„Rose“ soll Mehrfamilienhäusern weichen

Elchesheim-Illingen (HH) – An der Stelle der ehemaligen Gaststätte „Rose“ in Elchesheim-Illingen sollen zwei Neubauten mit zwölf Wohnungen entstehen. Der Gemeinderat hat der Bauvoranfrage zugestimmt.

Bis Corona war die „Rose“ eine Gaststätte. Nun soll sie einem Vorhaben mit zwölf Wohnungen weichen, das benachbarte Schulgelände (links) soll auch verkauft werden. Foto: Helmut Heck

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Bis Corona war die „Rose“ eine Gaststätte. Nun soll sie einem Vorhaben mit zwölf Wohnungen weichen, das benachbarte Schulgelände (links) soll auch verkauft werden. Foto: Helmut Heck

Die „Rose“ im alten Ortskern von Elchesheim, die über einen Saal und einen Hof mit Parkplätzen verfügt, wäre wahrscheinlich ein ideales Objekt für das vom Land aufgelegte Förderprogramm zum Erhalt von Dorfgasthäusern gewesen. Das Zuschussangebot wurde vergangenes Jahr als Seitenlinie ins „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum“ (ELR) eingebettet, in dem Elchesheim-Illingen als Schwerpunktgemeinde bevorzugten Status genoss.

In der Gemeinde lief der ELR-Förderzeitraum Ende 2020 aus, ohne dass das Gaststättenthema erkennbar eine Rolle gespielt hätte. Der „Rose“ steht ein anderes Schicksal bevor. In der Gemeinderatssitzung am Montag wurde bekannt, dass an ihrer Stelle zwei Neubauten mit insgesamt zwölf Wohnungen errichtet werden sollen.

Für das Projekt wurde dem Ratsgremium eine Bauvoranfrage vorgelegt. Die Verwaltung hatte ursprünglich vor, die Sache im elektronischen Umlaufverfahren abzuhandeln. Den Unterlagen zufolge sind für die Häuser Satteldächer mit 45 Grad Neigung vorgesehen, die Traufhöhe soll bei 7,80 Meter liegen. Die Firsthöhe wurde mit 13,49 Meter angegeben. Es sollen zwölf Stellplätze geschaffen werden, acht davon in einer Tiefgarage. Bürgermeister Rolf Spiegelhalder teilte mit, dass die Verwaltung statt nur einem Parkplatz pro Wohnung 1,5 fordere, insgesamt also 18. Otto Heck wie auch Susanne Ebel (EIL) hielten je Wohneinheit zwei Plätze für erforderlich. Sie wünschten eine örtliche Stellplatzsatzung, um die Erhöhung durchsetzen zu können. Spiegelhalder winkte ab: Das sei nicht möglich, die Zeit würde davonlaufen. Im Übrigen stünden „in der Peripherie“ 50 öffentliche Parkplätze zur Verfügung.

„Quartierlösung“ aus finanziellen Gründen keine Option

Joachim Ritter (EIL) wirkte ob des ganzen Vorhabens verwundert: „Ist etwas an mir vorbeigegangen?“ Man habe die „Rose“ doch in eine „Quartierlösung“ einbinden wollen. Spiegelhalder bestätigte, dass Derartiges zwar „angedacht“, aus finanziellen Gründen aber nicht zustande gekommen sei. Die nun vorgelegte Investorplanung sei von der Idee der Gemeinde aber nicht weit entfernt. Wie diese „Idee“ aussah, ist nicht bekannt. Bekannt ist, dass die Kommune die benachbarte Liegenschaft der ehemaligen Schule nächstes Jahr verkaufen will. Der Beschlussvorschlag zum Neubauprojekt „Rose“ lautete: „Der Gemeinderat stimmt der Bauvoranfrage grundsätzlich zu, fordert jedoch die Ausweisung von 1,5 Stellplätzen je Wohneinheit.“ Es wurde einstimmig zugestimmt.

Aufgrund dieses Votums scheint es logisch, dass das auf der Tagesordnung zuvor behandelte Sanierungsprogramm „Ortsmitte“ der Bauplanung nicht im Wege stehen wird, obwohl das Gaststättenanwesen im Sanierungsgebiet liegt. Der vor zwei Jahren festgelegte Geltungsbereich wird von Bernhard-Hoffmann-Straße, Raiffeisen-, Wald-, Stein- und Hauptstraße eingegrenzt.

Das Sanierungsprogramm war 2019 erstmals vorgestellt worden, mit ihm sollen private Modernisierungsvorhaben und Wohnraumschaffung sowie Projekte der Kommune gefördert werden. In einer der ersten Beratungen des Themas hatte die „Rose“ einmal am Rande Erwähnung gefunden.

Sanierungsprogramm „Ortsmitte“ beschlossen

Am Montag ging es darum, die förmliche Einleitung des Sanierungsprogramms „Ortsmitte“ zu beschließen. Als erster Schritt werden durch das Fachbüro STEG vorbereitende Untersuchungen durchgeführt. In dessen Verlauf erhielten alle Grundstückeigentümer im Geltungsgebiet einen Fragebogen, ließ STEG-Mitarbeiter Hans-Joachim Reglin wissen. Eine Auftaktveranstaltung könne wegen Corona leider nicht stattfinden.

„Wir stehen ganz am Anfang“, machte Reglin klar. Das Förderprogramm laufe bis 30. April 2030, eine Verlängerung um drei Jahre sei denkbar. Für die Durchführung bewilligter Maßnahmen blieben zehn Jahre Zeit. Der Förderrahmen beträgt 1,17 Millionen Euro, wovon Land und Bund 700.000 Euro bereitstellen, den Rest muss die Gemeinde beisteuern.

Über die Bezuschussung privater Vorhaben entscheidet der Gemeinderat, abhängig von der Nachfrage. In vielen Kommunen ist Reglin zufolge eine Förderquote von 30 Prozent der anerkannten Kosten oder maximal 30.000 Euro üblich. Darüber hinaus könnten steuerliche Vorteile erzielt werden. Zu den Förderschwerpunkten gehören auch Nahversorgung und Stärkung der lokalen Identität, womit man wieder beim Gaststättenthema landen könnte.

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Erstellt:
14. Mai 2021, 14:00 Uhr
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