Run auf Weihnachtsbäume in Mittelbaden

Bühl/Baden-Baden (vr) – Deutlich mehr Tannenbäume als sonst werden im Corona-Jahr verkauft. Doch das bedeutet trotzdem kein Umsatzplus für die Erzeuger.

Vorarbeiter Sorin Ciobanu, Martin Gutzweiler und Manfred Graf (von links) vor einer neuen Ladung frisch geschlagener Nordmanntannen. Foto: Veruschka Rechel

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Vorarbeiter Sorin Ciobanu, Martin Gutzweiler und Manfred Graf (von links) vor einer neuen Ladung frisch geschlagener Nordmanntannen. Foto: Veruschka Rechel

„Die Prognosen sind eingetroffen“, erklärt Manfred Graf vom Dreiländereckhof aus Eisental. Er ist Vorsitzender des badenwürttembergischen Christbaumverbands, größter Produzent in der nahen Region, und weiß mit fünf Weihnachtsbaum-Verkaufsstellen, wovon er spricht.

Bereits im August hatten Experten des „Verbands natürlicher Weihnachtsbaum“ angesichts der Corona-Krise eine höhere Nachfrage an Christbäumen prognostiziert. Grund: Es würden voraussichtlich mehr Menschen als sonst über Weihnachten zu Hause bleiben und im kleinen Kreis traditionell mit Tannenbaum feiern.

Neuer Trend: Den Baum selbst schlagen

Genau das bestätigt Josef Karcher aus Waldmatt, der mit seinen zwei Verkaufsständen in Lauf und Bühl rund 20 Prozent mehr Nordmanntannen verkauft als 2019. Er vertreibt sie jedoch nicht nur und liefert sie auf Wunsch auch an, sondern bietet auf seinen Anbauflächen zwischen Waldmatt und Rittersbach sogar die Möglichkeit, seinen eigenen Baum zu schlagen. Das läge nämlich immer mehr im Trend, obwohl diese Tannen nicht viel günstiger sind als die bereits geschlagenen. „Doch Männer finden es zunehmend interessanter, selbst die Axt zu schwingen“, so Karcher.

Bei Diplomingenieur Lothar Droll aus Steinbach kann man den Baum zwar nicht selbst schlagen, aber dabei zusehen. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens betreibt den Christbaumanbau als Hobby nebenbei und verkauft seine „Nordmänner“ ausschließlich ab Feld. Das heißt, ein Baum wird erst geschlagen, wenn der Kunde ihn ausgesucht und bezahlt hat. „Ich habe bis jetzt schon sehr viel mehr Bäume verkauft als im vergangenen Jahr“, erzählt Droll. Daraus resultiere sogar ein Problem für den Verkauf zu Weihnachten 2021. Auf seinem 6 700 Quadratmeter großen Feld habe er vom Sämling bis zum vier bis fünf Meter hohen Baum rund 3 000 Nordmanntannen stehen gehabt. Davon sind jetzt so viele verkauft worden, dass er 2021 keine großen Bäume haben wird.

Nachfrage nach größeren Bäumen

Auch Martin Gutzweiler aus Biberach, einer der größten Christbaumproduzenten aus dem Ortenaukreis, hat festgestellt, dass die diesjährige Nachfrage deutlich gestiegen ist. „Wir haben sogar in die Substanz reinschlagen müssen“, sagt er. Das bedeutet, dass die größeren Bäume, die neun bis elf Jahre Wachstum brauchen, in den kommenden Jahren fehlen werden. „Dabei zeichnet sich eine Tendenz zu großen Bäumen ab.“ Insofern seien die momentanen Mehrverkäufe eher eine Milchmädchenrechnung, meint Manfred Graf. Aber auch noch aus einem anderen Grund: Er und Martin Gutzweiler, nicht nur Direktverkäufer, sondern auch Händler, haben festgestellt, dass die Wiederverkäufer durch Corona total verunsichert seien.

Aus Angst vor sich ändernden Rahmenbedingungen hätten sie höchstens die Hälfte der sonst üblichen Menge bestellt, aber bereits nach wenigen Tagen nachgeordert, und das wiederhole sich bis jetzt. „Ein Kunde hat zum Beispiel zwölfmal nachbestellt, ich bin fast verrückt geworden“, beschreibt Graf. Martin Gutzweiler hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Dadurch seien für sie als Anbauer die Erntekosten wesentlich höher als sonst. Das schlucke leider ihr leichtes Plus beim Endkundenverkauf.

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Erstellt:
18. Dezember 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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