Ringen um den Glühwein vor der Schloss-Galerie

Rastatt (ema) – Die Stadt kündigt eine Alternative zum Weihnachtsmarkt ab 2. Dezember an. Unterdessen gibt es aktuell Glühwein-Ärger um eine Bude vor der Schloss-Galerie.

Imbiss vor der Schloss-Galerie ja, „Glühwein-to-go“ nein: Der Betreiber versteht das städtische Verbot nicht. Foto: Egbert Mauderer

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Imbiss vor der Schloss-Galerie ja, „Glühwein-to-go“ nein: Der Betreiber versteht das städtische Verbot nicht. Foto: Egbert Mauderer

Das hat Hugo Levy gerade noch gefehlt. Dem Rastatter Schausteller und seiner Familie steht das Wasser ohnehin bis zum Hals. Da kann er ein Gezerre mit der Stadtverwaltung um einen Glühwein-Verkauf vor der Schloss-Galerie überhaupt nicht gebrauchen. Das Verbot aus dem Rathaus will er nicht akzeptieren.

Dem Center-Management des Einkaufszentrums war Levy äußerst dankbar, dass sein Familienbetrieb auf der Corona-Durststrecke wenigstens eine kleine Verkaufsalternative findet. Im Erdgeschoss der Schloss-Galerie bietet die Tochter Süßes an; vor dem Eingang am Kapellenbuckel eröffnete Levys Sohn am vergangenen Donnerstag einen Imbiss als Weihnachtsbude, in der Pommes, Wurst und Glühwein zum Mitnehmen („Glühwein-to-go“) angeboten werden. Die Betreiber hatten sich im Rathaus die Genehmigung geholt, wie Levy sagt. Umso mehr war die Familie wie vor den Kopf gestoßen, als die Stadtverwaltung am Freitag die Erlaubnis wieder kassierte, den Stand erst ganz schloss, um zwei Stunden später zumindest den Imbiss zu gestatten – allerdings ohne „Glühwein-to-go“.

„Wo ist die Gleichbehandlung?“

Die Stadtverwaltung stellt das Prozedere anders dar: Weder Canter-Management noch Schausteller hätten zunächst eine Sondernutzungserlaubnis beantragt. Dies sei mittlerweile geschehen.

Hugo Levy hat Widerspruch eingelegt. Er verweist darauf, dass andere Gaststätten in Rastatt und Umgebung Glühwein zum Mitnehmen anbieten. „Wo ist da die Gleichbehandlung?“, fragt er. Ohnehin vermisst er den ganzheitlichen Blick. Wer will, könne beispielsweise in der Tankstelle einen Glühwein kaufen und sich theoretisch vor die Schloss-Galerie stellen, um das Getränk zu genießen. „Wie soll man das verstehen?“

Im Rathaus pocht man dagegen auf das Alkoholverbot. Es sei zu befürchten, so die Pressestelle, dass der Glühweinverkauf zu geselligem Miteinander einlade und damit die öffentlichen Kontaktbeschränkungen unterlaufen würden.

Levy dagegen sagt, er und seine Familie würden sich genau an die Corona-Verordnung halten. Schutzmaßnahmen seien identisch mit jenen beim Pop-up-Freizeitpark auf dem Rastatter Festplatz im vergangenen Sommer. Keine Stehtische, dafür getrennter Ein- und Ausgang und Hygienemittelspender (sogar mit Fußpedal) begleiten den Imbiss. Es funktioniert, „die Leute sind vorbildlich“, sagt Levy.

Die Familie ist auf jeden Euro angewiesen. „Es geht um unsere Existenz. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt das Familienoberhaupt. 26 Fahrzeuge sind auf die Schaustellerfamilie zugelassen. Alles steht still. Vater, Mutter, Sohn und Tochter wären normalerweise auf dem Rastatter Weihnachtsmarkt präsent – mit Eisenbahn, Crêpes-Verkauf, Weihnachtspyramide, Imbiss und Glühweinstand. Abgesagt. Bei der Novemberhilfe der Bundesregierung für Betriebe fallen die Schausteller durch. „Wir haben seit dem März nur die 9.000 Euro bekommen“, klagt der Schausteller. Die Rücklagen seien aufgebraucht. „Jetzt muss was passieren, damit wir über den Winter kommen.“

Und tatsächlich ist ein Lichtlein am Horizont zu sehen. Laut städtischer Pressestelle wird es vom 2. bis 23. Dezember in der Innenstadt ein Alternativprogramm zum Weihnachtsmarkt geben. Demnach wird es neun Standorte für Marktstände geben, die vom 2. bis 23. Dezember jeweils von 11 bis 19 Uhr öffnen dürfen. Die Interessengemeinschaft Rastatter Schausteller um die Familie Levy wird demnach an vier Plätzen in oberer Kaiserstraße und Poststraße präsent sein. Dort soll es weihnachtsmarktübliche Speisen und Getränke geben, allerdings kein Alkohol. Dem Konzept zufolge sind die weiteren fünf Standorte auf Marktplatz, Paradeplatz und obere Kaiserstraße verteilt. Hier sollen möglichst Kunsthandwerker zum Zuge kommen. Die Wirtschaftsförderung nimmt entsprechende Gespräche auf. Klar ist aufgrund der Corona-Auflagen: Fahrgeschäfte wird es bei dem dezentralen Markt nicht geben.


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