SBFV diskutiert über Saisonfortsetzung

Freiburg (rap) – Der Südbadische Fußballverband sucht Austausch mit den Vereinen über mögliche Varianten für eine Saisonfortsetzung.

Wann die Amateurfußballer auf den Rasen zurückkehren dürfen, ist derzeit völlig offen. Foto: Frank Seiter

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Wann die Amateurfußballer auf den Rasen zurückkehren dürfen, ist derzeit völlig offen. Foto: Frank Seiter

Am Freitagabend war es für Christian Dusch so weit. Für den Vizepräsidenten des Südbadischen Fußballverbands (SBFV) stand eine Videokonferenz an. Wieder einmal. Nun tagte der für den Spielbetrieb zuständige Funktionär aber nicht in kleiner Runde mit den Verbandskollegen, sondern in einer durchaus großen. Dusch suchte den Austausch mit den Vereinen, erläuterte ihnen die derzeitigen Rahmenbedingungen und zeigte mögliche Varianten für eine Saisonfortsetzung auf. Dabei stieß der unverbindliche Online-Austausch auf reges Interesse, knapp 420 Personen nahmen daran teil.

Wie sehen die derzeitigen Rahmenbedingungen aus?

Bis mindestens 9. Januar 2021 ruht der Ball. „Die Lockerungen, die die Politik für die Weihnachtstage verkündet hat, betreffen nicht den Amateurfußball. Daher ist die Wiederaufnahme von Spiel- und Trainingsbetrieb momentan kein Thema“, sagte Dusch, der den Vereinen auch für die kommende Zeit wenig Mut machen wollte. „Auch ab dem 9. Januar wird Corona nicht verschwunden sein, sondern wird uns in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen. Darauf müssen wir uns einstellen“, führte der SBFV-Vizepräsident aus. Neben den Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie seien witterungsbedingte Spielausfälle im Winter „sehr wahrscheinlich, zumindest in Teilen des Verbandsgebiets“, so Dusch. Selbst wenn eine neue Corona-Verordnung ab dem 9. Januar den Spielbetrieb wieder erlauben sollte, sei eine sofortige Aufnahme daher utopisch. „Nach so einer langen Pause benötigen die Mannschaften mindestens drei bis vier Wochen Vorbereitungszeit.“ Somit wäre nach den Gedankenspielen des Funktionärs Anfang Februar der frühestmögliche Termin für den Restart. Aufgrund der volatilen Infektionslage und immer noch hohen Fallzahlen scheint allerdings selbst dieser Termin äußerst fraglich.

Wie ist die Lage in den einzelnen Spielklassen?

Je mehr Teams in einer Staffel vertreten sind, desto unwahrscheinlicher erscheint es, dass eine komplette Saison – also Vor- und Rückrunde – noch durchgeführt werden kann. In einer 18er-Staffel stehen nach der Winterpause rund 25 Spieltage aus, bei einer 16er-Staffel (etwa die Kreisliga A Nord) wären rund 21 Spieltage zu meistern. Bei einer Spielzeit von 1. Februar bis 15. Juni blieben den Vereinen damit 19 Wochenenden bis zum Saisonende, um eine komplette Runde zu absolvieren. Logische Konsequenz: Den Mannschaften drohen etliche Mittwochsspieltage. Zumal der SBFV bei dieser Rechnung keine weiteren Ausfälle wegen möglichen Corona-Verdachtsfällen, eine Pause nach der Vorrunde, mögliche Einschränkungen bei der Spielplanung sowie noch anstehende Pokalspiele eingerechnet hat. Dies würde die Anzahl an Mittwochsspieltagen weiter in die Höhe schrauben. Bei einer 18er-Staffel könnten die Wochenspieltage somit flugs auf acht oder neun anwachsen. Ein kaum zu stemmendes Pensum, gerade im Amateurfußball mit etlichen Schichtarbeitern und Studenten.

Wieso taucht in der Rechnung explizit der 15. Juni auf?

Die Saison 2020/21 endet regulär am 30. Juni. Den 15. Juni als letzten Spieltag nannte Dusch als Fixpunkt, da hinterher noch die Relegationsspiele, also die Partien, die über Auf- und Abstieg entscheiden, anstehen. Eine Verlängerung in den Juli/August sieht Dusch kritisch, um eine planmäßige Durchführung der Saison 2021/22 nicht zu gefährden und in Verzug zu kommen. „Durch den Impfstoff und die angekündigten Impfungen könnte im zweiten Halbjahr eine Erleichterung eintreten und die kommende Saison normal durchgeführt werden.“

Welche möglichen Varianten gibt es, um die Saison fortzusetzen?

