Ritterorden feiert Kapitelfest in Rastatt

Rastatt (sazo) – Der Ritterorden „Der Greif“ hat am Wochenende sein Kapitelfest in Rastatt gefeiert. Dabei wurde die Kita St. Bernhard mit 1.000 Euro bedacht.

Sozialer Leitgedanke: Vertreter des Ritterordens, der Kita St. Bernhard und das Fanfarencorps Türkenlouis. Foto: Sabine Zoller

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Sozialer Leitgedanke: Vertreter des Ritterordens, der Kita St. Bernhard und das Fanfarencorps Türkenlouis. Foto: Sabine Zoller

Eingeladen zum Kapitelfest hatte der Rastatter Wolfgang Krieg als Ordensgroßmeister. Zum dreitägigen Event in der Barockstadt wurde in der Bernharduskirche nicht nur ein Gottesdienst gefeiert, sondern auch die Kindertagesstätte St. Bernhard mit einem Scheck in Höhe von 1.000 Euro bedacht. Eine außergewöhnliche Prozession gab es für Passanten zu beobachten. Mit Standarte, Fanfarenklängen und Trommelwirbel begleitete das Fanfarencorps Türkenlouis in feierlichem Marsch die Mitglieder des Ritterordens „Der Greif“ beim Kapitelfest von der Bernharduskirche zum Festort des Abends, dem „Hotel Schwert“. „Das war für uns nach eineinhalb Jahren die erste Veranstaltung“, schwärmt Bettina Bauer überglücklich. Die stellvertretende Corpsführerin, die sich schon auf das 70-jährige Jubiläum des Vereins im kommenden Jahr freut, bewahrt die Tradition der Feldtrompeter und Heerpauker, die einst mit Markgraf von Baden, genannt „Türkenlouis“, vor Wien gegen das Osmanische Reich kämpften. Als Verfechter des Glaubens waren schon im 12. und 13. Jahrhundert geistliche Ritterorden in das Heilige Land gezogen, um die Rechte der Kirche zu verteidigen.Auch der Kernpunkt des heutigen Ritterordens gilt der Pflege des religiösen Leitgedankens und der Unterstützung von sozial Schwachen. Der gemeinnützige Verein hat rund 60 Mitglieder, die noch heute ritterliche Tugenden pflegen. Gehüllt in weiße Mäntel, schreiten die Ordensmitglieder in feierlicher Prozession hinter dem Fanfarenzug durch Rastatt und bekunden durch das markante blaue Kreuz auf weißem Grund die Kernpunkte ihres Ordens: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß.

Teilnehmer aus ganz Süddeutschland

Um der Einladung zum Kapitelfest zu folgen, waren die Ritter und Damen aus ganz Süddeutschland angereist. „Das machen wir einmal im Jahr“, erklärt Peter Maichle, der eigens aus Geislingen gekommen ist. Rastatt als Austragungsort des Fests wurde durch den in der Barockstadt geborenen Wolfgang Krieg organisiert, der seit 2015 dem Orden als höchste Instanz vorsteht. Für das Fest wird Jahr um Jahr eine andere Stadt auserkoren, um nicht nur Land und Leute kennenzulernen und Spenden zu überreichen. In diesem Fall galt das Kapitelfest auch den Ehrungen und Würdigungen verdienter Mitglieder, wie Wolfgang Krieg betont. So wurde beim Gottesdienst in Rastatts ältester Kirche der Freundschaftsorden an Militärdekan Siegfried Weber überreicht. Der aus Spessart bei Ettlingen stammende Vertreter des Kardialkollegiums ist Seelsorger beim Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken. Befördert wurde innerhalb des Ordens Wolfgang Birkenmaier aus Giengen an der Brenz sowie Dietmar Glaser aus Bad Herrenalb vom Komtur zum Großkomtur.

Als besondere Zeremonie konnten die Gäste des Kapitelfests zudem einem „Ritterschlag“ beiwohnen. Klaus Demal, ehemals Oberbürgermeister der Stadt Stutensee, war bereits viele Jahre als Ehrenritter für den Ritterorden tätig und wurde nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn durch Wolfgang Krieg zum „Komtur der Kurpfalz“ geschlagen. Der feierliche Initiationsritus, der mit einem Gelübde verbunden ist, wird durch das Berühren der Schulter mit dem Schwert durch den Großmeister eingeleitet und mit der Übergabe von Orden, Mantel und Urkunde bestätigt. Musikalisch begleitet durch „Colors of friends“ aus Freiolsheim gab es zum Abschluss des Gottesdienstes einen weiteren Höhepunkt. Katharina Ott, Leiterin der Kindertagesstätte St. Bernhard, erschien mit Soja Schüler, Chrysante Bertuch und Stefanie Ritter mit einem selbst gestalteten Transparent, das die Kinder mit vielen kleinen Figuren signiert hatten. Wolfgang Krieg, der das Kapitelfest in seiner Heimatstadt mit viel Liebe zum Detail arrangiert hatte, freute sich ganz besonders über diese Wertschätzung, zumal er einst als junger Pfarrgemeinderat an der Planung der Kita mitwirken durfte.

Stichwort

Der Ritter-Orden „Der Greif“ wurde am 15. September 1884 als der „Greiforden“ von Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin als Hommage an die Zeit des Mittelalters gegründet. Eine Änderung erfolgte 1902. Durch Vereinbarung mit Großherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz am 22. August 1904 wurde der „Greiforden“ zum gemeinsamen Orden erklärt. Im September 1984 wurde der Orden in Mannheim unter der Leitung des Ordensgroßmeisters Peter Neuen wiederbelebt. 1990 wurde der Ordensname in Ritterorden „Der Greif“ geändert und die Insignien modifiziert. 2015 wurde Rastatts Sohn und Dobels Bürgermeister a.D. Wolfgang Krieg zum Ordensgroßmeister gewählt. Seine Hoheit Borwin Herzog zu Mecklenburg ist nach wie vor Schirmherr und Protektor.

Wolfgang Krieg schlägt Klaus Demal in der Bernharduskirche zum Ritter. Foto: Sabine Zoller

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Wolfgang Krieg schlägt Klaus Demal in der Bernharduskirche zum Ritter. Foto: Sabine Zoller


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