Robert Stiebler gewinnt Wahl in Forbach deutlich

Forbach (stj) – Der 38-jährige Robert Stiebler aus Herrenwies wird Nachfolger von Bürgermeisterin Katrin Buhrke in Forbach. Er gewann auch den zweiten Wahlgang am Sonntag – und das deutlich.

Stolzer Sieger: Robert Stiebler gewinnt die Bürgermeisterwahl in Forbach deutlich und zieht als neuer Chef ins Rathaus ein. Foto: Frank Vetter

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Stolzer Sieger: Robert Stiebler gewinnt die Bürgermeisterwahl in Forbach deutlich und zieht als neuer Chef ins Rathaus ein. Foto: Frank Vetter

Erst als alle Bezirke ausgezählt sind, fallen sich der neue Bürgermeister von Forbach und seine Frau in die Arme – dabei war die Tendenz eindeutig: Robert Stiebler siegt deutlich im zweiten Wahlgang und wird am 1. Juni Amtsinhaberin Katrin Buhrke beerben. Sie war nicht mehr zu einer zweiten Amtszeit angetreten.

Kurz darauf hält der designierte Bürgermeister seine erste Rede an die Forbacher. „Seien Sie gnädig mit mir“, bittet er. „Ich weiß nicht alles, aber ich gebe mir Mühe, viel und schnell zu lernen.“ Applaus brandet auf. Auch für seine Worte, die er an seinen Mitbewerber Kilian Krumm richtet, der von SPD, Freien Wählern und Grünen unterstützt worden war. „Kilian, vielen Dank für diesen Wahlkampf.“ Wer mit Krumm gesprochen habe, wisse, dass auch er ein Gewinner sei.

Unabhängiger Quereinsteiger

An diesem Abend aber heißt der strahlende Sieger Robert Stiebler: Im ersten Wahlgang verpasste er die absolute Mehrheit, jetzt entschieden sich 64,71 Prozent der Wähler für ihn. Krumm kam auf 33,54 Prozent der Stimmen. Einzig im Wahlbezirk Gausbach hat er knapp mehr Stimmen als Stiebler erhalten, sonst war überall der Mann aus Herrenwies vorne. Mathias Fey hat nach seinem Zickzack-Kurs keine Rolle mehr gespielt: Nach 77 Stimmen am 13. März machten diesmal gar nur 33 Forbacher (1,48 Prozent) ihr Kreuz beim Handwerksmeister aus Bad Wildbad.

Küsschen für den Sieger: Frau Nikola ist die erste Gratulantin ihres Ehemanns. Foto: Frank Vetter

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Küsschen für den Sieger: Frau Nikola ist die erste Gratulantin ihres Ehemanns. Foto: Frank Vetter

Wahlsieger Robert Stiebler sprach unmittelbar nach der Ergebnisverkündung in der Murghalle von einer „sehr, sehr intensiven Zeit“, die hinter ihm und seiner Familie liege. Als der Sieg feststand, umarmte er seine Frau Nikola, bei der er sich ganz besonders bedankte. Schließlich stemmte der bei der Rheinauer Eventagentur Stage Concept beschäftigte politische Quereinsteiger seinen Wahlkampf ganz alleine; diese Unabhängigkeit dürfte ihm auch geholfen haben, letztlich in der Gunst der Wählerschaft vorne zu landen. Das war im Verlauf des Wahlkampfs – vor allem nach dem ersten Durchgang am 13. März – immer wieder zu hören, wenn man sich im Ort nach der Stimmungslage vor der Entscheidung erkundigte.

Wahlbeteiligung schlechter als beim ersten Durchgang

Wirklich überraschen konnte es am Sonntag also keinen mehr, dass Robert Stiebler auch den zweiten Durchgang für sich entscheiden würde. Krumm hatte darauf gesetzt, dass die beim ersten Wahlgang bescheidene Beteiligung von 63,4 Prozent höher ausfallen würde – und wurde enttäuscht: Gestern machten gar nur 60,1 Prozent der wahlberechtigten Forbacher von ihrem Stimmrecht Gebrauch.

