„Rotary for Artists“: Opernstar Stefan Vinke im Interview

Rheinau (cl) – „Die Kunst ist seelenrelevant“, sagt Tenor Stefan Vinke im BT-Interview. Der Opernsänger wirkt am Samstagabend im Online-Benefizkonzert „Rotary for Artists“ der Baden-Badener Clubs mit.

Sabine und Stefan Vinke stehen am heutigen Samstagabend beim live aus Rheinau gestreamten Benefizkonzert der Rotary Clubs Baden-Baden auf der Bühne: Sie singen Operettenwerke und Wagner-Arien.  Foto: Dagmar Medina

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Sabine und Stefan Vinke stehen am heutigen Samstagabend beim live aus Rheinau gestreamten Benefizkonzert der Rotary Clubs Baden-Baden auf der Bühne: Sie singen Operettenwerke und Wagner-Arien. Foto: Dagmar Medina

Der Opernsänger Stefan Vinke wird am heutigen Samstag um 20 Uhr zusammen mit seiner Frau, der Sopranistin Sabine Vinke, im Mittelpunkt des live gestreamten Benefizkonzerts „Rotary for Artists“ in Rheinau stehen. Mit Operettenwerken und einem Duett aus der Wagner-Oper „Siegfried“ wollen sie die Zuhörer erfreuen. Die Karriere des international gefragten Heldentenors aus Niedersachsen begann im Badischen – als junger Sänger war er am Badischen Staatstheater engagiert, danach am Mannheimer Nationaltheater. Längst hat er die großen Opernbühnen der Welt als Wagner-Sänger erobert. Sein erstes großes Engagement nach der Pandemie-Pause werde ihn im Herbst nach Australien führen, wie Stefan Vinke im Interview mit BT-Redakteurin Christiane Lenhardt erklärte – für einen neuen „Ring“.

BT: Herr Vinke, seit mehr als einem Jahr ist der Konzertbetrieb lahmgelegt. Aus welchem Projekt wurden Sie damals herausgerissen?
Stefan Vinke: Für den 11. und 12. März 2020 waren zwei Konzerte in unserem eigenen Studio Mozart 19 in Hargesheim, das von meiner Frau betrieben und geführt wird, geplant. Das Studio war für beide Konzerte ausverkauft, und es hätte die „Winterreise“ von Franz Schubert gegeben. Am Tag vor dem ersten Konzert war die Covid-Situation so erdrückend, dass wir absagen mussten.

BT: Sie sind ein international gefragter Wagner-Tenor und stehen auf vielen großen Opernbühnen von München, Bayreuth, Salzburg, Paris bis Chicago. Der Klassikbetrieb ist in den letzten Jahren immer schnelllebiger geworden. Hat Ihnen diese aufgezwungene Entschleunigung durch Corona auch wieder neue Energien gegeben?
Vinke: Die Zwangspause und das Berufsverbot haben den Lebensschwerpunkt temporär doch sehr verschoben. Ich habe noch nie so viel Zeit mit meiner Frau und unseren Kindern verbracht, wie in den letzten 14 Monaten. Das tut uns als Familie wirklich gut. Ich kümmere mich in dieser Zeit um Renovierungen im Haus und Arbeiten im Garten, die seit vielen Jahren liegen geblieben sind. Es tut tatsächlich gut, mal ein bisschen Abstand zu gewinnen, wenn da nicht die fatale wirtschaftliche Seite wäre. Ein Berufsverbot seitens der Politik zu verhängen, ist eine Sache, die Betroffenen wirtschaftlich im Regen stehen zu lassen, ist für viele Kollegen aus unserer Branche, aus der Veranstaltungsindustrie, der Gastronomie und Hotellerie eine reine Katastrophe. Trotz allem glaube ich, dass es für mich persönlich ab diesem Herbst einen Weg zurück auf die Opern- und Konzertbühnen geben wird.

BT: Sie waren am Beginn Ihrer Karriere am Badischen Staatstheater Karlsruhe engagiert. Welche Partien aus dieser Zeit haben Ihren künstlerischen Werdegang geprägt?
Vinke: Ich war in der Zeit von 1994 bis 1996 Ensemblemitglied am Badischen Staatstheater und während der Abschlusszeit meines Studiums als Anfänger beschäftigt. Das war vor allem eine Zeit, in der ich gelernt habe, wie es am Theater zugeht, welche Gesetze, Gesetzmäßigkeiten und Regeln es gibt und zu befolgen gilt. Ich habe gelernt, wie die bereits gestandenen Sänger Ihre Rollen angelegt und gestaltet haben und wie sie sich den Abend konditionsmäßig eingeteilt haben. Das war eine wichtige Zeit für mich.

