SV 08: Neustart nach Frieböse-Rücktritt

Kuppenheim (rap) – Am Montag gab Trainer Matthias Frieböse seinen Rücktritt beim Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim bekannt. Das Team war geschockt, muss nun aber in Elzach-Yach in die Spur finden.

„In der jetzigen Situation brauchen wir Männer, die sich fürs Team aufopfern“: Mittelfeldspieler und Co-Trainer Faruk Karadogan (rechts). Foto: Frank Seiter

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„In der jetzigen Situation brauchen wir Männer, die sich fürs Team aufopfern“: Mittelfeldspieler und Co-Trainer Faruk Karadogan (rechts). Foto: Frank Seiter

Der Neustart im Wörtel begann mit Tränen. Als Matthias Frieböse am Montagabend vor versammelter Mannschaft seinen – durchaus überraschenden – Rücktritt als Trainer des SV 08 Kuppenheim verkündete, waren die Spieler entsetzt. Fassungslos. Geschockt. Bei dem einen oder anderen flossen gar Tränen. Bei gestandenen Männern wohlgemerkt. Diese emotionalen Minuten, die sich da im Kreis der Mannschaft abspielten, waren aber auch wieder mal ein Beleg dafür, dass Fußball mehr ist als nur 22 Männer, die einem runden Leder hinterherrennen. Fußball ist Kameradschaft, Vertrauen, Leidenschaft.

Faruk Karadogan, immerhin auch schon 35 Lenze alt, seit fünf Jahren beim SV 08 und im vergangenen Jahrzehnt so etwas wie Mister Verbandsliga, hat in seinem Fußballerleben schon viel erlebt und gesehen. Doch an solch denkwürdige Minuten kann sich auch der Routinier im 08-Mittelfeld nicht erinnern. „Das zeigt, wie emotional unser Sport ist, was uns die Zusammenarbeit mit Matthias bedeutet hat. Wir haben hier in den vergangenen Jahren gemeinsam mit ihm viel aufgebaut, ich bin unter ihm zum Kapitän und Co-Trainer geworden. Ich habe ihm viel zu verdanken. Ich kann es irgendwie immer noch nicht glauben. Es fühlt sich immer noch an wie in einem schlechten Traum“, sagt Karadogan.

Karadogan: „Das Team ist nun gefordert“

Doch seit Montagabend ist nun eine neue Zeitrechnung im Wörtel angebrochen, so viel steht fest. Mit vielen Fragezeichen und offenen Variablen. Ein Trainer muss gesucht und gefunden werden, der zu der jungen 08-Mannschaft passt, der Talente entwickeln kann. Denn die Frieböse-Ära bei den Schwarz-Blauen ist Vergangenheit – zweifelsfrei eine ziemlich erfolgreiche. Binnen drei Jahren führte der 36-Jährige die Knöpflestädter vom Abstiegskandidaten in den erweiterten Spitzenkreis der Verbandsliga heran. Nun zählt aber nur noch das Hier und Jetzt, der harte Alltag im Tabellenkeller. Das weiß auch Karadogan, der zusammen mit dem sportlichen Leiter Ralf Balzer am Sonntag die Elf im Spiel bei der SF Elzach-Yach betreuen wird. Vier Spiele, drei Niederlagen, 5:13 Tore sind durchaus alarmierende Zahlen. „Das Team ist jetzt gefordert“, sagt der Mittelfeldspieler. „Wir müssen eine Reaktion zeigen.“

An welchen Stellschrauben wird Karadogan drehen? Personell legt sich der 35-Jährige zumindest bei zwei Spielern fest. „Steven Herbote und Andi Weisgerber erhalten von mir eine Startelfgarantie für Sonntag. Die Zwei sollen vorangehen“, erklärt Karadogan. Beim Rest werde er am Sonntag entscheiden. „In der jetzigen Situation brauchen wir Männer, die sich fürs Team aufopfern. Ich will in den Augen der Jungs ein Feuer brennen sehen.“

Ob er selbst auf dem Platz stehen kann, ist noch ungewiss. Bei der 0:3-Niederlage gegen den Kehler FV hatte Karadogan bei einem Zusammenprall eine Platzwunde oberhalb des Auges erlitten, die während der Woche immer wieder aufgegangen ist. Zudem fehlt Innenverteidiger Marco Oremek, der im Urlaub weilt. Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, der 08-Kader ist zwar ziemlich breit aufgestellt – abgesehen von eben einer Position: die Innenverteidigung. Vor der Runde musste der SV 08 die Abgänge von Denis Smuda und Dennis Schorb verkraften, beim ersten Saisonspiel riss sich Marco Lumpp erneut das Kreuzband – Saisonende.

Defensive stabilisieren, vorne Nadelstiche setzen

Dabei möchte Karadogan gegen den heimstarken Aufsteiger SF Elzach-Yach vor allem die „Defensive stabilisieren. Wir müssen wieder mehr Körperlichkeit in unser Spiel bekommen. Das ist völlig untypisch für uns“. Nach vorne sollen Nadelstiche über die Außenbahnen zum Torerfolg führen. „Ich will gar nicht groß auf den Gegner eingehen. Wir müssen auf uns schauen, unsere Leistung auf den Platz bringen“, sagt Karadogan.

Und die taktischen Fehler abstellen, die sich in dieser Saison ins 08-Spiel eingeschlichen haben. „Ich fand unser Spiel gegen Kehl nicht schlecht, sieht man von den taktischen Fehlern ab“, so der 35-Jährige. Außerdem habe er die letzte Entschlossenheit vermisst, die „Geilheit, unbedingt ein Tor zu erzielen“. Das, so Karadogan, habe sich schon durch die vergangene Saison durchgezogen.

Am Sonntag freilich würde schon ein Tor reichen, wenn hinten die Null steht. Es wäre ein perfekter Start in eine neue Zeitrechnung – trotz aller

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Erstellt:
18. September 2020, 06:00 Uhr
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