SBFV plädiert für Abbruch

Baden-Baden (rap) – Die endgültige Entscheidung steht noch aus, doch der Südbadische Fußballverband präferiert einen Abbruch der Saison 2019/20. Auf einem außerordentlichen Verbandstag müssen die Delegierten dem Vorschlag nun zustimmen.

Auf packende Zweikämpfe müssen die Fußballer in der Region wohl noch länger warten. Die derzeitige Runde steht aufgrund der Corona-Pandemie vor einem Abbruch. Foto: Seiter/Archiv

© toto

Auf packende Zweikämpfe müssen die Fußballer in der Region wohl noch länger warten. Die derzeitige Runde steht aufgrund der Corona-Pandemie vor einem Abbruch. Foto: Seiter/Archiv

Schlusspfiff für die Fußball-Saison 2019/20 im Amateurbereich? Oder geht die Runde im Herbst doch in eine Verlängerung? Diese Entscheidung müssen nun die Delegierten bei einem außerordentlichen Verbandstag am 20. Juni treffen. Darüber informierte am Dienstag der Südbadische Fußballverband (SBFV) gemeinsam mit dem badischen (BFV) und württembergischen Verband (WFV) bei einer Online-Pressekonferenz. Die gemeinsame Haltung der drei Verbände ist indes klar: Sie plädieren für einen Abbruch der Saison.

Die drei Landesverbände sprechen sich dafür aus, die wegen der Corona-Pandemie seit 12. März unterbrochene Saison nicht zu Ende zu spielen, da „nicht abschätzbar sei, wann Mannschaftssport, also auch wieder Fußballspiele im eigentlichen Sinne, wieder erlaubt sein werde“, sagte WFV-Präsident Matthias Schöck.

Gelten soll die Entscheidung in allen Spielklassen der Männer, Frauen und Jugend von den Verbandsligen bis zu den Kreisligen. Zudem werde sich der SBFV dafür einsetzen, dass auch die Gesellschafterversammlungen der Oberliga Baden-Württemberg und der Regionalliga Südwest in diesem Sinne entscheiden.

Quotientenregelung greift bei Aufstiegsfrage

Die Beschlussvorlage sieht vor, die Saison 2019/20 fristgerecht – also bis zum 30. Juni 2020 – ohne weitere Meisterschaftsspiele zu beenden. Es soll keine Absteiger, aber direkte Aufsteiger geben. Um die direkten Aufsteiger zu ermitteln, greift – wie beim Handball – die Quotientenregelung. Sollten zwei Vereine den gleichen Quotienten aufweisen, entscheidet zunächst die Tordifferenz, danach die erzielten Treffer. „Uns ist klar, dass dies ein heikler Punkt ist, der auch sicherlich zu Diskussionen führen wird, aber aus rechtlicher Sicht ist es die beste Lösung“, sagte SBFV-Präsident Thomas Schmidt. Im Gegensatz zum Handball, wo Vereine, die auf dem Relegationsplatz standen, ein Aufstiegsrecht erhielten, schauen die Amateurfußballer in die Röhre. „Platzierungen, die zur Teilnahme an Relegations- oder Aufstiegsspielen berechtigen, bedeuten nur eine Aufstiegschance. Ob aus dieser ein Aufstiegsrecht erwächst, kann sportlich nicht ermittelt werden“, so Schmidt weiter. Als „größtes Problem“ sieht der SBFV-Präsident für die kommende Saison den verschärften Abstiegskampf. Durch die Aufstockung der Ligen könnten bis zu fünf Teams absteigen.

Mehrheit der Vereine wohl für Abbruch

Während keine Meisterschaftsspiele mehr stattfinden sollen, hoffen die drei Verbände bei den Pokal-Wettbewerben auf eine erfolgreiche Verlängerung. „Falls irgendwie möglich, wollen wir den Pokal sportlich zu Ende bringen, auch nach dem 30. Juni. Hier streben wir Lösungen mit den wenigen im Pokal verbliebenen Mannschaften an“, erklärte der SBFV-Präsident. In den drei Verbänden stehen teils noch die Halbfinal- beziehungsweise Endspiele im Verbands- und Bezirkspokal an.

Bereits in den vergangenen Wochen haben sich die Verbände bei den Vereinen ein Meinungsbild eingeholt. Je näher es Richtung 30. Juni gegangen sei, desto häufiger seien die Vereine für einen Abbruch. „Ich würde die Befürworter auf rund zwei Drittel schätzen, also eine große Mehrheit“, sagte SBFV-Präsident Schmidt. Laut Zimmermann seien rund 60 Prozent der BFV-Vereine pro Abbruch, 30 Prozent wollen die Saison fortsetzen.

„Wir haben alle möglichen Szenarien auf Herz und Nieren geprüft, natürlich auch die rechtlichen Aspekte beleuchtet. Es war uns drei Verbänden klar, dass es die eine Wunschlösung nicht geben kann. Schließlich ist so ein Fall bislang in keinem Regelwerk zu finden“, erklärte BFV-Präsident Zimmermann die Corona-Ausnahmesituation: „Dadurch begeben wir uns rechtlich auf ein völlig unbekanntes Terrain. Das Abbruchszenario ist jedoch die haftungsschonendste Variante.“ Wenngleich WFV-Präsident Schöck einräumte, dass „bei jedem Szenario Klagen drohen“ könnten.

