Rollendes Corona-Labor in Rheinmünster

Rheinmünster (fk) – Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik erhoffen sich durch minutenschnelle Antikörpertests mit einem mobilen Testlabor einen Fortschritt im Kampf gegen Corona-Hotspots. Hergestellt wird das mobile Labor in Rheinmünster.

Die Auswertung des Bluts der Probanden erfolgt vor Ort im ausfahrbaren Lkw-Auflieger. Fotos: Krekel

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Die Auswertung des Bluts der Probanden erfolgt vor Ort im ausfahrbaren Lkw-Auflieger. Fotos: Krekel

Einer der wenigen Punkte, bei dem sich länderübergreifend die Experten in der Corona-Krise weitestgehend einig sind, dreht sich um die große Relevanz verlässlicher und schneller Corona-Tests. Nur mit ihrer Hilfe sei es möglich, die Pandemie einzudämmen, weitere Wellen womöglich sogar zu verhindern. Solche Worte fallen heute auch mehr als einmal in einer Halle am Victoria-Boulevard in Rheinmünster, wo Wissenschaftler und Konstrukteure den versammelten Medienvertretern ein mobiles Testlabor präsentieren.

Minutenschnelle Hinweise auf Antikörper

Die Professoren und Ärzte stammen vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik mit Sitz in St. Ingbert im Saarland. Die Entwickler von der Firma Bischoff und Scheck haben Heimspiel. Beide eint die Überzeugung, dass der Lkw-Auflieger, der in Rheinmünster der Öffentlichkeit präsentiert wird, einen wichtigen Beitrag gegen das Entstehen neuer Hotspots leisten kann. Er liefert in Minutenschnelle Hinweise auf Antikörper – gibt also solide Aussagen darüber, ob eine Person an Covid-19 erkrankt war oder schon einige Tage ist. Das sei wichtig, um die Verlässlichkeit der Fallzahlen zu überprüfen, aber auch um Gefahrenpotenziale für Infektionsketten schneller zu erkennen und die richtigen Maßnahmen zu treffen und so eine massive Ausbreitung, ein erneutes Aufflammen der Pandemie an einer Stelle zu verhindern, verdeutlicht etwa Dr. Bernhard Thiele, Facharzt für Laboratoriumsmedizin.

Es bleibt allerdings auch bei dieser Methode ein dunkler Fleck. Zwar sind die Ergebnisse des im Hinblick auf Infektionsschutz top ausgestatteten Aufliegers mit mehr als 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit korrekt, sie geben aber keine Auskunft darüber, ob eine Person sich gerade erst angesteckt hat und somit eine frische, hochansteckende Infektion vorliegt. Denn die Antikörper, auf die innerhalb von knapp 20 Minuten getestet werden kann, bilden sich erst nach einigen Tagen, so Thiele.

Streng getrennt nehmen die Mitarbeiter im Laboratorium durch eine Handschleuse Blut ab.

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Streng getrennt nehmen die Mitarbeiter im Laboratorium durch eine Handschleuse Blut ab.

Das Hauptaugenmerk liegt daher den Verantwortlichen zufolge darauf, Klarheit über das Maß der Infektionsausbreitung und die Einschränkungen und nötigen Verordnungen in einzelnen, größeren Firmen oder Behörden zu bekommen, deren Mitarbeiter schneller als je zuvor getestet werden können; 300 bis 500 Probanden schafft das rollende Labor am Tag. Konstrukteur Bernd Bischoff: „Durch mehr Tests kommt mehr Sicherheit und in der Folge schnellere Lockerungen, wodurch wieder an einen Alltag und Produktionsabläufe gedacht werden kann, wie sie vor der Pandemie waren.“

400000 Euro Investitionskosten

Ganz umsonst ist das allerdings nicht. 400000 Euro stecken an Investitionskosten in dem Labor, 100 Euro fallen laut Bischoff pro Test an – für ein Unternehmen mit 200 Angestellten wären das 20000 Euro. Das Personal zur Besetzung des Labors stammt entweder aus stationären Testzentren oder muss vor Ort gesucht werden – nötig sind ein Arzt und entsprechend geschultes Laborpersonal. Bischoff und auch die Experten des Fraunhoferinstituts hoffen daher auch auf Hilfe der Politik, auf Einsicht bei den Krankenkassen. Aktuell muss das Entgelt für das von Bischoff und Scheck auf die Räder gestellte Labor nämlich noch vom Besteller – also etwa von einem Unternehmen, das seine Belegschaft untersuchen lassen will – berappt werden.

Wird eine Person positiv getestet, wird sofort ein weiterführender Speicheltest vorgenommen, der ebenfalls im mobilen Labor innerhalb einiger Stunden ausgewertet wird und Klarheit verschafft. Der Betroffene werde solange in häusliche Quarantäne geschickt, ein Unternehmen könne dann sofort entsprechende Maßnahmen gemäß des Infektionsschutzgesetztes treffen. Für die Wissenschaftler ist darüber hinaus wichtig, dass das Labor in der Lage ist, reproduzierbare und vergleichbare Ergebnisse zu liefern und innerhalb von Stunden (auch eine Bahnverladung ist möglich) an verschieden Orten eingesetzt werden kann.


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