SC Freiburg: Das Warten geht weiter

Freiburg (mi) – Formverbessert, aber der erste Heimsieg lässt noch auf sich warten: Nach dem 2:2 gegen Mönchengladbach ist der SC Freiburg seit neun Spielen sieglos.

Scheut keinen Zweikampf: Freiburgs Nicolas Höfler (links), hier im Duell mit Gladbachs Florian Neuhaus. Foto: Tom Weller/dpa

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Scheut keinen Zweikampf: Freiburgs Nicolas Höfler (links), hier im Duell mit Gladbachs Florian Neuhaus. Foto: Tom Weller/dpa

Eine Flasche Champagner wird Christian Streich am Samstagabend nicht geköpft haben. Eher war ihm wohl nach einer großen Kanne Tee, welcher Geschmacksrichtung auch immer, zumute. Am besten garniert mit einem Topf Honig. Streichs Stimme wurde beim 2:2 seines Sport-Club Freiburg gegen Borussia Mönchengladbach bis aufs Äußerste strapaziert. Als Heavy-Metal-Sänger hätte er gestern nicht auf der Bühne stehen können, für die Trainingsanweisungen hat es indes noch gereicht.

Animateur, Einpeitscher, Moralprediger – Streich wirkte quasi als zwölfter Feldspieler lautstark an der Seitenlinie mit. Nach dem Schlusspfiff war er ebenso geschafft wie seine Schützlinge. Mit heiserer Stimme gab er von sich, was er jede Woche sagt, wenn er die nächste Enttäuschung kommentieren soll: „Das ist natürlich der Wahnsinn, was wir vergeben.“ Im ersten Moment überwog nach dem neunten sieglosen Spiel, dem fünften Heimspiel in Folge ohne Dreier, tatsächlich der Frust, was Streich statistisch sogleich untermauerte: „22 Torschüsse, vier oder fünf Riesenchancen.“

Gladbach seit 2002 ohne Sieg in Freiburg

Andererseits machte der eine dünne Punkt, die besten ersten 45 Minuten zu Hause im fast leeren Stadion, auch Mut. Er wurde immerhin gegen einen Gegner erkämpft und erspielt, der in der Champions League starke bis herausragende Leistungen abliefert und Real Madrid eliminieren könnte. „Insgesamt wollten wir mehr“, bekannte Gladbachs Coach Marco Rose, der neben Streichs höchst emotionalem Geschrei fast wie ein Chorknabe wirkte. Seit 2002 warten die Borussen also weiter auf den ersten Sieg in Südbaden. Der eingewechselte Patrick Herrmann hätte in der Nachspielzeit der Negativserie fast ein Ende gesetzt, doch frei vor Torwart Müller verzog er links um Zentimeter.

Solch ein Last-Minute-Tiefschlag hätte zu Freiburgs unheilvoller Allianz aus Pleiten, Pech und Pannen in dieser Saison perfekt gepasst. Auch für den besten Heimauftritt – selbst der zuletzt dilettierende Nicolas Höfler patzte diesmal nicht – blieb die Belohnung aus. „Fußball ist nicht gerecht“, konstatierte Streich. Wenigstens stimmte diesmal die Leistung und Moral, was gegen Mainz mitnichten der Fall war. Höfler und Santamaria, das Duo im zentralen defensiven Mittelfeld, lieferten diesmal auch einen starken Beitrag bei den SC-Toren. Beim 1:1 von Innenverteidiger Lienhart per Kopfball bediente ihn der Franzose mit einem spektakulären Fallrückzieher (32.), bei der 2:1-Führung wurde Höflers Solo im Strafraum von Lainer unsanft gestoppt, sodass Grifo aus elf Metern sicher vollstrecken konnte (49.).

Lienhart: „Wenn wir so spielen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir gewinnen“

Allerdings ist es auch zur unliebsamen Gewohnheit geworden, dass sich Streichs Mannen über eine Führung nicht lange freuen können, gegen Gladbach hielt sie keine 60 Sekunden. Pleas Kunstschuss in den Winkel aus 20 Metern war genial. Ähnlich spektakulär hatten die Borussen nach einer Traumkombination über Plea, Stindl und Torschütze Embolo den Torreigen eröffnet (23.).

Zum großen Befreiungsschlag fehlte dem Sport-Club der Lucky Punch: So traf Höler freistehend vor dem überragenden Gästetorwart Sommer erst den Pfosten, dann prallte der zurückspringende Ball von seinem Knie einen halben Meter übers leere Tor (15.). Auch der spielstarke Ideengeber Grifo zimmerte das Leder an den Pfosten (78.), während Superjoker Petersen aus drei Metern verzog (84.). Grifo fasste die ersten zehn Saisonspiele in einem treffenden Satz zusammen: „Wenn du die Kacke am Schuh hast, will nichts gelingen.“

Torschütze Lienhart gab sich dennoch zuversichtlich: „Wenn wir so spielen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir gewinnen.“ Der perfekte Zeitpunkt hierfür sollte schon der nächste Samstag sein, wenn Arminia Bielefeld gastiert. Das ist kein Champions-League-Teilnehmer, sondern Aufsteiger. Von daher wäre es ratsam, nicht wie gegen Mainz das nächste Schlüsselspiel zu vermasseln.

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Erstellt:
7. Dezember 2020, 07:30 Uhr
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