SV Bühlertal: Suche nach der Konstanz

Bühlertal (rap) – Auf dem heimischen Mittelberg ist der Fußball-Verbandsligist SV Bühlertal nahezu unbezwingbar, in der Fremde dagegen wartet die Hurle-Elf noch auf den ersten Saisonsieg.

Geht nach langer Verletzungspause in der Rückrunde wieder in die Dribblings: Jonas Knobelspies (links). Foto: Frank Seiter

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Geht nach langer Verletzungspause in der Rückrunde wieder in die Dribblings: Jonas Knobelspies (links). Foto: Frank Seiter

Der Fußball lebt seit jeher von kuriosen Statistiken, bemerkenswerten Serien und schier unglaublichen Spieldaten. In den 90er Jahren, man kann es anno 2022 kaum mehr glauben, war der Lauterer Betzenberg etwa die gefürchtetste Erhebung der ganzen Fußball-Republik. Selbst die bajuwarischen Allessieger bissen sich in der Pfalz oft die Zähne aus. In der vergangenen Saison bibberte dann Tasmania Berlin heftig um die Rekord-Sieglosserie, als der FC Schalke 04 von Niederlage zu Niederlage tölpelte.

Auch der SV Bühlertal ist in dieser Verbandsligasaison bislang Experte für so manch kuriose und nur schwer erklärbare Serie. Auf dem heimischen Mittelberg baut die Truppe von Trainer Johannes Hurle, der im Sommer nach vier Jahren eine schöpferische Pause einlegen wird, seit August 2020 (1:2-Niederlage gegen Teningen) Spieltag für Spieltag an einer schier uneinnehmbaren Festung.

Platz vier in der Heimtabelle

In dieser Runde versuchten bislang acht Mannschaften, den Mittelberg zu stürmen. Zweien, dem SV 08 Kuppenheim (1:1) und SC Lahr (1:1), gelang zumindest ein Teilerfolg. Die anderen, darunter auch Spitzenreiter Offenburger FV (0:2), zogen als gerupfte Hühner von dannen. Dementsprechend beeindruckend sind auch die Heimzahlen: Acht Spiele, sechs Siege, zwei Remis, 20:6 Tore, Platz vier in der Heimtabelle. „Auf dem Mittelberg treten wir mit ganz breiter Brust auf“, sagt SVB-Trainer Hurle. „Mit einem gewissen Gefühl der Unbesiegbarkeit.“

Doch davon ist nahezu nichts mehr zu spüren, sobald die Rot-Weißen ins Tal Richtung Südbaden fahren – egal ob nach Elzach-Yach, Denzlingen oder Radolfzell. Denn meist sind die Sporttaschen auf der Rückfahrt – abgesehen von dreckigen Kickschuhen – leer, vor allem punktetechnisch. Die Hurle-Elf ist in dieser Saison auswärts noch ohne Sieg, lediglich zwei Unentschieden (jeweils 1:1 in Teningen und Weil) stehen auf der Habenseite. Dafür aber gleich sechs Niederlagen und 19 Gegentore. „Ausbaufähig“ findet der SVB-Coach die Bilanz in der Fremde. „Wir wollen und können uns verbessern, das werden wir in der Rückrunde zeigen“, verspricht Hurle. Denn gänzlich schlecht seien die Auswärts-Auftritte ja nicht gewesen, meint der 31-Jährige: „In Villingen und Pfullendorf waren wir sicherlich nicht schlechter, haben aber unglücklich verloren.“ Vielmehr sei es eine „Ergebniskrise“, für die der Realschullehrer auch durchaus eine Erklärung liefert: fehlende Erfahrung. „Vor der Saison mussten wir Sebastian Keller, Christian Schmidt und Jonathan Steinmann ersetzen. Das haben wir hauptsächlich mit jungen Füchsen gemacht, die gerade auswärts ordentlich Lehrgeld gezahlt haben“, sagt Hurle. Zudem traf den SVB auch das Verletzungspech. Im Pokalspiel Anfang August zog sich Wirbelwind Jonas Knobelspies eine Schultereckgelenksprengung zu – und verpasste die gesamte Hinrunde. Wie auch Lucas Scharer, eine weitere Stütze des Teams. „Sehnsüchtig“ erwartet Hurle das Comeback des Duos. Wie „Neuzugänge“ seien die Beiden. Gerade Knobelspies sei mit seiner Technik, Schnelligkeit und Torgefährlichkeit „ein Unterschiedsspieler“.

Flut an Standard-Gegentoren

Mit Comebacker Knobelspies soll dann beim Trainingsauftakt ab dem 17. Januar an den zwei Gesichtern des SV Bühlertal gearbeitet werden: Die Heimstärke beibehalten, auswärts die Sieglosserie beenden. Also weiterhin viel Dr. Jekyll, aber nur noch ganz wenig Mister Hyde. Außerdem möchte Hurle an zwei weiteren Stellschrauben drehen. „In den Minuten vor und nach der Pause haben wir in dieser Saison immer wieder Schwächephasen gehabt, das müssen wir abstellen“, fordert der SVB-Trainer. Zudem soll die Flut an Standard-Gegentoren abgestellt werden. „Da haben wir zu oft gepennt, zu schlecht verteidigt.“

Auf seine letzten 16 Spiele beim Tabellenelften freut sich Hurle „ungemein“. Denn der SVB-Coach will sich selbstredend mit dem Klassenerhalt vom Mittelberg verabschieden: „Das wird zwar ein hartes Brett, aber die Jungs haben bisher einen anständigen Job gemacht, die jungen Füchse schon einige wertvolle Erfahrungen zugewonnen.“

Einen Wunsch hat Johannes Hurle schließlich für den Spätsommer dann doch: „Ich hoffe, dass ich viele Spiele als Fan auf dem Mittelberg verfolgen kann – in der Verbandsliga.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
14. Januar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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