Rotenfels: Brotsäcke hauen online auf die Pauke

Gaggenau (tr) – Seit zwanzig Jahren gibt es in Bad Rotenfels die Narrenzeitung. Dieses Mal ist sie online zu haben.

Eigentlich dürften die Domänenwaldgeister am Fastnachtsamstag wieder Tausende Besucher bei ihrem großen Umzug in Bad Rotenfels begrüßen. Das Bild ist von 2012. Foto: Thomas Senger/Archiv

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Eigentlich dürften die Domänenwaldgeister am Fastnachtsamstag wieder Tausende Besucher bei ihrem großen Umzug in Bad Rotenfels begrüßen. Das Bild ist von 2012. Foto: Thomas Senger/Archiv

Es war bei der Kinderfastnacht der Pfadfinder vor vielen Jahren, als zum ersten Mal ein lautstarkes „Brotsack helau!“ von der Bühne schallte. In Bad Rotenfels kennt man die Gründe, werden die Einheimischen doch als „Brotsäcke“ bezeichnet. Die Rotenfelser Waldarbeiter sollen früher ihr Vesper in Brotsäcken verstaut haben. Und so war 2002 auch klar, wie die damals neue Narrenzeitung heißen musste: „Der Brotsack“.

In diesem Jahr erschien sie zum 20. Mal – und das aufgrund der Corona-Pandemie nur als Online-Ausgabe. „Finanziert wird die gedruckte Zeitung aus Spenden der Leserinnen und Leser sowie Werbeeinnahmen. Doch die Geschäfte und Restaurants haben in dieser Saison meist zu“, erklärt Martin Moser, Vorsitzender der Narrenvereinigung. Sie wurde vor rund einem Jahr gründet und trägt den für die Rotenfelser Fastnacht einzig logischen Namen: „Brotsack“. Die gedruckte Version der Zeitung hätte man in diesem Jahr auch kaum auslegen können.

„Der Brotsack“ ist jedoch nicht die erste Fastnachts-Publikation im Ort: Schon 1952 hatte der Harmonika-Spielring den „Rotenfelser Böller“ veröffentlicht und darin unter anderem den Prinzen Brotsack I. auf den Thron gesetzt. „Brotsackhausen“ nannte man damals den Ort in närrischen Zeiten, als man sich in den Gasthäusern, später in der TBR-Turnhalle und Festhalle zum Schnurren traf.

Im Dorf gebe es eine „nicht geringe Narrenschar“, war im „Böller“ zu lesen. Und weiter: „Prinz Brotsack wurde uns geboren, wir haben ihn zum Chef erkoren.“ Aus „Brotsackhausen“ machten die derzeitigen Fastnachter „Brotsack-City“. Fünf Ausgaben vom damaligen „Böller“ hat es gegeben – nicht minder bissig und witzig, wie das Nachfolge-Produkt. Das bestätigen ältere Rotenfelser und berichten von einer schon damals tollen Fastnacht im Ort.

„Umschlagplatz der guten Laune

Von Anbeginn an wurden im „Brotsack“ die ab den 1970er und 1990er Jahren nach und nach entstehenden Gruppen und Vereine vorgestellt: Mit den Schlämbe als älteste Gruppe, Domänenwaldgeistern, Quellengeistern, Schanzenbergweibern, Eichelberg-Hexen, Gaißstattgeißen und Schlossknechten sind es mittlerweile acht Gruppierungen, die das närrische Brauchtum in Bad Rotenfels intensiv pflegen. Der Umzug der Domänenwaldgeister gehört mittlerweile zu den größten in der Region. In den zurückliegenden Jahren waren – meist bei strahlendem Sonnenschein – bis zu 20.000 Menschen an den Fastnachtssamstagen nach Bad Rotenfels gekommen. Zuletzt waren mehr als 2.000 teilnehmende Narren, Hästräger und Musiker aus nah und fern dabei.

Trotz der Absage des Umzugs und weiterer Veranstaltungen setzen die Narren in diesem Jahr Zeichen – unter anderem fand im Internet die traditionelle Kinderfastnacht der Pfadfinder statt. Vor allem aber wurden die neu gestaltete Internetseite der Narrenvereinigung und der „Brotsack“ zum „Umschlagplatz der guten Laune“.

In ihm stehen auch diesmal Anekdoten aus dem Ort, so manch Gerücht, Humorvolles und Bissiges. Und wie bei einem Narrengericht auch, wird mit so manchen Obrigkeiten abgerechnet, wie die Verantwortlichen erklären. In der Jubiläumsausgabe kommt beispielsweise Markgraf Wilhelm von Baden zu Wort. Er residierte einst im Rotenfelser Schloss und liest nicht nur seinem Rotenfelser Volk in einer Art Büttenrede ordentlich die Leviten. Normalerweise tut er dies beim Narrenbaumstellen, doch dieses Spektakel vor dem Rathaus fand in diesem Jahr nicht statt.

Die Online-Ausgabe der Narrenzeitung „Der Brotsack“ kann man sich auf der Internetseite der Narrenvereinigung kostenlos herunterladen. Dort stellen sich auch die Narrengruppen vor. Zu sehen sind ebenso Bilder der „Fastnacht zuhause“, die schönsten Motive und Aktionen werden prämiert. Die Bilder sendet man per E-Mail an folgende Adresse: info@nv-brotsack-badrotenfels.de.

Die Online-Ausgabe des „Brotsack“ gibt es hier.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Riedinger

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Erstellt:
12. Februar 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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