Angesichts dessen hätte ein Großteil der 13,47 Prozent, die sich im ersten Durchgang für den CDU-Kandidaten Mathias Reidel entschieden hatten, jetzt ausgerechnet zum Sozialdemokraten Krumm wechseln müssen, um diesem noch eine echte Chance zu geben. Dass es nicht so kam, war zu erwarten. Aus seiner Enttäuschung über das Ergebnis machte er keinen Hehl: „Ich hatte gehofft, dass ich meine Stimmenzahl zumindest halten kann. Das ist ärgerlich.“ Insgesamt sehe er das Ergebnis aber „sehr gelassen“ und die Wahlkampfzeit als „Stresstest“. Er freue sich jetzt auf geregelten Schlaf und starte am Montag ganz normal wieder im Beruf durch.

Der neue Bürgermeister, den der Musikverein Forbach auf der Murghallen-Bühne mit dem Badner Lied willkommen hieß, hat nun bis 1. Juni Zeit, sich auf den neuen Job im Rathaus vorzubereiten. Am 31. Mai endet die achtjährige Ära von Bürgermeisterin Katrin Buhrke, die 2014 als erste Frau im Landkreis Rastatt Bürgermeisterin wurde. Sie hat somit ihren Eintrag ins Geschichtsbuch des Landkreises sicher. Während sich die Rechtsanwältin neuen beruflichen Herausforderungen stellen kann, betritt ihr Nachfolger völliges Neuland. „Jeder fängt mal an. Viel Erfolg, es kommt viel auf Sie zu“, gratulierte Gaggenaus Oberbürgermeister Chistof Florus als einer der ersten dem neuen Bürgermeister-Kollegen.

„Zwei starke Kandidaten“: Stimmen zur Bürgermeisterwahl in Forbach

Dank an alle Kandidaten, Glückwünsche für den Sieger, Anerkennung für den Zweitplatzierten und ein gewisser Frust bei den Unterlegenen – das sind die Stimmen des Wahlabends. Landrat Christian Dusch hieß Robert Stiebler „im Kreis der kommunalen Familie“ willkommen und dankte ausdrücklich allen Kandidaten, die sich zur Wahl gestellt hatten. „Davon lebt Demokratie.“ Besonders hob Dusch den Schulterschluss der Kandidaten im gemeinsamen Gespräch mit BT und BNN angesichts der Stimmung im Wahlkampf hervor. „Das war bemerkenswert.“

Weisenbachs Bürgermeister Daniel Retsch habe das Ergebnis des Wahlabends erwartet, wie er sagte. „Die Stimmen von Mathias Reidel sind zu Robert Stiebler gewandert“, vermutet er. Retsch sprach beiden Kandidaten seinen Respekt aus: „Sie haben einen intensiven Wahlkampf betrieben.“ Sich nach dem ersten Wahlgang noch mal so ins Zeug zu legen, das sei bewundernswert, so der Bürgermeister.

„Es waren zwei starke Kandidaten, aber das Ergebnis ist eindeutig“, analysierte der Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel (Grüne). Robert Stiebler werde durch seinen Wahlsieg nun in die „gute kommunale Familie“ aufgenommen, wie Hentschel sagte. Stefan Hubertus, Sprecher des Ortsverbands Murgtal von Bündnis 90/Die Grünen, betonte, dass die hohe Wahlbeteiligung in Forbach ein „viel demokratischeres Ergebnis als in Baden-Baden“ ermöglicht habe. „Die Forbacher haben wirklich gewählt, darüber freue ich mich“, meinte der Ortsverbandssprecher.

