Rockspektakel mit viel Enthusiasmus

Ettlingen (weit) – Die Ettlinger Schlossfestspiele bringen mit „Killerqueen“ in Kooperation mit der Pop-Akademie Baden-Württemberg eine ausdrucksstarke Rockshow auf die Bühne.

Bunt, frech und locker assoziativ wird vor der illuminierten Schlossfassade eine Geschichte von Aufstand und Rebellion erzählt. Foto: Michael Bode

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Bunt, frech und locker assoziativ wird vor der illuminierten Schlossfassade eine Geschichte von Aufstand und Rebellion erzählt. Foto: Michael Bode

„Killer Queen“ war nicht nur die Single, mit der die britische Band „Queen“ 1974 ihren Durchbruch und die erste vergoldete Schallplatte schaffte, sie gab auch der neuen Rockshow bei den Ettlinger Schlossfestspielen den Titel, die in Zusammenarbeit mit der Pop- Akademie Baden-Württemberg entstand und nun ihre Premiere hatte.

Ein Rock-Musical wie „We will Rock you“ sollte es nicht werden, aber auch keine der unzähligen „Queen“-Coverband-Auftritte, die seit Jahren das Hit-Material der Gruppe um den 1991 verstorbenen Sänger Freddy Mercury, den Gitarristen Brian May, Roger Taylor (Schlagzeug) und den Bassisten John Deacon mehr oder weniger gekonnt abnudeln.

Tänzer mimen Touristen

Die Intendantin Solvejg Bauer versucht einmal mehr, die barocke Fassade des Ettlinger Schlosses in ihre Inszenierung einzubeziehen. Und die geht wieder auf den titelgebenden Song „Killer Queen“ zurück, den Mercury schrieb und der den fälschlicherweise der französischen Königin Marie Antoinette zugeschriebenen Ausspruch „Let them eat cake“ („Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen“) zitiert. Der lockere Bilderreigen, bei dem die Tänzer der „Urban Dance School Ettlingen“ (Choreografie: Dominik Sass/Constantin Volz) die dürre „Handlung“ mittragen, beginnt mit den Tänzern, die etwas hölzern eine Gruppe von „Bloody Tourists“ mimen, die das Ettlinger Schloss nebst Museum besuchen. Auf das Museale verweist im Schlosshof auch der ein Bühnenbild (Christian Held) andeutende historische Bilderrahmen, mal noch intakt, mal schon zerbrochen, in dem die Sängerriege des Abends präsentiert wird.

Locker assoziativ korrespondieren auch die Kostüme von Lydia Witt mit dem Thema Barock: Da gibt es einen Reifrock-Anklang, Hagen Grohe, der einzige Sänger des Abends, wird hingegen mit einem Richard-Wagner-Barett versehen. Aber auch Hinweise auf Gothic und die 70er und 80er Jahre – Plateausohlen inklusive – in denen „Queen“ ihre großen Erfolge feierten, bieten reizvolles Augenfutter.

Aus dieser Idee entwickelt sich eine Geschichte von Aufstand und Rebellion, Schlosssturm inklusive, bei der eine Sängerin in die Rolle der Königin Marie Antoinette schlüpft, die in der Französischen Revolution hingerichtet wurde. Ganz so blutrünstig geht es bei den Schlossfestspielen nun doch nicht zu.

Geschickte Dramaturgie des Wechsels

Letztlich bildet die skizzierte Handlung kaum mehr als einen Rahmen für die Songs von „Queen“, die von manchmal etwas beliebig choreografierten Tanzeinlagen begleitet werden: So treffend wie bei „Crazy little thing called Love“, einer Hommage an den Rock ’n’ Roll der 50er Jahre, wird dies tänzerisch selten entsprechend umgesetzt.

„Killerqueen“ lebt von einer geschickten Dramaturgie des Wechsels, von rockigen Hymnen („We are the Champions“, „We will Rock you“) zu den vielen Balladen, die Mitglieder von „Queen“ komponierten. Auch wenn „Bohemian Rhapsody“ , „Another one bites the Dust“ oder „Radio Ga Ga“ nicht fehlen dürfen, bietet die vom Publikum gefeierte Ettlinger Show auch viel Ruhigeres wie „Somebody to Love“, „Save me“ oder „Who wants to Live for ever“ – ein Song, der oft als Hinweis auf die Aids-Erkrankung Mercurys und seinen frühen Tod gedeutet wird.

Getragen wird das Rockspektakel neben dem Enthusiasmus der Tänzer durch die Sängerinnen Lucy Schröder, Anna Brunner, Maram El Dsoki, Lorena Wolf sowie Hagen Grohe von der Popakademie Baden-Württemberg. Die geschickten Vokalarrangements der Songs, die sich von den Originalen deutlich unterscheiden, oft für mehre Frauenstimmen, lässt viel Freiraum für persönliche Gestaltung.

Ausdrucksvoll und intensiv ist die junge Sängerriege Garant eines hörenswerten Abends. Zu dem trägt auch die von Mark Moody Herandi (Keybords) geleitet Band der Akademie mit dem versierten Gitarristen Benjamin Womser, Philipp Becker (Keybords), dem Bassisten Dominik Bornholm und Nicholas Stampf (Drums) bei.

Ihr Autor

Thomas Weiss

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Erstellt:
9. September 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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