SV Bühlertal empfängt SV 08 zum Derby

Bühlertal (rap) – Es ist angerichtet: Am Samstagmittag steigt auf dem Mittelberg das Fußball-Verbandsliga-Derby zwischen dem SV Bühlertal und dem SV 08 Kuppenheim.

Duellieren sich am Samstag: Kuppenheims Steven Herbote (vorne) und SVB-Dauerläufer Marcel Heller. Foto: Frank Seiter

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Duellieren sich am Samstag: Kuppenheims Steven Herbote (vorne) und SVB-Dauerläufer Marcel Heller. Foto: Frank Seiter

Natürlich hatten sie wieder Kontakt. So wie (fast) jede Woche – Johannes Hurle und Lucca Strolz. Dann glühen die Telefondrähte, es wird über das vergangene Wochenende in der Fußball-Verbandsliga diskutiert, Spiele analysiert sowie Stärken und Schwächen der kommenden Gegner ausgetauscht. Der eine, Hurle, ist nämlich Trainer des SV Bühlertal, der andere, Strolz, coacht den SV 08 Kuppenheim.

In dieser Woche war „König Fußball“ aber nur – wenn überhaupt – Randaspekt in den Gesprächen. Dies dürfte freilich daran liegen, dass Strolz frischgebackener Vater einer Tochter ist und Hurle – seit April Papa – vielleicht seinem Trainerkollegen bereits den einen oder anderen (wertvollen) Ratschlag mit auf den Weg gegeben hat. Zuvorderst dürfte es aber damit zu tun haben, dass sich beide schon am Samstag sehen, und zwar auf dem Mittelberg, wenn um 16 Uhr das Derby ansteht. „Über das Spiel müssen wir nicht reden. Ich weiß, wie Johannes spielt, und er weiß, was für einen Fußball ich spielen lasse. Ich glaube nicht, dass einer von uns den Fußball bis Samstag neu erfindet oder mit einer neuen Spielweise sein Gegenüber überrascht. Ich freue mich auf die Partie und gegen Johannes spielen zu dürfen“, sagt Strolz. Beide kennen und schätzen sich seit gemeinsamen Tagen im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC, als sie ihre ersten Schritte im Trainergeschäft gemacht haben.

Strolz: „Phase, die an die Nerven geht“

Nun treffen die Trainer-Talente (Hurle ist 31 Jahre alt, Strolz 28) mit ihren Mannschaften erstmals aufeinander. Dabei dürfte bei Anpfiff die Gemütslage ziemlich ähnlich sein, denn morgen steigt nicht nur DAS Mittelbaden-Derby schlechthin und eines zweier Freunde, sondern auch das Duell der Enttäuschten. Denn die Stimmung in den beiden Lagern ist, nun ja, derzeit ziemlich gedrückt. Der SVB präsentiert sich seit Ligastart konsequent als Dr. Jekyll und Mister Hyde. Auf dem heimischen Mittelberg wird der stürmische Mister Hyde ausgepackt, der Gegner reihenweise abwatscht und verzweifeln lässt (noch keine Niederlage, 13 Punkte), während in der Fremde elf brave Dr. Jekylls auf dem Platz stehen, die als Punktelieferant dienen (nur zwei Zähler). „Sehr enttäuscht und geknickt“ sei er nach der erneuten Auswärtsniederlage in Pfullendorf (1:2) gewesen, berichtet Hurle.

Auch der SV 08 hat in dieser Runde die gesamte Gefühlspalette von „himmelhoch jauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ hinter sich – nach gerade mal zwölf Spieltagen. Nach den ersten fünf Partien herrschte noch eitel Sonnenschein rund ums ehrwürdige Wörtel. Ungeschlagen war die Strolz-Truppe, ein Rädchen griff ins andere, gar von der Tabellenspitze wurde gegrüßt. Doch dann setzte es eine 0:1-Heimniederlage gegen den FC Auggen, es war der Beginn einer veritablen Ergebnis- und zuletzt auch Spielkrise: Sieben Partien sind die Wörtelkicker nun ohne Sieg, stattdessen kommt statt Punkten jede Woche fast ein neuer Verletzter hinzu. „Es ist eine ganz schwere Phase, die an die Nerven geht. Ich hatte in dieser Woche nur zehn gesunde Feldspieler im Training. Es tut weh, so wenige im Training zu haben. Wir müssen die Situation so nehmen, wie sie ist. Jammern hilft nicht“, sagt Strolz, dessen Truppe am Montag dann gegen Villingen II gefordert ist.