Lob für „hohe Wahlbeteiligung“

Fraktionsvorsitzende Barbara Ruckenbrod fasste für die Freie Wählergemeinschaft (FWG) zusammen: „Forbach steht nicht gut da, wir können uns keine Experimente erlauben.“ Ob Robert Stiebler oder Kilian Krumm das Rennen um den Chefsessel im Rathaus gewinnen würde, habe sie nicht abschätzen können, so Ruckenbrod. Fraktionskollege Hans-Jörg Wiederrecht äußerte sich ähnlich. „Ich bin enttäuscht, aber die Wähler haben entschieden.“

Sieht das Ergebnis „sehr gelassen“ und startet heute ganz normal wieder im Beruf durch: Kilian Krumm. Foto: Frank Vetter

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Sieht das Ergebnis „sehr gelassen“ und startet heute ganz normal wieder im Beruf durch: Kilian Krumm. Foto: Frank Vetter

Zwar habe sich das Endergebnis bereits beim ersten Wahlgang abgezeichnet, dennoch habe er gehofft, dass Kilian Krumm die Wahl gewinnen würde, sagte Nico Fatebene, Vorsitzender des Gernsbacher SPD-Ortsvereins. Es bleibe nun nichts anderes übrig, als das Ergebnis zu akzeptieren. Der Gausbacher Ortsvorsteher und SPD-Gemeinderat Björn Gaiser hatte noch lange Hoffnung, dass es für den von seiner Partei unterstützten Krumm doch noch reicht. Immerhin hat er Gausbach gewinnen können. Jetzt sei die Enttäuschung groß. Letztlich gehe es aber um Forbach. „Wir geben alles für die Gemeinde“, so Gaiser. Auch wenn der neue Bürgermeister Robert Stiebler heiße.

Ein „beeindruckendes Ergebnis“ konstatierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker. Das Resultat gepaart mit Stieblers Worten zum Wahlkampf seien ein „guter Start“, ist er sich sicher. Auch sein Landtagskollege Alexander Becker lobte die „hohe Wahlbeteiligung“ und den fairen Wettbewerb, an dessen Ende ein eindeutiges Ergebnis gestanden hat.

Neustart ohne Vorbehalte: Ein Kommentar von Stephan Juch

Die Forbacher haben nach Katrin Buhrke erneut einen politischen Quereinsteiger zum Ortsoberhaupt gewählt. Im Gegensatz zur Wahl vor acht Jahren, als die Juristin in ihrer Heimatgemeinde mit Unterstützung der örtlichen SPD Amtsinhaber Kuno Kußmann (CDU) überraschend deutlich aus dem Rathaus vertrieb, siegte mit Robert Stiebler nun ein junger Mann, der weder einer Partei angehört, noch von einer Unterstützung erfuhr. Das ist durchaus bemerkenswert, zeigt aber auch den schwindenden Rückhalt der Parteien. An letzterem hat es aber sicher nicht in erster Linie gelegen, dass der von gleich drei Gemeinderatsfraktionen gepushte Kilian Krumm am Ende klar unterlegen war. Es mutete schon bei der Vorstellung des Sozialdemokraten etwas merkwürdig an, dass SPD und Freie Wähler, die in der Einschätzung der Arbeit von Katrin Buhrke mitunter weit auseinander lagen, plötzlich einen gemeinsamen Kandidaten präsentierten, der zudem von den Grünen unterstützt wurde. Auch im Wahlkampf lief dann nicht alles glatt, vor allem nach dem für viele überraschenden Husarenritt von Stiebler beim ersten Urnengang. Die Versuche, die Wähler noch auf Krumms Seite zu ziehen, blieben letztlich ohne durchschlagenden Erfolg. Nun kann man den Parteien natürlich keinen Vorwurf machen, für ihren Mann bestmöglich zu werben. Offenbar haben es die Forbacher aber nicht so gerne gesehen, dass man sie in eine Richtung beeinflussen wollte. Der Wahlkampf dauerte lang genug, um sich ein eigenes Bild zu machen und die Entscheidung alleine zu treffen. Jetzt ist sie gefallen. Die Forbacher täten gut daran, die teilweise unschönen Nebengeräusche aus dem Wahlkampf verstummen zu lassen und mit Stiebler einen Neuanfang zu starten – ohne Vorbehalte und Parteiinteressen.

Ihr Autor

Stephan Juch, Anna Strobel und Swantje Huse

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Erstellt:
3. April 2022, 20:26 Uhr
Aktualisiert:
3. April 2022, 21:57 Uhr
Lesedauer:
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