Ringen um Baden-Badener Yburg

Baden-Baden (hol) – Eine schnelle Lösung für die Yburg soll her: Dafür wollen sich Hans-Peter Behrens (Grüne) und Tobias Wald (CDU) einsetzen. Dafür muss viel Geld in die Hand genommen werden.

Idylle über dem Abgrund: Die Sanierungsarbeiten auf der Yburg könnten teuer werden und sich über Jahre ziehen. Foto: Bernhard Margull

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Idylle über dem Abgrund: Die Sanierungsarbeiten auf der Yburg könnten teuer werden und sich über Jahre ziehen. Foto: Bernhard Margull

Die an der Yburg im Baden-Badener Rebland anstehenden Sanierungsarbeiten werden lange dauern und vermutlich mehr als eine Million Euro kosten. Die Landtagsabgeordneten Hans-Peter Behrens (Grüne) und Tobias Wald (CDU) wollen sich gemeinsam dafür einsetzen, dass die Ruine im Rebland möglichst bald wieder regelmäßig geöffnet ist und der Streit darum, wer die Sanierung der Zufahrtsstraße bezahlt, beigelegt wird.

Dass die Burg nun schon seit Juni stets abgeschlossen ist, das ist für Wald ein Unding. Da müsse eine kurzfristige Lösung gefunden werden, sagt er. Wanderer müssten Zugang erhalten. Zumindest für geführte Wanderungen müsse es die Möglichkeit geben, irgendwo einen Schlüssel abzuholen, damit man das Baudenkmal auch weiterhin besichtigen könne, stimmen er und Behrens überein. Für eine solche Lösung wollen sich beide einsetzen.

„Masterplan mit einem genauen zeitlichen Ablauf“ gefordert

Gemeinsam auch ihr Einsatz dafür, dass die beiden in das Sanierungsvorhaben involvierten Ministerien und die Stadt hoffentlich bald zu einem koordinierenden Treffen vor Ort zusammenkommen. Oberbürgermeisterin Margret Mergen wolle das organisieren, sagt Wald. Das Ergebnis dieses Treffens müsse ein „Masterplan mit einem genauen zeitlichen Ablauf der Arbeiten“ sein.

Wie viel an der Ruine, in den Gastronomieräumen und an der Zufahrt zu tun ist, das wird im Gespräch mit beiden Abgeordneten am Rande deutlich. Sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen sind zu erneuern, die Toilettenanlage muss neu gemacht werden, die Küche würde eine Erweiterung vertragen. Zudem muss die Burg saniert werden und die Zufahrt ist nicht verkehrssicher. Über allem liegt der Denkmalschutz, der die gesamte Aufgabe nicht einfacher macht.

Vieles deutet darauf hin, dass das alles immense Kosten verursachen wird. 150.000 Euro soll nach ersten Schätzungen alleine die Sanierung der WC-Anlagen kosten, wie Behrens sagt. Zudem soll der Parkplatz samt Wendemöglichkeit direkt vor dem Burgtor so marode sein, dass alleine seine Stabilisierung und Sanierung mit 300.000 Euro zu Buche schlagen könnte. Bei diesem Betrag ist die Ausbesserung der etwa 1,5 Kilometer langen Zufahrtsstraße noch nicht eingepreist. Über die Kosten für die denkmalgerechte Sanierung der Bauten und die Erneuerung der Ver- und Entsorgungsleitungen gibt es noch keinen Überblick. Beide Abgeordnete rechnen aber durchaus mit Gesamtkosten von mehr als einer Million Euro.

Verschiedene Zuständigkeiten

Für die Sanierung der Gaststätte und der Burganlage ist das Finanzministerium zuständig. Wer jedoch die Erneuerung der Zufahrt zahlen soll, ist immer noch nicht geklärt. Beide Abgeordnete sind allerdings der Meinung, dass dafür das Land verantwortlich ist. Egal, ob es am Ende der Forst machen solle oder die dem Finanzministerium unterstellten „Schlösser und Gärten“, es sei eben eine entsprechende finanzielle Ausstattung nötig, betont Wald. Diese gebe es derzeit nicht.