Lob für Zusammenarbeit

Den regen Austausch in den vergangenen zwei Monaten mit den beiden anderen baden-württembergischen Verbänden bezeichnete Zimmermann als einen „tollen Prozess“, der zu jeder Zeit „harmonisch und kollegial“ gewesen sei. „Ich bin glücklich, dass wir eine gemeinsame Regelung hinbekommen haben.“

Ob auch am 20. Juni eitel Sonnenschein herrschen wird, steht indes noch in den Sternen. Schließlich könnten die Delegierten auf dem außerordentlichen Verbandstag auch für das zweite Szenario – also eine Fortsetzung der Runde ab frühestens Anfang September – votieren. Außerdem möglich: Sollten die drei Verbände am 20. Juni unterschiedliche Beschlüsse fassen, würden diese auch in Kraft treten – und eine einheitliche Lösung wäre Geschichte. Zumindest weitere Szenarien, etwa eine Annullierung der Saison, stehen beim außerordentlichen Verbandstag nicht zur Wahl. Offen ist außerdem, in welchem Spielmodus die Saison 2020/21 ausgetragen wird.

Reaktionen aus dem Bezirk Baden-Baden

Die drei baden-württembergischen Landesverbände wollen den Spielbetrieb im Amateurfußball aufgrund der Coronavirus-Pandemie abbrechen. Die Alternative wäre eine Fortsetzung der Runde, allerdings frühestens ab September. Das letzte Wort haben die Vereine, auf einem außerordentlichen Verbandstag im Juni soll final abgestimmt werden. Im Bezirk Baden-Baden zeichnet sich ein klares Meinungsbild ab, wie die BT-Sportredakteure Michael Ihringer, Moritz Hirn und Christian Rapp abgefragt haben.

Matthias Frieböse (Trainer des Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim; 6. Platz): „Wichtig ist, dass jetzt erstmal Klarheit herrscht, auch wenn die Entscheidung auf dem Verbandstag erst noch bestätigt werden muss. Durch die Empfehlung des SBFV haben die Vereine jetzt auch Planungssicherheit für die neue Saison, was zum Beispiel die Transfers anbelangt.“

Johannes Hurle (Coach des Verbandsligisten SV Bühlertal; 10. Platz): „Es ist gut, dass der Verband sich jetzt klar positioniert hat und eine Entscheidung anstrebt. Diese haben die Vereine zu akzeptieren. So haben die Vereine jetzt Gewissheit und können für die nächste Saison planen. Klar ist, dass man es in so einer Ausnahmesituation nicht allen Vereinen recht machen kann.“

Patrick Anstett (Trainer des Verbandsligisten 1. SV Mörsch; Schlusslicht): „Es ist die richtige Entscheidung. Es wäre schwer geworden, die Saison sportlich zu Ende zu bringen.“

Achim Grimm (Vorstand des Landesligisten TSV Loffenau; Schlusslicht): „Wir müssen das intern noch besprechen, da gibt es viele Fragen zu klären. Der Nicht-Abstieg wäre naheliegend für uns natürlich das Beste. Wir hätten dies gerne auch sportlich in den restlichen Spielen geschafft, da sah es zuletzt auch nicht so schlecht aus. Andererseits wäre es meiner Ansicht nach das Vernünftigste noch abzuwarten, ob ab September eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs möglich ist.“

Stefan Voppichler (Sportvorstand des Landesligisten VfB Bühl; 2. Platz): „Der Vorschlag der Verbände ist richtig und nachvollziehbar. Ich denke, dass es auf einen Abbruch hinauslaufen wird. Damit hätten wir keine Probleme und würden auch keine Forderungen stellen. Wir sind zwar knapp Zweiter, aber es ist ja nicht sicher, dass wir auch am Ende dort gestanden hätten. Angesichts der Gesamtlage muss jeder Opfer bringen.“

Oliver Bethge (Trainer des Bezirksligisten SV Ulm; Tabellenführer): „Wir würden grundsätzlich gern auf regulärem Weg Meister werden, aber wenn zwei Drittel der Runde gespielt sind, wäre ein Abbruch aus meiner Sicht vertretbar. Ich rechne damit, dass es auch so kommen wird. Das hätte den Vorteil, dass alle Wechsel und ähnliche Dinge regulär über die Bühne gehen können.“

Armin Karamehmedovic (Trainer des A-Ligisten VFB Gaggenau; Tabellenführer): „Es ist wichtig, dass es keine Verlierer geben darf. Sollte der Abbruch am Verbandstag bestätigt werden, ist das natürlich super für uns. Dann steigen wir in die Bezirksliga auf. Ich bin einfach nur erleichtert, dass die Saison nicht komplett annulliert wurde. Das wäre für viele Mannschaften ungerecht gewesen.“

Angelo Marotta (Trainer des A-Ligisten FC Obertsrot; zweiter Platz): „Es ist sicherlich die naheliegendste Lösung, dass jetzt abgebrochen werden soll. Als Zweiter würden wir natürlich in den sauren Apfel beißen. Wir werden sicherlich jede Entscheidung akzeptieren, die schließlich am Verbandstag gefällt wird. In so einer Situation kann es eben auch Verlierer geben.“

Taner Sengül (Trainer des A-Ligisten SC Eisental; 15. Platz): „Die Saison wird wohl abgebrochen werden, ganz klar. So könnte man wenigstens die Wechselperiode durchziehen, denn ob ab dem 1. September gespielt werden kann, weiß ja keiner.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.