Royal Rangers müssen traditionelles Sommercamp absagen

Baden-Baden (for) – Nach langem Überlegen steht der Entschluss jetzt fest: Die Royal Rangers aus Baden-Baden sagen ihr diesjähriges Sommercamp ab. Schuld daran ist das Coronavirus.

Ulla Penner (links) gemeinsam mit ihrem „Luchseteam“ – Kinder im Alter von elf Jahren – beim Sommercamp 2019. Foto: Royal Rangers Stamm 75

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Ulla Penner (links) gemeinsam mit ihrem „Luchseteam“ – Kinder im Alter von elf Jahren – beim Sommercamp 2019. Foto: Royal Rangers Stamm 75

Jurten und Kohten aufbauen, Flaggen hissen, am Lagerfeuer singen und einfach nur eine schöne Zeit mit Freunden verbringen – für die christliche Pfadfinder-Gruppe Royal Rangers aus Baden-Baden sind die alljährlichen Sommercamps Tradition. Rund 250 Personen nehmen im Schnitt an dem Zeltlager teil, das immer in der ersten Augustwoche stattfindet. In diesem Jahr ist jedoch alles anders: „Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir das Sommercamp 2020 schweren Herzens absagen“, berichtet Ulla Penner, Mitarbeiterin in der Stammleitung des Ranger-Stamms 75 Baden-Baden.

Vorbereitungen beginnen bereits im Jahr davor

Wie schon in den vergangenen Jahren sollte das Ferienlager auf dem Gelände des kleinen Bauernhofs Schollenhof in Achern stattfinden. Die Vorbereitungen liefen bereits. „Wir beginnen mit der ersten Planung schon immer im Jahr davor zwischen Oktober und November. Danach folgen regelmäßige Camp-Planungstreffen einmal monatlich“, erklärt Hauptstammleiter Immanuel Port. Den Stamm 75 in Baden-Baden gibt es schon seit 1991. 2008 wurde der erste Außenposten in Bühlertal gegründet, 2011 folgte Rastatt, 2015 Ottersweier, 2017 Hügelsheim und 2018 Appenweier. An den Camps ist immer der komplette Stamm mit allen Außenposten beteiligt.

Im März seien mit dem allgemeinen Shutdown aufgrund der Corona-Krise dann erste Zweifel aufgekommen, ob das Zeltlager 2020 überhaupt stattfinden könne. „Ich selbst habe mich schon früh mit dem Gedanken einer Absage auseinandergesetzt und mir Alternativen überlegt“, erinnert sich Penner. „Andere Teamleiter wollten die Hoffnung zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht aufgeben.“

Unklarheiten bremsen Planungen aus

Am 15. Juni mussten die Royal Rangers der traurigen Tatsache dann aber doch ins Auge blicken: Der Entschluss, das Sommercamp abzusagen, stand fest. Ausschlaggebend für diese Entscheidung seien letztlich die Empfehlungen des Sozialministeriums für Ferienlager, Zeltlager und Übernachtungen in Zelten gewesen (wir berichteten).

Empfehlungen sind „sehr realitätsfern“

„Wir im Team schätzen es, dass sich der Landesjugendring und andere Verbände früh dafür stark gemacht haben, Konzepte zu entwickeln“, sagt Penner. Allerdings sei trotz des Konzepts weiterhin vieles unklar gewesen. Beispielsweise bestand bis zum 30. Juni seitens der Stadt Achern ein Vermietungsverbot des Campplatzes beim Schollenhof, was die Planungen der Royal Rangers enorm einschränkte. Außerdem seien viele der Empfehlungen „sehr realitätsfern“, meint Penner.