Hurle: Standards in Strafraumnähe vermeiden

Beide Teams rangieren noch über dem ominösen Strich, doch die Luft wird dünner. Der SVB (15 Punkte) steht auf Platz neun, Kuppenheim (14 Zähler) liegt als Rangelfter zwei Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. Da müsste so ein Derby genau zur richtigen Zeit kommen, denn so ein Spiel unter Freunden und guten Bekannten kennt keine Formkrisen, keinen Favoriten oder gewisse (Horror-)Serien, sondern nur eines: die Tagesform. „Ich weiß nicht, ob die Partie zum richtigen Zeitpunkt kommt. Das kann ich erst danach sagen“, meint Strolz und lacht. „In unserer Lage helfen nur drei Punkte, um das Feuer zu entfachen, mit einem Derbysieg lodert es natürlich mehr.“

Dies möchte der SVB natürlich unter allen Umständen verhindern, die Heimserie – über ein Jahr ohne Niederlage – soll weiter bestehen. Gewarnt ist Hurle dennoch. „Vielleicht ist der SV 08 derzeit noch gebeutelter – gerade personell – als wir. Aber gerade das macht sie noch gefährlicher. Die Jungs werden morgen für Lucca nach seinem privaten Glück ums Leben rennen. Der Respekt ist jedenfalls groß“, erklärt der Bühlertäler Coach, der die Partie als ein „bissel richtungsweisend“ bezeichnet, der von einer „knappen Geschichte“ ausgeht. „Wir müssen clever spielen, keine dummen Fouls begehen und Standards in Strafraumnähe vermeiden“, erklärt Hurle, der wohl wieder mit Sturmtank Gregor Dörflinger planen kann. Denn der SV 08 hat in Person von Emanuele Giardini einen ausgewiesenen Fachmann des ruhenden Balls in seinen Reihen.

Das Bier danach ist gesetzt

Strolz warnt derweil „vor den gestandenen Verbandsliga-Spielern in den SVB-Reihen, die gehörige Qualität mitbringen“. Das letzte Liga-Aufeinandertreffen der beiden mittelbadischen Schwergewichte ist mittlerweile über zwei Jahre her, auch damals gastierte der SV 08 auf dem Mittelberg. Es waren 90 zerfahrene Minuten, jedoch mit einem Highlight in Minute zwei der Nachspielzeit: Denn da hämmerte 08-Flügelflitzer Steven Herbote das runde Leder aus der Distanz zum 1:0-Siegtreffer in den Giebel. Herbote versank unter einer schwarz-blauen Jubeltraube, während die SVB-Spieler wie vom Blitz getroffen zu Boden sackten. Szenen, die Hurle nicht vergessen hat – und die er morgen nicht wieder erleben möchte: „Ich habe tatsächlich noch nie ein Ligaspiel gegen den SV 08 gewonnen. Ob Torfestival oder grausamer Kick wäre mir in diesem Fall dann auch mal egal, Hauptsache, diese Serie reißt.“

Doch auch Strolz verfolgt zwei Ziele: „Natürlich drei Punkte zu holen, aber nach dem Schlusspfiff auch ein Bierchen mit Johannes zu trinken.“ Zumindest das mit dem Gerstensaft wird klappen, wie Hurle versichert: „Wir werden definitiv ein Papa-Bier trinken und dann mindestens noch eins, wenn wir das Spiel analysieren.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
29. Oktober 2021, 05:00 Uhr
Lesedauer:
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