Rund 800.000 Euro für den Kampf gegen Legionellen

Rastatt (dm) – Gleich in zwei Sporthallen bereiten Legionellen der Stadtverwaltung Probleme. Vor allem in der Carl-Schurz-Schule sind die Werte sehr hoch.

Anders als an der Carl-Schurz-Schule darf in der Sporthalle der Johann-Peter-Hebel-Schule dank der Übergangslösung derzeit weiter geduscht werden. Foto: Frank Vetter

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Anders als an der Carl-Schurz-Schule darf in der Sporthalle der Johann-Peter-Hebel-Schule dank der Übergangslösung derzeit weiter geduscht werden. Foto: Frank Vetter

Die Stadt Rastatt kämpft in den Sporthallen der Carl-Schurz-Schule und der Johann-Peter-Hebel-Schule gegen Legionellenbefall. Regelmäßige Spülungen und Desinfizierungen der Wasserleitungen reichen aber dauerhaft nicht mehr aus, um Gesundheitsgefahren abzuwenden, das haben entsprechende Analysen ergeben. Rund 800000 Euro nimmt man nun in den kommenden beiden Jahren für Sanierungen beziehungsweise Erneuerungen in die Hand, jeweils 400.000 pro Halle.
Der Gemeinderat hat im sogenannten Umlaufverfahren auf elektronischem Weg zugestimmt.

Vor allem an der Carl-Schurz-Schule sei der Handlungsbedarf dringend, wie die Stadtverwaltung feststellt. Im Oktober war die dortige Sporthalle wegen der kritischen Legionellenwerte einige Tage sogar komplett gesperrt worden, seither darf man dort nicht mehr duschen. Denn: Legionellen sind natürlich vorkommende Bakterien im Wasser, die dann gesundheitsschädlich werden können, wenn sie durch fein zerstäubten Wasserdampf in die Lunge gelangen.

Korrosionsstellen als Nährboden

Routinemäßig werden daher öffentliche Gebäude wie Kitas, Sporthallen, Feuerwehren oder Schulen überprüft. Bei solchen turnusgemäßen Prüfungen war man in den beiden Hallen wiederholt auf hohen Legionellenbefall gestoßen. Die Leitungen konnten zunächst – in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt – erfolgreich thermisch desinfiziert werden, wie die Stadtverwaltung rekapituliert. Dabei wird den Keimen durch starke Erhitzung der Garaus gemacht. Trotzdem ergaben dann die letzten beiden Prüfungen mächtige Überschreitungen. Der Wert, ab dem Maßnahmen ergriffen werden müssen, liegt bei 100 koloniebildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser; gemessen wurden laut Verwaltung 2100 bis 3600 KBE – dies gilt als „hohe Kontamination“.

Sofortmaßnahmen wurden eingeleitet: die Wassertemperatur erhöht, die Zirkulationspumpen auf Dauerbetrieb eingestellt, „mit hohem Aufwand“ regelmäßig gespült sowie thermisch desinfiziert, und es wurde ein Gefährdungsgutachten in Auftrag gegeben. Ergebnis: In beiden Hallen ist das veraltete Leitungsrohrnetz sanierungsbedürftig. Darin nehme sowohl die Zahl als auch die Größe von Korrosionsstellen zu, was wiederum idealer Nährboden für Legionellenvermehrung sei. Ein Umstand, dem man mit Desinfizierungen nicht mehr dauerhaft zu Leibe rücken kann. Gleichwohl können an der Johann-Peter-Hebel-Schule die Duschräume derzeit mit Hilfe einer Übergangslösung genutzt werden, wie die Stadtverwaltung erläutert. Diese, die auch an der Carl-Schurz-Schule angewendet wurde, beinhalt „kostenintensive“ chemische Reinigungen und Desinfektion. Zugleich werden bis zur geplanten Sanierung die turnusmäßigen Prüfungen (normalerweise einmal im Jahr) auf alle vier Monate erhöht. An der Johann-Peter-Hebel-Schule messe man seither durchgängig null KBE. Nicht aber an der Carl-Schurz-Schule, wo im Oktober „unerwartet“ 29.000 KBE pro 100 Milliliter an einem Auslauf festgestellt worden waren, was auf einen Installationsdefekt im Leitungssystem hindeute. Daher das Duschverbot und die Ausschaltung der Warmwasserbereitung. Die Arbeiten an der Sporthalle der Carl-Schurz-Schule werden aufgrund der Situation nun auch zuerst ausgeschrieben. Sie sollen in den Pfingstferien starten und spätestens bis Ende der Herbstferien abgeschlossen sein.


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