„Dein ist mein ganzes Herz“ mit dem Ehepaar Vinke

BT: Jetzt reisen Sie wieder ins Badische, um bei dem Benefizkonzert „Rotary for Artists“ mit Ihrer Frau, Sopranistin Sabine Vinke, und mit Klavierbegleitung von Rainer Armbrust aufzutreten. Welches Programm haben Sie dafür ausgewählt?
Vinke: Für unser Konzert heute gibt es zwei Programmblöcke, einen mit Operettenwerken (zum Beispiel „Vilja-Lied“ und „Dein ist mein ganzes Herz“) und einen mit dem zweiten Teil des Duettes zwischen Brünnhilde und Siegfried aus der Oper „Siegfried“ von Richard Wagner.

BT: Nur ein kleines Team wird beim Streamingkonzert auf der Bühne in Rheinau dabei sein: Wie entwickelt man die besondere Konzertatmosphäre ohne Publikum für sich?
Vinke: Die Atmosphäre eines Konzertes vor einem realen Publikum lässt sich durch nichts ersetzen. Wir haben aber alle so viel Erfahrung durch unser Berufsleben, dass wir unsere Emotionen hoffentlich auch durch die Kamera senden können und so das Publikum an den digitalen Endgeräten erreichen werden.

BT: Der Jazztrompeter Till Brönner war im vergangenen Jahr unter den ersten, die öffentlich auf die prekäre Situation der selbstständigen Musiker und Sänger hingewiesen haben. Die zugesagten finanziellen Unterstützungen von Bund und Ländern kommen bei sehr vielen Betroffenen nach wie vor sehr langsam oder auch gar nicht an. Was bedeutet Ihnen eine solche Initiative wie das Konzert der Rotary Clubs aus Baden-Baden und Offenburg?
Vinke: Die Initiative der beteiligten Rotary Clubs ist ein klares Zeichen und Signal dieser Service-Clubs, dass die Nöte der Solokünstler, denen ihre wirtschaftliche Existenz genommen wurde, gesehen werden und versucht wird, an konkreter Stelle zu helfen. Alle Beteiligten des Konzertes heute sind ja in derselben schwierigen Situation. Jedoch ist es auch uns wichtig, über Rotary dort zu helfen, wo die Not noch größer ist als bei uns selbst.

Stefan Vinke soll im Oktober in der neuen „Ring“-Produktion in Brisbane den Siegfried singen

BT: Verstehen Sie die Spendenaktion auch als eine Geste des Publikums, um den Künstlern zu zeigen: „Wir vermissen euch?“
Vinke: Es ist eine schöne Geste des RC, zu zeigen, dass die Kunst vermisst wird und über diese Initiative die Künstler unterstützt werden. Es ist gut, wenn die Menschen sehen, dass Kunst in jeglicher Form relevant, ja sogar systemrelevant ist und aus unserem Alltag einfach nicht wegzudenken ist. Der Mensch braucht die Kunst als geistige Nahrung und Herausforderung, als Denkanstoß und zur Erbauung. Sie ist seelenrelevant.

BT: Welche Spuren wird die Pandemie im Musik- und Opernbetrieb hinterlassen?
Vinke: Wir alle hoffen, dass der Musik- und Opernbetrieb zu alter Stärke und altem Glanz zurückfinden kann und dass dieses auch tatsächlich politisch gewollt ist. Dennoch steht zu befürchten, dass eine nicht unbedeutende Anzahl an Künstlern und vor allem kleineren Kulturbetrieben diese Zwangspause nicht überstehen werden.

BT: Welche musikalischen Projekte stehen bei Ihnen nun an?
Vinke: Meine nächste Normalgage werde ich voraussichtlich im Oktober in der neuen „Ring“-Produktion in Brisbane als Siegfried verdienen. Zuvor gibt es aber, wie bereits im Jahr 2020, die Richard-Wagner-Festspiele im Vinke-Garten. Diese beginnen am 23. Juli mit der Vorstellung „Siegfried“. Durch den gesamten Sommer hindurch werden wir an jedem Wochenende zwei bis drei Opernvorstellungen in unserem privaten Garten spielen. Nähere Informationen zum „Ring“ im Juli im Vinke-Garten finden Sie in Kürze auf folgender Homepage meiner Frau Sabine-Vinke.

Zum Thema: Livestream zur Spendengala

Das Online-Konzert der Rotary Clubs aus Baden-Baden zugunsten pandemiebedingt notleidender Künstler ist kostenlos abrufbar, um Spenden wird gebeten. Ein Live-Ticker und die Webseite der Rotary-Clubs sollen das Spendengeschehen am heutigen Samstagabend sichtbar machen. Eine Jury wählt die Künstler aus, die Spendengelder erhalten sollen. Gespendet werden kann über die Spenden-Hotline (0 78 44) 91 33-10, sowohl während des Streams als auch über Whatsapp 01 71 83 38 598 oder via Mail unter spende@rotaryforartists.com; die Spenden gehen nach eigenen Angaben an den Verein Rotary-Clubs Baden-Baden und Baden-Baden Merkur zur Förderung gemeinnütziger Zwecke (IBAN DE 29 6629 0000 0058 9280 11).

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
24. April 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 35sec

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