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Royal Rangers müssen traditionelles Sommercamp absagen
So sieht ein Teamplatz aus, den sich jedes Team zu Beginn des Camps selbst aufbaut und während der Campwoche bewohnt. Links die Kohte als Schlafplatz, in der Mitte hinten der Esstisch und vorne rechts der Feuertisch, auf dem gekocht wird. Foto: Royal Rangers Stamm 75

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Royal Rangers müssen traditionelles Sommercamp absagen
Gemeinsames Singen ist Teil des Morgenprogramms. Um dabei die Abstandsregeln einzuhalten, reicht der Platz aber nicht aus. Foto: Royal Rangers Stamm 75

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Der Campplatz aus der Vogelperspektive. Foto: Royal Rangers Stamm 75

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Teamgedanke im Vordergrund

So sei es kaum möglich, die Abstandsregelung von 1,5 Metern zwischen Betreuenden und Teilnehmenden einzuhalten. „Die Teilnehmer und der Teamleiter sind quasi ständig zusammen. Davon lebt ja so ein Camp und die gemeinsame Zeit auch“, meint Port. „Der Ranger-Arbeit liegt der Teamgedanke zugrunde“, fügt Penner hinzu. Das zeige sich bereits beim Aufbau der Camps. So würden die Kohten mit vereinten Kräften an langen Stangen hochgezogen und durch Knoten miteinander verbunden. „Es packen alle mit an, Abstand halten ist da schwierig“, weiß die Stammleiterin aus Erfahrung.

Zu wenig Kohten

Auch beim Geländespiel, bei den Mahlzeiten oder in den Zelten sei es fast unmöglich, die Abstandsregel einzuhalten. Die Schlafstellen in den Zelten sollen laut der Empfehlung um 180 Grad versetzt (Kopf an Fuß) aufgebaut werden. „Wenn wir uns daran halten, können aber maximal drei Leute in einer Kohte schlafen. Normalerweise schlafen in den Standardkohten aber sechs Leute“, schildert Penner die Situation. Demnach bräuchten die Royal Rangers viel mehr Zelte, um die Vorgaben erfüllen zu können. „Dafür fehlt uns aber schlichtweg das nötige Material. Wir waren schon in den vergangenen Jahren oft am Limit mit unseren Kohten.“ Außerdem müssten größere Planen zum Sonnen- und Regenschutz angeschafft werden sowie genügend Desinfektionsmittel.

Probleme bei Nutzung sanitärer Anlagen

Problematisch sei auch die Nutzung der Toiletten und Waschräume. „Wir haben in Kooperation mit dem Schollenhof in den vergangenen Jahren zwar in eine gute sanitäre Anlage investiert“, erzählt Port. „Jedoch ist es bei den Teilnehmerzahlen von an die 250 Personen schier unmöglich, eine gerechtfertigte Nutzung in Pandemie-Zeiten zu ermöglichen“, bedauert der Hauptstammleiter. Damit sich alle Kinder unter Einhaltung der Regelungen waschen, Zähne putzen, auf die Toilette gehen und ab und zu auch duschen könnten, „wäre der halbe Tag mit Anstehen und Warten verplant“.

Tagesprogramme als Alternative

Ein Zeltlager in diesen Zeiten zu organisieren, sei mit einem riesigen Aufwand verbunden, betont Penner. Zwar habe es von „Jeder Teilnehmer bringt sein eigenes Zelt mit“ bis hin zu „Wir machen das Camp kleiner“ viele Ideen gegeben, um eine Absage zu vermeiden. Die Zeit, um diese Ideen auszuarbeiten, sei aber zu knapp gewesen. Letztlich ist Penner froh, dass die meisten Eltern die Absage mit Verständnis aufgenommen haben.

Ganz auf den Ferienspaß verzichten, müssen die Kinder aber dennoch nicht. „Für uns stand schon relativ früh fest, dass wir auf jeden Fall eine Alternative anbieten möchten – auch als Abwechslung und Entlastung für die Familien, die seit Wochen aufeinandersitzen“, sagt Penner. Deshalb organisieren die einzelnen Stammposten der Royal Rangers Tagesprogramme für die Ranger-Teams. Wie das Ganze im Detail ablaufen soll, komme auf die aktuelle Lage an.

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Erstellt:
7. Juli 2020, 18:00 Uhr
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So sieht ein Teamplatz aus, den sich jedes Team zu Beginn des Camps selbst aufbaut und während der Campwoche bewohnt. Links die Kohte als Schlafplatz, in der Mitte hinten der Esstisch und vorne rechts der Feuertisch, auf dem gekocht wird. Foto: Royal Rangers Stamm 75

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