S-Bahn: Plan B in Ottersweier

Ottersweier (jo) – Ottersweier verabschiedet sich endgültig von einem eigenen Schienen-Haltepunkt, das hat der Gemeinderat jüngst beschlossen. Stattdessen soll aber ein Plan B fokussiert werden.

Eisenbahn-Romantik pur: Der einstige Bahnhof Ottersweier, abgebildet auf einer Postkarte aus der Kaiserzeit (Ausschnitt). Foto: Gemeindearchiv Ottersweier

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Eisenbahn-Romantik pur: Der einstige Bahnhof Ottersweier, abgebildet auf einer Postkarte aus der Kaiserzeit (Ausschnitt). Foto: Gemeindearchiv Ottersweier

Die Gemeinderäte in Ottersweier beugen sich dem Rat der Experten. Das Ziel eines Stadtbahn-Haltepunkts wird nicht weiter verfolgt, sondern stattdessen auf attraktive Zubringerbusse zum nächsten Schienenhalt in Bühl gedrängt.

Nachdem die Realisierungschancen für einen eigenen Haltepunkt gegen Null tendieren, nahm das Gremium am Montagabend davon Abstand, rund 50.000 Euro für eine weitere Machbarkeitsstudie auszugeben. Die Entscheidung fiel einstimmig. In der Ratssitzung vor drei Wochen hatte Mario Mohr, Dezernent des Landkreises Rastatt, einen aktuellen Sachstandsbericht zur Planung neuer S-Bahn-Haltestellen im Kreisgebiet vorgelegt. Nach Darstellung der Deutschen Bahn (DB Netze) und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg würde ein Haltepunkt in Ottersweier zu nicht lösbaren Betriebsproblemen im Bahnverkehr führen, schilderte Mohr. Hinzu käme ein erheblicher Bauaufwand von zwölf bis 15 Millionen Euro.

Pfetzer: „Große Ernüchterung“

Die Summe müsste die Gemeinde voraussichtlich allein stemmen, hieß es. Weil der zu erwartende geringe Nutzen eines Haltepunkts an der Peripherie nicht im Verhältnis zu den hohen Kosten stehe, seien keine Zuschüsse zu erwarten (das BT berichtete).

Bürgermeister Jürgen Pfetzer sprach von einer „großen Ernüchterung“. Jeder Bürger aus Ottersweier wünsche sich einen Stadtbahn-Haltepunkt, doch dieser scheitere an den negativen Rahmenbedingungen. Geld auszugeben für „eine Machbarkeitsstudie für etwas, das nicht machbar ist“, ergab für Dieter Kohler (FWG) keinen Sinn. Einen bis zu 15 Millionen Euro teuren Haltepunkt könne sich die Gemeinde ohnehin nicht leisten. „Der Zug ist abgefahren, das wäre rausgeschmissenes Geld“, warf auch Herta Finkbeiner-Schilling (SPD) das Handtuch. „Kein Bahnhaltepunkt um jeden Preis“, lautete die Devise von Nico Paulus (Grüne). Er warb dafür, in einen nachhaltigen, umweltschonenden Nahverkehr zu investieren.

Einsatz von Bürgerbussen?

Eine neue Studie werde kein positives Ergebnis bringen, hatte zuvor Linus Maier (CDU) bekundet. Plan B laute nunmehr, den ÖPNV zur forcieren. Er forderte konkret, bis zu den Haushaltsberatungen im Herbst zu klären, wie sich mit dem Einsatz von Bürgerbussen oder der Beteiligung an der Bühler Citylinie eine verbesserte Anbindung an den Bahnhof in Bühl erzielen lasse. Außerdem gelte es, die Lücke einer fehlenden Busverbindung zwischen Unzhurst und Achern zu schließen.

Ottersweier drängt jetzt darauf, die Qualität des örtlichen ÖPNV spürbar zu erhöhen. „Hierbei sind Zubringerlinien zu Stadtbahn und Zügen ebenso gemeint, wie weitere Angebote (Schnellbusse, Bürgerbussysteme, Einbindung in die Bühler Citylinie und vieles mehr)“, wird dazu im Beschluss ausgeführt. Bürgermeister Jürgen Pfetzer kündigte an, mit dem Landratsamt Gespräche aufzunehmen, um die Möglichkeiten eines attraktiven Busangebots für Ottersweier auszuloten. Finkbeiner-Schilling riet, die Bürger nach ihren Bedürfnissen zu befragen und auch einen Anschluss an den Zugverkehr in Achern zu prüfen.

Jürgen Pfetzer erinnerte sich an sein erstes Amtsgespräch im Bühler Rathaus 1999 als damals frisch gewählter Bürgermeister. Schon damals sei thematisiert worden, wie sich Ottersweier in die Bühler Citylinien integrieren lasse. Das Vorhaben sei letztlich am Geld gescheitert. Jetzt gelte es, „neu abzuwägen“ und unter neuen Gesichtspunkten zu entscheiden.

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Erstellt:
24. März 2021, 12:30 Uhr
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