Bei der Frage handele es sich um ein grundsätzliches Problem, sagt Wald, das es landesweit bei insgesamt 19 solcher Burgen und Schlösser gebe. „Da brauchen wir eine generelle Lösung“, sagt Wald. „Ich könnte mir vorstellen, dass da die Yburg eine Blaupause für das ganze Land werden könnte.“

„Klar ist: Eine ordentliche Gastronomie ist da oben ohne eine ordentliche Zufahrt nicht zu betreiben“, sagt Behrens. Ein Waldweg reiche dafür nicht aus. Eine gastronomische Zwischenlösung, wie sie im Rebland angedacht war, sei auch schwierig. „Eine Würstchenbude trägt sich dort nicht“, betont Wald. Und Behrens ergänzt, dass man sogar Firmen angefragt habe, ob sie für die Zeit der Sanierungsarbeiten eine Zwischenlösung bieten könnten. Da habe es sogar Interesse gegeben – das Thema sei aber beispielsweise daran gescheitert, dass das Burgtor zu schmal war, um einen Food-Truck auf das Gelände zu fahren.

Deswegen müsse nun eine schnelle Lösung her, sagen beide Abgeordnete. Behrens erläutert, dass das Ministerium vor habe, einen neuen Pächter zu suchen, der mit der derzeit vorhandenen Küche arbeiten könne. „Wir brauchen auf jeden Fall eine Kontinuität in der Gastronomie da oben. Der Betrieb muss wirtschaftlich zu führen sein“, sind sich beide Politiker einig. Nur so könne man ein Kulturdenkmal, wie es die Yburg nun mal sei, erhalten. Dafür müssten alle an einem Strang ziehen. „Das Ping-Pong-Spiel, das bisher betrieben wurde, war da nicht hilfreich“, sagt Behrens.

Pragmatisch, nicht perfekt

BT-Redakteur Harald Holzmann kommentiert:

Was brauchen Wanderer auf der Yburg? Was braucht die Region auf der Yburg? Die Antworten ähneln sich: eine funktionierende Gastronomie, Zugang zur Ruine möglichst rund um die Uhr, eventuell eine Möglichkeit, mit dem Auto ans Burgtor zu fahren, damit auch Gehbehinderte die Burg besuchen können. Und was braucht man nicht? Denkmalschutz, der die Burg zu Tode verwaltet, eine breit und butterweich asphaltierte Zufahrt, Edel-Ambiente im Gastraum und in den WC-Anlagen. Bei der Sanierung der Burgruine über dem Rebland sollte der in vielen Behörden verbreitete Perfektionismus hintanstehen. Pragmatismus ist nötig. Über allem sollte stehen, dass das Gemäuer möglichst schnell für Touristen und Einheimische nutzbar wird. Da darf es nicht darum gehen, auf Teufel komm raus Sicherheitsnormen, Schönheitsideale und Umweltwünsche zu erfüllen. Dann wird die Sache nämlich unbezahlbar und die Sanierung verschiebt sich wegen Finanzierungsproblemen, Abstimmungsgesprächen und Verantwortlichkeitsgeschacher auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.

Auch der Denkmalschutz sollte stets im Blick haben, dass es bei seiner Arbeit in erster Linie um die künftige Nutzbarkeit einer Immobilie gehen muss. Was nützt der Region denn eine nach allen Vorgaben der Hüter der Architektur sanierte Burgruine, wenn sich da oben nur noch ab und zu ein paar Wanderer hin verirren, weil ein rentabler Gastronomiebetrieb unmöglich gemacht wurde? Pragmatismus ist auch bei der Zufahrt nötig. Die Straße hinauf zur Burg, sie ist nun einmal extrem eng, kurvig und alles andere als bretteben. Und ihr Unterbau ist schwach. Pragmatisch wäre es beispielsweise, ein Schild aufzustellen: „Straßenschäden, Tempo 10 – Zufahrt auf eigene Gefahr.“ Anderswo geht so etwas. Beispiel: das Annweiler Forsthaus mitten im Pfälzer Wald. Da steht am Ende einer knapp vier Kilometer langen Buckelpiste ein wunderschön, aber doch pragmatisch saniertes, denkmalgeschütztes Gasthaus, das sich trotz der beschwerlichen Anfahrt über Besuchermangel nicht beklagen muss.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
4. Oktober 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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