SBFV-Entscheidung: Die Skepsis überwiegt

Bühl (rap) – Der Südbadische Fußballverband will die derzeit pausierende Saison mit einer verkürzten Rückrunde retten. Fußball-Trainer und -Verantwortliche zweifeln aber an der Durchführbarkeit.

Auf Zweikämpfe auf dem grünen Rasen muss Eric Gerstner (links) coronabedingt wohl noch länger warten. Stattdessen halten sich der A-Ligist FC Obertsrot und sein Kapitän mit Athletikeinheiten vor dem heimischen Laptop fit. Foto: Frank Vetter

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Auf Zweikämpfe auf dem grünen Rasen muss Eric Gerstner (links) coronabedingt wohl noch länger warten. Stattdessen halten sich der A-Ligist FC Obertsrot und sein Kapitän mit Athletikeinheiten vor dem heimischen Laptop fit. Foto: Frank Vetter

Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk war es freilich nicht, das der Südbadische Fußballverband (SBFV) seinen Vereinen am Montag gemacht hatte. Ein solches Präsent kann in diesen Zeiten nur die Politik den Amateurkickern bescheren – und zwar mit der Erlaubnis, wieder gegen den Ball treten zu dürfen. Doch da gibt es ja bekanntlich noch den Grinch, der in diesen Tagen, Wochen und Monaten auf den Namen Corona hört – und den Hobbysportlern landauf und -abwärts ganz schön schwer aufs Gemüt schlägt.

Aufgrund der weiterhin hohen Infektionszahlen, den vielen Todesopfern, die zu beklagen sind, und einem drohenden zweiten harten Lockdown ist der Wunsch der kickenden Zunft aber (richtigerweise) nicht zu erfüllen. So verkommt die SBFV-Entscheidung von Anfang der Woche, wie es mit der im Winterschlaf befindlichen Saison weitergehen wird, lediglich zu einer Art Adventsbotschaft für hoffentlich bessere Zeiten im nächsten Frühjahr. Eine verkürzte Rückrunde soll es nun sein, so entschieden die SBFV-Verantwortlichen, nachdem angesichts der volatilen Lage abzusehen war, dass keine normale Saison mit Hin- und Rückrunde mehr möglich ist. Zumal seit Ende Oktober der Spiel- und Trainingsbetrieb ruht. Diese beschlossene Variante sieht nun vor, dass die Hinrunde – sobald das runde Leder 2021 wieder rollen sollte – normal zu Ende gespielt wird. Danach wird die jeweilige Liga zweigeteilt, in eine Meister- und Abstiegsrunde, in der die Mannschaften dann im „Jeder-gegen-Jeden“-Modus antreten. Dies macht bei einer 18er-Staffel noch rund 16 ausstehende Partien, bei einer Liga mit 16 Mannschaften wären es etwa 13 Begegnungen.

Hurle: Komplette Vorrunde realistisches Ziel

„Es war fast damit zu rechnen“, sagt Johannes Hurle, „dass der Verband so eine Entscheidung verkünden wird. Eine komplette Saison zu spielen, ist unmöglich.“ Ob aber auch der alternative Modus durchführbar sein wird, da hat der Trainer des Verbandsligisten SV Bühlertal so seine Zweifel: „Ob der Plan aufgeht, hängt davon ab, wie die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie ist. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass es gelingen wird, auch wenn ich es mir wünschen würde.“ Der 30-Jährige rechnet nicht damit, dass er und seine Schützlinge vor März für Trainingseinheiten auf den Bühlertäler Mittelberg zurückkehren werden. „Wenn man die derzeitigen Infektionszahlen sieht, denke ich nicht, dass im Januar oder Februar gelockert werden kann, auch wenn es natürlich wichtig ist, Sport treiben zu dürfen“, sagt Hurle, der als realistisches Ziel eine komplett gespielte Vorrunde betrachtet. „Dann wären wir auch rechtlich abgesichert und die Saison könnte gewertet werden“, sagt der Übungsleiter, der mit seinem Team trotz noch zweier Nachholspiele einen starken fünften Platz belegt.

Den gleichen Tabellenrang hat auch der VfB Bühl inne, nur aber eine Etage tiefer in der Landesliga. Stefan Voppichler, Vorstand Sport bei den Zwetschgenstädtern, war jedenfalls „nicht wirklich überrascht“ von der SBFV-Entscheidung, die er „absolut nachvollziehen“ kann. Die habe sich nach der Informationsveranstaltung (Voppichler: „Vizepräsident Christian Dusch hat das richtig gut gemacht.“) einige Tage zuvor „durchaus angedeutet“. Doch auch Voppichler traut – ähnlich wie Hurle – dem Braten nicht wirklich. „Es hängt von der Politik und dem weiteren Verlauf der Pandemie ab, wie und wann es für uns weitergeht. Oberste Priorität ist es, die Vorrunde irgendwie fertig zu spielen. Alles andere darüber hinaus wäre natürlich toll für die Fußballer, aber ich bin schon skeptisch“, erklärt der Bühler Sportvorstand.

Angelo Marotta fühlt sich derzeit wie in einem Schwebezustand. „Es ist schwer zu sagen, ob der Plan vom SBFV durchführbar ist. Wenn man die Medien verfolgt und sieht, dass wir Rekordzahlen an Infektionen haben, fehlt mir der Glaube, dass wir in absehbarer Zeit wieder auf den Platz zurückkehren und noch die benötigten Partien spielen können“, sagt der Trainer des A-Ligisten FC Obertsrot.

Online-Einheiten als Stimmungsaufheller

Ihm fehle die Arbeit mit seinen Jungs, das Zusammenkommen, das gemeinsame Bier nach den Einheiten. „Ich habe sogar schon einen Vorbereitungsplan gemacht, der am 31. Januar startet und mit dem Michelbacher Trainer Dennis Kleehammer ein Testspiel vereinbart“, sagt Marotta, der sich dabei ein gequältes Lachen abringen muss. „Das ist natürlich eine Spinnerei, das wird leider nicht eintreten. Bis wir wieder trainieren dürfen, wird Frühjahr sein.“ Daher halten die Murgtäler momentan Online-Einheiten ab. Als Stimmungsaufheller in tristen Zeiten wie diesen. „Wir machen bissel Athletiktraining und Stabilisationsübungen. So seh‘ und hör‘ ich die Jungs wenigstens“, sagt der FCO-Trainer mit leiser Stimme, die aber plötzlich heller wird: „Wenn wir dann wieder auf den Rasen dürfen, wird jeder wie ein kleines Kind strahlen.“

Auch die Vorfreude gehört zu Weihnachten, strahlende Gesichter ebenso. Vielleicht müssen sich die Amateurkicker noch einige Wochen gedulden, bis die Bescherung – die Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb – erfolgt. Vielleicht sogar bis Anfang April – dann als Überraschungsei im Osternest der kickenden Zunft.

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Erstellt:
11. Dezember 2020, 17:29 Uhr
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