschaft“, die zu 99,5 Prozent sehr angenehm sei. Nur manchmal muss sich der Ur-Forbacher über einige Kadetten ärgern, die entweder unsachgemäß mit den Booten umgehen oder die aktuellen Corona-Regeln nicht ernst nehmen. Für letztere sind am Steg entsprechende Schilder angebracht worden, bei Bedarf werden die Boote desinfiziert.

Infrastruktur hat nach wie vor Defizite

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt an der Schwarzenbach-Talsperre. So verweist der Bootsverleiher auf das Problem, das alle Gewerbetreibenden dort oben haben: die bescheidene Infrastruktur, insbesondere die ungenügende Busverbindung und die fehlenden Toiletten. Seit dem Aus des einst schillernden Schwarzenbach-Hotels ist dieser Mangel nicht behoben worden. Zwischenzeitlich überbrückte die Gemeinde Forbach den Engpass mit der Bereitstellung von Dixie-Klos, in Corona-Zeiten muss man darauf aber verzichten.

Was die ÖPNV-Anbindung der Talsperre anbelangt, hoffen die Kleinunternehmer auf den Nationalpark Schwarzwald, dessen Verkehrskonzept eine deutliche Verbesserung vorsieht – unter anderem mit Shuttle-Bussen ins Murgtal.

Ismail Kücükal erklärt den Fahrgästen die Steuerung des E-Boots mit der Nummer 4. Foto: Stephan Juch

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Ismail Kücükal erklärt den Fahrgästen die Steuerung des E-Boots mit der Nummer 4. Foto: Stephan Juch

Ungeachtet dieser aktuellen Defizite verzeichne Genter schon seit drei Jahren einen spürbaren Besucher-Aufschwung. Aber von den Zeiten seiner Kindheit, als parkende Autos bis zur oberen Fahlbrücke links und rechts am Fahrbahnrand der L 83 standen, ist man noch weit entfernt. „Die Talsperre war einst das Rimini von Forbach“, erinnert sich der sympathische Bootsverleiher und erzählt von der MS Forbach, einem Fährschiff, das betrieben mit einem Unimog-Motor 20 Personen über den Stausee schipperte. Auf der anderen Uferseite standen Buden, Eisverkäufer drehten ihre Runden und das Schwarzenbach-Hotel brummte. „Schöne Zeiten“, blickt Genter zurück. Auf der anderen Seite sei er froh, dass es auf der Talsperre nicht ganz so überfüllt ist wie etwa am Mummelsee. So könne man noch ein wenig Ruhe genießen, wenn man mit einem seiner Boote über die Stille des Stausees fährt.

Elektroboote besonders nachgefragt

Flotte: Am Bootsverleih an der Schwarzenbach-Talsperre gibt es vier Elektroboote, die Platz für maximal fünf Personen (abhängig von Körpergewicht und Körpergröße) bieten. Sie sind einfach zu bedienen, haben ein Lenkrad und zwei Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge. Ein Bootsführerschein ist dafür nicht notwendig, aber ein offizielles Dokument muss hinterlegt werden (Personalausweis, Führerschein oder ähnliches), informiert der Betreiber. Er stellt zudem vier Tretboote für je vier und zwei Tretboote für je fünf Personen (mit Kind gehts auch zu sechst) zur Verfügung. Die beiden Ruderboote, die ebenfalls zur Flotte gehören, können von jeweils drei Personen genutzt werden. Schwimmwesten sind in begrenzter Zahl vorhanden und werden kostenlos ausgeliehen. Hunde dürfen mit auf die Boote, es wird aber darum gebeten, eine Decke mitzubringen, um die Sitzpolster zu schonen.

Öffnungszeiten: Während der Schulferien in Baden-Württemberg ist der Bootsverleih Montag bis Samstag ab 11 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 10 Uhr geöffnet (letzte Fahrt jeweils um 18 Uhr); außerhalb der Ferien ist Montag Ruhetag und Dienstag bis Samstag ab 12 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr (letzte Fahrt 18 Uhr) geöffnet. Boots-Reservierungen sind nicht möglich.

Anfahrt: Mit der Buslinie 263, die zwischen Forbach (Bahnhof) und Bühl (Bahnhof) verkehrt, kommt man mit dem ÖPNV mehrmals täglich direkt zur Schwarzenbach-Talsperre, die direkt an der L 83 liegt. http://schwarzenbach-bootsverleih.de

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