SPD will Klinikentscheidung verschieben

Rastatt (fk) – Die Bürgerinfo zur möglichen Klinikfusion in Mittelbaden entfällt. Stattdessen gibt es eine Online-Alternative am 5. November. Der Kreis-SPD reicht das nicht.

Virtuelle Info: Über das Portal zukunftkmb.buehl.digital können sich Interessierte am 5. November einwählen und per live-Chat direkt Fragen in die Diskussion mit einbringen.  Foto: Klinikum Mittelbaden

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Virtuelle Info: Über das Portal zukunftkmb.buehl.digital können sich Interessierte am 5. November einwählen und per live-Chat direkt Fragen in die Diskussion mit einbringen. Foto: Klinikum Mittelbaden

Es soll alles ganz schnell gehen – noch in diesem Jahr, im Dezember, soll die Entscheidung fallen, ob ein Zentralklinikum in Mittelbaden gebaut wird oder nicht. Vorher sollte es Infoveranstaltungen für die Bürger geben – an allen bisherigen Standorten. Die müssten aufgrund des Corona-Lockdowns jetzt eigentlich ins Wasser fallen. Das tun sie auch, aber nur rein physisch. Das Klinikum will sie durch eine virtuelle, ins Internet übertragene Veranstaltung ersetzen. Die Kreis-SPD hält davon wenig und will die Entscheidung verschieben.
Ein offener Prozess sei so nicht ausreichend gewährleistet, verlautet es in einer Mitteilung der Sozialdemokraten. Und weiter: Bei Online-Veranstaltungen würden erfahrungsgemäß nur wenige Personen teilnehmen. Wer nicht über die entsprechende Ausstattung verfüge oder in Gebieten wohne, wo keine ausreichende Breitbandversorgung besteht, habe das Nachsehen.

Die geplanten Bürgerinformationsveranstaltungen hätten in Bühl, Gaggenau, Baden-Baden und Rastatt stattfinden sollen. Die Online-Alternative soll nun am 5. November über die Bühne gehen. Beginn ist laut Mitteilung des Klinikums Mittelbaden um 18.30 Uhr.

Online-Info live im Internet

Die Veranstaltung wird live übertragen, über das Portal zukunftkmb.buehl.digital können sich Interessierte einwählen und per live-Chat auch direkt Fragen in die Diskussion mit einbringen, heißt es weiter. Alternativ könnten Fragen auch schon im Vorfeld per Mail an zukunft@klinikum-mittelbaden.de gesendet werden. Die Beantwortung erfolge dann live während der Veranstaltung. Eine Aufzeichnung der Informationsveranstaltung wird anschließend ins Internet gestellt.

Die Kreis-SPD moniert indes, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit aus den vorgenannten Gründen bei diesem Vorgehen nicht ausreichend gewährleistet sei, was bei einer solchen Thematik jedoch eine grundlegende Bedingung sei. Die SPD will daher nicht nur die örtlichen Bürgerinfoveranstaltungen verschoben wissen, sondern auch die Entscheidung über die Zukunft des Klinikums. Das zumindest lässt sich aus den Aussagen des Fraktionsvorsitzenden, Dieter Knittel, ablesen: „Auf Biegen und Brechen jetzt noch bis Jahresende eine derartig weitreichende Entscheidung zur Zukunft des Klinikums zu treffen, können wir nicht mittragen. Es müssen vorher alle Interessierten die Möglichkeit haben, sich an der Diskussion zu beteiligen.“

Fusion „alternativlos“

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass sich der Rastatter Kreistag am 22. Dezember ausschließlich mit dem Thema Zentralklinikum befasst. Auch der Baden-Badener Gemeinderat will noch im Dezember eine Entscheidung fällen.

Denn die Notwendigkeit für den Bau, da sind sich die Verantwortlichen von Klinikum sowie Land- und Stadtkreis Baden-Baden einig, ist unumstritten. Ein Strukturgutachten der Aktiva Beratung im Gesundheitswesen GmbH mit Sitz in Köln hatte Anfang Juli Entsprechendes vorgeschlagen.

Der zu Beginn des Monats aus dem Amt geschiedene Klinik-Geschäftsführer Jürgen Jung hatte gegenüber dem BT zentrale Beweggründe genannt: Allein 2019 hätte es 1.500 Verlegungen von Patienten innerhalb des Klinikums Mittelbaden (KMB) gegeben, weil die medizinische Expertise am jeweiligen Standort nicht vorhanden war. „So etwas ist nicht sinnvoll und das kann heute auch keiner mehr wollen“, so Jung. Ein Kulminieren des Wissens, ein Haus, in dem alle Abteilungen und alle Spezialisten rund um die Uhr vertreten seien, erhöhe die Behandlungsgeschwindigkeit deutlich. Das sei für eine erfolgreiche Genesung das Wesentlichste und gleiche auch die eventuell etwas längere Anfahrt zu einem zentralen Standort aus. „Solange man das Klinikum in 30 Minuten erreicht, ist alles gut“, so Jung.


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