Rope Skipping: Rohfleischs WM-Traum

Bühl (rap) – Keine Wettkämpfe, kaum geregeltes Training, doch der WM-Traum lebt: Der Bühler Rope Skipper Lukas Rohfleisch hält sich während des zweiten Lockdowns in der heimischen Garage fit.

Lukas Rohfleisch während einer Trainingseinheit 2019 in der Ottersweierer Halle. Foto: Frank Seiter

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Lukas Rohfleisch während einer Trainingseinheit 2019 in der Ottersweierer Halle. Foto: Frank Seiter

Normalerweise tüfteln Teenager in der Garage an ihrem ersten, meist klapprigen Moped. Lukas Rohfleisch nicht. Dies liegt schlicht an seinem Alter. Mit 14 Jahren ist der Bühler (noch) zu jung, um durch die Zwetschgenstadt zu knattern. Trotzdem verbringt der junge Mann momentan viel Zeit in der heimischen Garage und werkelt eifrig – an seinen Fähigkeiten mit einem dünnen Sprungseil.

Lukas Rohfleisch ist nämlich Rope Skipper. Einer der besten in der Bundesrepublik obendrein. Dass der dreimalige deutsche Meister seine Fähigkeiten in diesem für Sportler so vermaledeiten Jahr gegen die Konkurrenz nicht zeigen konnte, lag – natürlich – an Corona. Nahezu alle bedeutsamen Wettkämpfe für die Rope Skipper fielen Covid-19 zum Opfer: Showkämpfe, Gaumeisterschaften, deutsche Titelwettkämpfe. Und auch der große Traum des Aushängeschilds der Burning Ropes aus Ottersweier, die Weltmeisterschaft im kanadischen Ottawa, die im Sommer hätte stattfinden sollen, ist geplatzt. „Da war ich schon traurig, ich war mitten im Training für die Qualifikationswettkämpfe, habe daraufhin gearbeitet, um bei der WM dabei sein zu können“, erzählt Rohfleisch. „Das tat mir in der Seele weh, dass die WM ausgefallen ist. Lukas hat schon so viel Zeit und Schweiß dafür investiert“, sagt sein Trainer Marcel Velte (Foto: Archiv), zugleich seit drei Jahren Abteilungsleiter der Burning Ropes. Statt im Sommer über den großen Teich zu fliegen und sich mit den weltbesten Rope Skippern zu messen, musste der Schüler des Bühler Windeck-Gymnasiums während des ersten Lockdowns im Frühjahr, als die Trainingshalle in Ottersweier gesperrt war, mit dem heimischen Garten vorliebnehmen. Oder bei schlechtem Wetter eben mit der Garage, wie auch jetzt beim zweiten Lockdown. Not macht eben erfinderisch. Gerade in Corona-Zeiten. Gerade für die Millionen Hobbysportler in Deutschland. „Ab und zu funktioniere ich auch mein Zimmer zum Trainingsbereich um“, sagt Rohfleisch, der dreimal die Woche für zwei bis drei Stunden mit dem Seil übt. „Aufs Trampolin gehe ich aber jeden Tag.“

Rohfleisch trainiert drei Disziplinen

Wofür Rohfleisch die ganzen Mühen in Garage, Garten und Kinderzimmer auf sich nimmt, weiß er dennoch ganz genau. Schließlich ist der Traum von der WM nur aufgeschoben, aber keineswegs aufgehoben. Auch wenn das Highlight eines jeden Rope Skippers nächstes Jahr pandemiebedingt freilich etwas anders aussehen wird. „Es wird eine Online-WM geben. Wann sie genau stattfindet, ist aber noch unklar“, erzählt das Seiltalent. „Es wird so aussehen, dass man die Videos zuhause dreht und sie dann einschickt“, führt der 29-jährige Velte weiter aus.

Rohfleisch geht bei Wettkämpfen, wenn sie denn stattfinden, bei drei Disziplinen an den Start: 30-Sekunden-Speed, Drei-Minuten-Speed und Freestyle. Bei den Speed-Disziplinen geht es darum, so viele Seildurchschläge wie möglich in der vorgegebenen Zeit zu erreichen. Beim Freestyle, seiner Lieblingsdisziplin, wird zu einem Lied eine Choreografie mit verschiedenen Elementen und Sprüngen einstudiert.

Derzeit geht das, aufgrund der aktuellen Corona-Auflagen, nur vor dem Laptop bei Videokonferenzen mit den anderen Sportlern, an ein gemeinsames Training vor Ort ist nicht zu denken. „Wir machen Videos und halten die Einheiten online ab“, sagt Velte, der die Absage der Gaumeisterschaften, die die Burning Ropes am 7. November ausgerichtet hätten, bedauert. Also nimmt Rohfleisch gleich die Online-WM ins Visier. Ein konkretes Ziel dort hat er nicht: „Einfach gut abschneiden.“

Dafür wird das Nachwuchstalent weiterhin stundenlang in der heimischen Garage trainieren. Erst im kommenden Februar könnte der Raum wieder umfunktioniert werden. Dann nämlich wird Lukas Rohfleisch 15 Jahre alt.

Trainer Marcel Velte und sein Schützling Lukas Rohfleisch bei der EM 2019 in Graz. Foto: Privat

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Trainer Marcel Velte und sein Schützling Lukas Rohfleisch bei der EM 2019 in Graz. Foto: Privat

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Erstellt:
22. November 2020, 19:00 Uhr
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