SC Freiburg: Letzte Reise für ein Trio

Berlin (mi) – Für Nico Sclotterbeck könnte es ein goldener Abschied werden – sollte der Innenverteidiger den Pott holen. Denn dann zieht es ihn zum BVB- Auch Torwarttrainer Kronenberg geht von Bord.

Michael Ihringer. Foto: Privat

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Das Pokalfinale als Saison-Highlight ist gleichzeitig auch die Zeit des Abschiednehmens von zwei SC-Profis und einem Mann im Hintergrund, der elf Jahre den Torleuten die Bälle um die Ohren jagte.

Nico Schlotterbeck läuft am Samstag letztmals im SC-Trikot als Innenverteidiger auf, ehe er für 20 Millionen Euro plus Boni zu Borussia Dortmund wechselt. Bis vor einem Jahr an Union Berlin ausgeliehen, schaffte er in dieser Saison den Quantensprung vom Rookie zum Nationalspieler, als erst 22-Jähriger besticht er mit seiner Ruhe, Übersicht, Zweikampfführung, Kopfballstärke. „Er hat viel gelernt in den vergangenen Jahren, was in Zukunft wichtig für ihn ist: Die Ernsthaftigkeit bei aller Lockerheit. Er hat uns sehr gut getan. Wir freuen uns für ihn, dass er künftig Champions League spielen kann“, sagt Trainer Christian Streich, der überzeugt ist: „Er wird sich nochmals zerreißen, dass wir den Maximalerfolg erzielen.“

Dass Janik Haberer noch zum Kader zählt, ist rückblickend eine Überraschung. Denn vor zwei Jahren standen die Zeichen klar auf Trennung. Haberer wollte weg, doch kein anderer Verein biss zu seinen Vorstellungen an. Dass er wieder in den Kreis der SC-Familie ohne Vorbehalte aufgenommen wurde, spricht auch für Streichs menschliche Stärke. Haberer berappelte sich, blieb angesichts der großen Konkurrenz im Mittelfeld aber Ergänzungsspieler und wechselt nun zu Union Berlin. Streich: „Wir wissen, was wir an ihm hatten, er weiß, was er an uns hatte.“

Enges Verhältnis zu Kronenberg

Ein enges Verhältnis pflegte Streich zu Andreas Kronenberg, dem Torwarttrainer. Der Schweizer hat in seiner Amtszeit Oliver Baumann, seinen Landsmann Roman Bürki, Alexander Schwolow, Florian Müller und Mark Flekken als jeweilige Nummer eins betreut, wobei die ersten Drei dem Verein nach ihrem Wechsel nach Hoffenheim, Dortmund und Berlin Millionensummen einbrachten. Flekken ist inzwischen niederländischer Nationaltorwart. „Jemanden mit dieser Qualität findet man nicht überall. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis“, verteilte Flekken im „kicker“ verbale Abschiedsblumen.

„Es war eine sehr schöne Zeit, die Zusammenarbeit war in allen Bereichen außergewöhnlich. Die Gefahr, in einen Trott zu geraten, ist hier nicht gegeben. Ich bin dem Verein dankbar, es bestand ein großes Vertrauensverhältnis“, sagt der Gelobte. Für den studierten Sozialpädagogen, der auch schon im Jugendhaus beim FC Bayern arbeitete, was er heute als „lehrreiche Jahre“ bezeichnet, empfand das tägliche Training an der Dreisam und seit einigen Monaten rund ums Europa-Park-Stadion „nie als Arbeit, es war Leidenschaft und mit viel Verantwortung verbunden. Das machte wahnsinnig viel Spaß“.

Wechsel zum DFB

Mit Streich verband ihn neben dem „schwizerdütschen“ Dialekt gewiss auch, selbst Profierfahrungen gemacht zu haben, wenn auch nicht auf allerhöchstem Niveau. In Ahlen, Ditzingen, Erfurt stand er im Tor, ehe bei Rot-Weiß nach einem Kreuzbandriss die aktive Karriere beendet war. Die elf Jahre waren intensiv. „Christian und ich haben uns auch mal gefetzt, es ist aber nie etwas hängengeblieben. Wir konnten danach auch wieder zusammen was essen gehen“, erzählte er im Vereins-TV.

In der letzten Woche vor seinem Wechsel zum DFB bereitete er Mark Flekken akribisch auf das Finale vor. Der Torwart könnte am Samstag entscheidend sein. Vielleicht auch im Elfmeterschießen. Andreas Kronenberg hält im Kopf bei jeder Parade mit. Das doppelte Finale wird auch für den sonst stoischen Eidgenossen nochmal zum Nervenstress.

Unser Mann in Berlin

Der Sport-Club Freiburg hat mit dem erstmaligen Einzug ins DFB-Pokalfinale den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erreicht. Seit Jahrzehnten berichtet Michael Ihringer für das BT über den Sport-Club. Selbstredend ließ er es sich nicht nehmen, die Streich-Elf auch nach Berlin zu begleiten. Der ausführlichen Vorberichterstattung (Abschluss-Pressekonferenz, Pro-und-Contra, Begleitgeschichte) wird in unserer Montagsausgabe eine Analyse des Endspiels, der dazugehörige Kommentar sowie alles weitere Wissenswerte zum DFB-Pokalfinale folgen.

Verlässt den SC Freiburg in Richung Borussia Dortmund: Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (rechts). Foto: Marius Becker/dpa

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Verlässt den SC Freiburg in Richung Borussia Dortmund: Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (rechts). Foto: Marius Becker/dpa

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BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
20. Mai 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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