SC-Zufriedenheit über gelungene Saison

Freiburg(mi) – Auch wenn es nichts mit der Europa League wurde: Fußball-Bundesligist SC Freiburg wird die Saison auf einem einstelligen Platz beenden. Spieler, Trainer und Fans sind sehr zufrieden.

Trainer Christian Streich hat mit seinen Schützlingen eine außerordentlich gute Saison absolviert. Foto: Hoppe/dpa

© dpa

Trainer Christian Streich hat mit seinen Schützlingen eine außerordentlich gute Saison absolviert. Foto: Hoppe/dpa

Dass es dann letztlich nichts mit der Europa League wurde, ist eigentlich ein Segen für den Sport-Club Freiburg. Jeder im Breisgau kann sich noch gut zurückerinnern, als vor sieben Jahren der Einzug in den Europacup gefeiert wurde – ein Jahr später nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase wurde als 14. der Bundesliga-Klassenerhalt gerade mal so geschafft, wiederum zwölf Monate danach heulte Christian Streich mit seinen Spielern nach dem Saisonfinale in Hannover. Der Abstieg 2015 war neben anderen Defiziten besonders der kraftraubenden Zusatzbelastung geschuldet, die der Europacup zwangsläufig mit sich bringt: Die Belohnung einer Super-Saison als schwere Bürde für die nachfolgenden.
„Ich denke, dass es auch diesmal ein enormer Kraftakt geworden wäre“, glaubt Sportvorstand Jochen Saier. Freiburg hat nicht einen so üppigen Kader wie zum Beispiel der finanziell viel besser aufgestellte VfL Wolfsburg. „Europa ist nicht unser unbedingtes Ziel“, stellte Lucas Höler schon vor Wochen offen fest.

Auch der reisefreudige Streich weiß, welche Belastungen auf seine Schützlinge zugekommen wären. „Am Donnerstag irgendwo rumreisen und am Sonntag kommen dann gute Mannschaften zu uns wie vielleicht Frankfurt oder Hertha. Dann wird es richtig kompliziert. Da geht es um die Quadratur des Kreises“, erläuterte der erfahrene Trainer seine Bedenken.

Wichtiger ist für ihn Folgendes: „Ich kann und will mich nicht an leere Stadien gewöhnen. Glücklich bin ich nur, wenn wir unseren Fans einen tollen Tag bieten können. Und ich glaube, dass unsere Fans sehr zufrieden mit uns sind.“ Da der Sport-Club in der morgen zu Ende gehenden Saison bereits vier Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt besiegelte, haben Streich und seine Schützlinge alles richtig gemacht, mit keinem anderen Ziel startet man Jahr für Jahr in die Punktehatz.

Die Südbadener stehen nicht zuletzt deshalb so gut da, weil erstmals seit Jahren sämtliche Leistungsträger an Bord blieben. Der Kader war gar so gut bestückt, dass selbst Ausnahmekönner wie der italienische Nationalspieler Vincenzo Grifo, der bereits zum zweiten Mal nach erfolglosen Intermezzi in Hoffenheim und Mönchengladbach reumütig in den Schwarzwald zurückkehrte, oder DFB-Stürmer Luca Waldschmidt keine Stammplätze sicher haben.

Sogar Nils Petersen, der beste Joker der Bundesliga-Historie (25 Tore nach Einwechslungen), muss sich bisweilen beim Anpfiff mit der Bankrolle begnügen. Auch wenn es ihm gewiss nicht gefällt, mosert der Publikumsliebling niemals. „Nils ist kein Joker. Er ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, der alles für die Mannschaft macht – auch wenn es ihm wehtut. Ich als Trainer muss danken, dass ich mit so jemandem arbeiten darf“, schwärmt Streich von Petersens Sozialkompetenz im Egogewerbe Profifußball. Die gute Chemie im Team trug zur starken Saison-Performance maßgeblich bei, wie Saier bestätigt: „Das ist bei uns ein elementarer Baustein.“

Auch auswärts stabil

Aus dem einst auswärtsschwachen Team ist inzwischen auch eine stabile Einheit in der Fremde geworden. Keiner der gastgebenden Gegner schreit mehr Hurra, wenn der SC-Bus anrollt. In der heimischen Trutzburg boten die Breisgauer zudem zumeist ein Offensivspektakel. So wurde RB Leipzig besiegt, Angstgegner Borussia Dortmund ein Punkt abgeknöpft, selbst gegen die Über-Bayern fehlten nur Sekunden zum Punktgewinn. Gerade die stets gefährlichen Standards mit den Freistoß-Spezialisten Grifo und dem anderen Rückkehrer Jonathan Schmid erwiesen sich als höchst effektive Waffe.

Nur gegen die tief stehenden Abstiegskandidaten Bremen, Düsseldorf und Paderborn tat man sich ungemein schwer. Streich kritisch: „Es darf nicht sein, dass du in drei solchen Spielen keine Tore machst zu Hause.“ Die drei Heimniederlagen verhinderten künftige Zusatzeinnahmen in der Europa League.

Was aber auch deshalb zu verschmerzen ist, da der schuldenfreie Sport-Club spätestens im neuen Jahr vom kleinen, idyllischen Schwarzwaldstadion an der Dreisam ins neue Traumdomizil im Westen der Stadt umzieht. Mehr als 10.000 zusätzliche Fans finden dort Platz. Dann werden die Südbadener wirtschaftlich zumindest zur wettbewerbsfähigen Mittelstandsgröße unter all den Branchen-Schwergewichten.

In der nächsten Saison wird es indes einen personellen Einschnitt geben. Waldschmidt und der ebenfalls zum Nationalspieler gereifte Allrounder Robin Koch sind nicht mehr zu halten. Die SC-Kasse wird wieder klingeln. Bedeutsam wäre der Verbleib von Alexander Schwolow, der mittlerweile zu den fünf besten deutschen Torleuten zu zählen ist. Vor und nach seiner Verletzung hat er dem Team etliche Punkte festgehalten, auch sein Ersatz Mark Flekken überzeugte.

Die wichtigste Personalie stellt freilich die Verlängerung vom Erfolgstrainer dar. „Christian lebt diesen Verein und trägt die Philosophie des SC im Herzen“, ist Jochen Saier erleichtert. Der perfekte Teamarbeiter Streich hat in Patrick Baier, Lars Voßler, Ex-Profi Florian Bruns, Andreas Kronenberg und Daniel Wolf extrem zuverlässige Zuarbeiter. Saier: „Christian und sein Team arbeiten mit großer Qualität, Hingabe und Leidenschaft für unseren Verein.“

Seit 1995 ist Streich für den Sport-Club tätig, der 1993 erstmals in die Bundesliga aufstieg. Dreimal wurde er mit der U19 DFB-Pokalsieger, einmal gar deutscher Meister. Seit 29. Dezember 2011 hat er bei den Profis das Sagen und bis auf den einen Ausrutscher sämtliche Saisonziele erreicht, oft gar wie diesmal überperfomt. „Ich bin gerne Trainer hier. Und ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre Trainer sein kann.“

Für den hochemotionalen Energiebolzen gilt es, abseits des Rasens abzuschalten. Ob auf dem Fahrrad oder im Theater. „Ich war schon ein paar Mal weichgekocht nach der Saison, aber ich habe mich immer wieder gut erholt, wenn ich raus war aus dem Karussell.“ Jeder weiß: Wenn sich Streich gut fühlt, geht es auch dem Sport-Club gut.

Zum Artikel

Erstellt:
25. Juni 2020, 16:40 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 47sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.