Drei Szenarien scheinen – mehr oder weniger – durchführbar. Variante eins: eine komplette Runde spielen. Der Modus ist altbekannt, zudem wäre die Variante aufgrund der Heimspiele wirtschaftlich attraktiv für die Vereine. Jedoch stehen dem gegenüber viele Nachteile: höchste Anzahl an Spielen, hohes Risiko durch Spielausfälle und eine hohe Zahl an Spieltagen unter der Woche. Zudem wäre keine Umstellung auf einen anderen Modus nach Rückrundenbeginn mehr möglich. „Planen kann man alles, ob es angesichts der Rahmenbedingungen eine realistische Option ist, sei dahingestellt“, so Dusch. Möglichkeit zwei: Nur eine Hinrunde spielen. „Dieses Szenario kann notwendig werden, wenn wir nicht mehr genügend Spieltage zur Verfügung haben, um ein anderes Modell zu spielen“, erklärte der SBFV-Vizepräsident. Etwa, wenn die Infektionszahlen auch im Frühjahr hoch sein sollten oder gar ein weiterer Lockdown droht. Eine Hinrunde muss mindestens absolviert sein, um eine sportliche Wertung zu erzielen. Bliebe Variante drei: ein alternativer Modus.

Wie könnte dieser alternative Modus denn aussehen?

Erste Voraussetzung: Die Vorrunde zu Ende spielen. Danach rücken zwei Varianten in den Fokus: Playoffs/-downs oder eine verkürzte Rückrunde. Bei Ersterem spielen die Mannschaften der ersten und zweiten Tabellenhälfte im K.o.-System die Auf- und Absteiger aus. Nachteil bei dieser Variante: Die erzielten Punkte der Vorrunde würden keine Rolle mehr spielen. Dies wäre bei der verkürzten Rückrunde eben nicht der Fall. Dort würde die Liga nach der Vorrunde in eine „Meister-“ und „Abstiegsrunde“ geteilt werden, und die erspielten Punkte im „Jeder-gegen-Jeden“-System zu den erzielten Punkten der Vorrunde dazu gerechnet. „Meine Präferenz wäre eine verkürzte Rückrunde, da dort wirklich jede gespielte Partie in die Wertung fließen würde“, sagte Dusch.

Wie geht’s jetzt weiter?

Noch ist nichts entschieden. Der SBFV wird das Infektionsgeschehen und die Vorgaben der Politik genauestens beobachten. Weiterhin sucht der Verband das Gespräch mit den Vereinen, um sich ein Meinungsbild einzuholen, zu welcher Variante sie tendieren. Auch ist der SBFV laut Dusch offen für weitere Vorschläge vonseiten der Vereine.

Zum Thema: Stimmen zur SBFV-Videokonferenz

Norbert Welle (Vorsitzender des Verbandsligisten SV Bühlertal): „Ich finde es gut, dass der Südbadische Fußballverband Videokonferenzen abhält. So hält der Verband in diesen schwierigen Zeiten die Vereine auf dem Laufenden und sorgt für einen regen Austausch. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall, aber seit Thomas Schmidt und Christian Dusch die Ämter innehaben, hat sich die Zusammenarbeit verbessert. Die Konferenz ging eine Stunde. Sie war informativ, gerade was die Varianten der Saisonfortsetzung anbelangt. Wie es letztlich weitergeht, weiß im Moment niemand, keiner hat eine Glaskugel, in die er schauen kann. Realistisch betrachtet, ist es fast unmöglich, dass wir eine komplette Saison mit Vor- und Rückrunde noch spielen können. Persönlich finde ich die Variante mit den Playoffs/-downs sehr spannend, aufgrund des K.o.-Systems. Wirtschaftlich wären solche Heimspiele dann auch interessant. Das Minimalziel muss aber sein, mindestens eine komplette Hinrunde zu spielen, damit die Saison gewertet werden kann.“

Ralf Balzer ( Sportlicher Leiter des Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim): „In der derzeitigen Situation ist es die einzige Möglichkeit, für einen Austausch mit den Vereinen. Der SBFV war gut vorbereitet, hat die momentane Lage und die Varianten gut erläutert, sich sehr transparent gezeigt. Auch der Zeitpunkt für die Konferenz hat gepasst. Vielleicht klappt es ja und wir können irgendwann im Januar wieder mit dem Trainingsbetrieb starten. Aber eins ist auch klar: Eine normale Runde wird nicht mehr machbar sein, allein die etlichen Wochenspieltage sind den Mannschaften nicht zuzumuten. Daher wäre meines Erachtens die sportlich fairste Lösung, eine verkürzte Rückrunde zu absolvieren, da bei dieser Variante auch die erspielten Punkte der Hinrunde miteinfließen.“

Dominique Baranger (Spielausschuss des A-Kreisligisten FC Gernsbach): „Die Resonanz der Vereine spricht für sich, dass die Videokonferenzen ein gutes Mittel sind, um die Vereine über das weitere Vorgehen zu informieren. Anhand der vorgestellten Möglichkeiten hat man auch gesehen, dass sich der Verband Gedanken gemacht hat. Manche Vertreter waren etwas enttäuscht, dass es keine Entscheidung gab, aber das ist bei der unklaren Lage noch nicht möglich – bei so vielen Unwägbarkeiten. Oberste Priorität sollte sein, die Vorrunde zu Ende zu spielen. Eine komplette Saison durchzuboxen bei 14 und mehr Mannschaften in einer Staffel ist unmöglich. Wenn nach der Vorrunde Zeit bleibt, würde ich eine verkürzte Rückrunde favorisieren.“

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Erstellt:
30. November 2020, 17:00 Uhr
Aktualisiert:
30. November 2020, 17:54 Uhr
Lesedauer:
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