Rotarier sammeln für notleidende Künstler

Baden Baden (nl) – „Rotary for Artists“ war ein aufmunterndes Konzert für ein Publikum am Bildschirm, gewidmet einer guten Sache. Die Möglichkeit zum Spenden steht weiterhin offen.

Das Opernsängerehepaar Sabine und Stefan Vinke gibt beim Konzert „Rotary for Artists“ einen Einblick in ihr umfangreiches Repertoire. Foto: Thomas Viering

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Das Opernsängerehepaar Sabine und Stefan Vinke gibt beim Konzert „Rotary for Artists“ einen Einblick in ihr umfangreiches Repertoire. Foto: Thomas Viering

Alle hatten sich in Schale geworfen. Die Jazzpianistin Marialy Pacheco in Schwarz am ausgewachsenen Konzertflügel, die Sopranistin Sabine Vinke im roten Abendkleid, der Tenor Stefan Vinke im grauen Gehrock. Man hätte meinen können, die Kultur dürfe endlich wieder öffnen. Doch das Publikum musste leider zu Hause vor den Bildschirmen bleiben. Livestreaming, der Trostpreis im Lockdown.

In diesem Fall für einen guten Zweck, die auftretenden Künstler sammelten Spenden für ihre frei schaffenden Künstlerkollegen, die gerne arbeiten würden, aber seit Beginn der Pandemie kaum eine Chance dazu haben. Rotary for Artists hieß der Abend. Marc Marshall, selbst Rotarier, führte durch das Konzert, das die Rotary Clubs Baden-Baden, Baden-Baden Merkur und Rastatt Baden-Baden gemeinsam mit dem Rotary Club Offenburg-Ortenau ausrichteten. Mit Frank Wagner, Arnold Blass, Ursula Nübel und Claudio Labianca waren auch alle Präsidenten der beteiligten Clubs anwesend, die allein als Spenden der Clubs schon 10.000 Euro beitrugen.

Wie in einer TV-Spendengala lief im unteren Bildrand der Spendenticker, und wer das Konzert am Samstagabend verpasst haben sollte: Die Spendenkonten bleiben geöffnet. Marshall wies nachdrücklich auf die verzweifelte Lage vieler selbstständiger Musiker hin. Trotzdem war es kein düsteres, sondern ein aufmunterndes Konzert. Das lag vor allem an der erfrischenden Fröhlichkeit der kubanischen Pianistin Marialy Pacheco. Im Gespräch mit Marshall gab sie interessante Einblicke in ihr Künstlerleben. Mit sieben Jahren bestand sie die Aufnahmeprüfung des Konservatoriums in Havanna. Daran schlossen sich 13 Jahre intensiven Studiums an, denn das Konservatorium in Havanna folgte der russischen Schule in Sachen Künstlerausbildung. Vier Stunden täglich wurde geübt.

Das zahlt sich aus, wie man an Pachecos farbenreichen Spiel hören konnte. Ihre klassische Ausbildung wurde in der mühelosen Virtuosität und den feinen Nuancen deutlich, mit denen sie ihre Interpretationen anreicherte. Marialy Pachecos Liebe zum Jazz zeigt sie in ihren rhythmisch prickelnden, fantasievollen und abwechslungsreichen Arrangements bekannter Titel. Als Hommage an Keith Jarrett, der sie sehr inspiriert hat, gab sie unter anderem seine Version des Duke Ellington-Klassikers „Things ain’t what they used to be“. Die Pianistin stammt aus einer Musikerfamilie und findet: „Wir sind eine große Community und sollten zusammenhalten“.

Bekannte Operettenarien

So denkt auch das Opernsängerehepaar Sabine und Stefan Vinke, deren voller Terminkalender sich seit Corona überraschend geleert hat. „Wir freuen uns, dass wir ein Teil dieses Abends sind“, sagten die beiden. Stefan Vinke ist seit Jahren als dramatischer Heldentenor bekannt, er singt alle Partien für dieses Fach, die es in den Opern von Richard Wagners gibt.

Aber letztes Jahr fielen die Bayreuther Festspiele aus, dieses Jahr ebenfalls. Vinkes machten aus der Not eine Tugend und gaben letztes Jahr im eigenen Garten Konzerte. Stefan Vinke schleppte Stühle und stellte sie in coronagerechtem Abstand auf, Sabine Vinke organisierte den Kartenverkauf, die Kinder wiesen die Plätze an und grillten Würstchen. Es klingt idyllisch, aber Vinkes wissen auch, dass viele Sänger keine Möglichkeit haben, auf Open-Air-Hauskonzerte auszuweichen.

Begleitet von Rainer Armbrust am Flügel, gab das Sängerehepaar einen kleinen Einblick in sein umfangreiches Repertoire, angefangen mit einigen bekannten Operettenarien. Man sollte diese Gattung nicht unterschätzen. Sabine und Stefan Vinke sangen mit vollem Einsatz, und sie verfügen beide über große Stimmen, die neben dem großen Umfang auch die Tragfähigkeit haben, große Bühnen wie die der Met in New York mit Raum für 4.000 Zuschauer zu füllen.

Souverän trafen sie den bittersüßen Ausdruck der von Abschiedsschmerz handelnden Operettentitel. Voller Elan sangen die Vinkes das Duett „Tanzen möchte ich“ aus „Die Csardasfürstin“ von Emmerich Kalman. Bühnenreife Intensität verliehen Sabine und Stefan Vinke ihrer Wiedergabe des Duetts zwischen Brünnhilde und Siegfried aus Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“. Es gelang ihnen, das Feuer dieser Liebe zu vermitteln.

Allen Klassikfans wird an diesem Abend wieder einmal bewusst geworfen sein, wie sehr man das echte Konzert- und Opernerlebnis vermisst. Bis dahin kann man auf den Livestream im Netz zurückgreifen unter dem Suchbegriff Rotary for artists auf Youtube. Dort finden sich auch die Möglichkeiten zu spenden.

Ihr Autor

Nike Luba

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Erstellt:
25. April 2021, 23:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 05sec

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